«Nicht mal der Tod wird die Lawine stoppen»

Bühne frei für Jack Warner. Der ehemalige Fifa-Vize tritt die Flucht nach vorne an und droht Blatter mit Enthüllungen. Dank gekaufter Sendezeit.

Da scheint einer seinen TV-Auftritt zu zelebrieren: Jack Warner wettert in der Nacht auf Donnerstag.

Ex-Vizepräsident Jack Warner hat mit Behauptungen auch gegen Joseph Blatter im Korruptionsskandal der Fifa nachgelegt. Laut Warner soll der Fussball-Weltverband seine Partei auf Trinidad und Tobago im Wahlkampf vor fünf Jahren finanziell unterstützt haben.

Fifa-Funktionäre hätten davon gewusst, darunter auch Blatter, behauptete Warner in einer vorangegangenen achtminütigen Ansprache im Fernsehen. «Nicht mal der Tod wird die Lawine stoppen, die kommt», prophezeite der 72-Jährige vor Anhängern auf Trinidad: «Die Würfel sind gefallen.»

Die entsprechenden Checks und anderes Beweismaterial habe er an seine Anwälte übergeben, schrieb die Zeitung «Trinidad and Tobago Guardian». Er habe Angst um sein Leben, meinte Warner und entschuldigte sich, sein Wissen über die angeblichen Vorgänge nicht vorher schon öffentlich gemacht zu haben. Nach seinem Ausschluss aus dem Fifa-Machtzirkel im Jahr 2011 hatte er bereits einen «Tsunami» an brisanten Informationen angekündigt – allerdings ohne Taten folgen zu lassen.

Auf Kaution frei

Warner war in der vergangenen Woche in seinem Heimatland kurzfristig festgenommen worden. Gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar kam er wieder auf freien Fuss. Der ehemalige Minister für Sicherheit in Trinidad und Tobago und Mitglied der Independent Liberal Party gehört zu denjenigen, denen von der US-Justiz Korruption, Verschwörung und organisiertes Verbrechen vorgeworfen wird. Die USA haben auch die Auslieferung Warners beantragt. Amtshilfe soll dabei Interpol leisten.

Warner wurde in der Aussage des früheren Fifa-Exekutivkomitee-Mitglieds Chuck Blazer, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, namentlich allerdings nicht genannt. Dem Vernehmen nach soll der einstige Fifa-Vizepräsident aber der Mitverschwörer sein, der Schmiergelder vom späteren WM-Gastgeber Südafrika erhalten haben soll.

Nicht die erste Attacke auf Blatter

Nachdem er von der Rücktrittsankündigung von Verbandschef Blatter am vergangenen Dienstag gehört habe, habe er ihm in einem Brief den sofortigen Rücktritt nahegelegt, berichtete Warner und fabulierte etwas nebulös: «Blatter weiss, warum er gefallen ist. Und wenn es jemand anderes weiss, bin ich es.»

Derartige Warner-Attacken auf Blatter sind nicht neu. Vor wenigen Tagen erst hatte er nach der Wiederwahl Blatters Ermittlungen gegen den scheidenden Fifa-Chef gefordert. «Kein anderer hat so viel Schande über die Fifa gebracht», hatte Warner, der 2011 im Zuge eines anderen Korruptionsskandals von seinem Amt als Fifa-Vize zurückgetreten war, in einem Interview des Magazins «Stern» gesagt.

rub/sda

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