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De Gregorio verteidigt Blatter in der «grössten Krise der Fifa»

Der Fifa-Kommunikationschef sagt in der «Arena», was er von Korruption und seinem Chef hält. Thomas Minder, Jurist Pieth und Politiker Jositsch halten dagegen.

Die Runde: Unter der Leitung von Moderator Jonas Projer (Mitte) diskutierten zunächst Walter de Gregorio, Gabi Huber, Daniel Jositsch und Guido Tognoni (v.l.).
Die Runde: Unter der Leitung von Moderator Jonas Projer (Mitte) diskutierten zunächst Walter de Gregorio, Gabi Huber, Daniel Jositsch und Guido Tognoni (v.l.).
Screenshot SRF
Schaltete sich jeweils als Experte ein: Mark Pieth, Strafrechtsprofessor an der Uni Basel und Fifa-Kenner.
Schaltete sich jeweils als Experte ein: Mark Pieth, Strafrechtsprofessor an der Uni Basel und Fifa-Kenner.
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«Es gibt wenig Korruption in der Schweiz»: FDP-Fraktionschefin Gabi Huber.
«Es gibt wenig Korruption in der Schweiz»: FDP-Fraktionschefin Gabi Huber.
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In der «Arena» des Schweizer Fernsehens diskutierten in wechselnder Konstellation Fifa-Kommunikationschef Walter de Gregorio, Daniel Jositsch (SP), Gabi Huber (FDP), Thomas Minder und Fifa-Kritiker Guido Tognoni die aktuellen Vorgänge rund um den Weltfussballverband. Naturgemäss gerieten sich de Gregorio und Tognoni immer wieder in die Haare. So etwa als Tognoni die Ethikkommission der Fifa mehrfach als «Witz» bezeichnete oder behaupte: «Blatter wusste immer, dass Jack Warner Geld stiehlt.»

Als Experte schaltete sich jeweils Professor Mark Pieth ein, Strafrechtsprofessor der Uni Basel und Fifa-Kenner. Wie de Gregorio kritisierte auch er Tognonis «Behauptungen». De Gregorio selber stellte sich im sogenannten Prüfstand einzeln den Fragen von Moderator Jonas Projer. Er tat dies gewohnt souverän, wenn auch nicht immer sofort eine klare Antwort kam. So weiss der Zuschauer noch immer nicht, wer der höchste Fifa-Funktionär ist, der an die Frauen-WM nach Kanada reist.

Klar wurde jedoch: Es wird weder Blatter noch Generalsekretär Valcke sein. «Solch hohe Funktionäre müssen in der Krise präsent sein und können nicht verreisen», sagte de Gregorio. Blatter müsse in dieser «grössten Krise der Fifa» an einer Lösung arbeiten.

Jositsch kritisiert die Schweiz

Wenn aber etwas gegen den Noch-Fifa-Präsidenten Blatter vorläge, hätte man ihn schon lange verhaften oder anhören können, so der Kommunikationschef weiter. Er verteidigte seinen Chef mehrmals vehement. SP-Nationalrat Daniel Jositsch kritisierte hingegen die Untätigkeit der Schweizer Justiz: Trotz jahrelanger Kritik habe es bisher in der Schweiz noch nicht einmal ein Verfahren gegen die Fifa gegeben. Dafür hätte erst die US-Justiz aktiv werden müssen. Das sei «schwach» von der Schweiz.

FDP-Fraktionschefin Gabi Huber argumentierte gegen strengere Gesetze. Erstens handle es sich bei der Korruption um ein globales Phänomen, Regulierung sei aber nur bis zur Schweizer Grenze möglich. Zweitens gebe es in der Schweiz sehr wenig Korruption und ein Schnellschuss bloss wegen des Fifa-Skandals wäre deshalb verfehlt.

Tognoni spottet über Kleinverbände

Einig war sich die Runde, dass der jetzige Zeitpunkt ideal für Reformen bei der Fifa wäre. Für de Gregorio ist wichtig, dass Blatter das Feld nicht sofort räumt. «Für Reformen braucht es Mehrheiten, und die hat Blatter. Er hat 133 Verbände hinter sich, die ihn gewählt haben.» Für Tognoni ist das nicht genug: «Das sind Klein- und Kleinstverbände, die nicht den modernen Fussball repräsentieren. 100 von denen könnten nicht einmal die Offside-Regel erklären», spottete er.

De Gregorio hielt fest, dass die Wahlen geheim seien und niemand wisse, welche Verbände für Blatter gestimmt haben. Schliesslich wurden die beiden «Streithähne» ausgewechselt. Für die Debatte über das Antikorruptions- und das Whistleblowergesetz gesellten sich Ständerat Thomas Minder und Arbeitgeberverband-Direktor Roland A. Müller zu Huber und Jositsch.

Trinkgelder als Korruption?

Moderator Projer wollte wissen, warum das Antikorruptionsgesetz nicht härter ausgefallen sei. FDP-Fraktionschefin Huber betonte, man dürfe sich bei der Gestzgebung nicht von den aktuellen Ereignissen blenden lassen. «Man kann doch nicht wegen dieses Vorfalls eine ‹Lex Fifa› machen». Arbeitgeberverband-Direktor Müller argumentierte, es sei schwierig zu sagen, wo Korruption anfange. Schliesslich könnten auch Trinkgelder in einem Restaurant Korruption sein. Diese Aussage stiess nur beim Twitter-Publikum auf Widerspruch.

Thomas Minder vertrat in der juristisch detailliert geführten Debatte die Meinung, dass es dem Staat egal sein könne, wenn ein Autoverkäufer bei einem Geschäft 2000 Franken in den eigenen Sack stecke. «Das soll die Firma selber regeln.»

Professor Mark Pieth schlug schliesslich vor, man könnte die Fifa in Sachen Korruption zumindest mit anderen internationalen Sportverbänden gleichsetzen, sodass man nicht am Gesetz der Privatkorruption schrauben müsste – ein Vorschlag, gegen den auch de Gregorio nichts einzuwenden hatte.

Kultur der Offenheit verhindert Korruption

Zum Schluss war auch ein Whistleblower-Gesetz Thema. Mit einer Kultur der Offenheit könnten Missstände wie Korruption bekämpft werden – sofern Angestellte sie ungestraft melden könnten. Alle Beteiligten fanden diesen Gedanken gut.

Dennoch tut sich diesbezüglich in der Schweiz praktisch nichts. Seit über zwölf Jahren ist ein solches Gesetz zum Schutze von Whistleblowern ein Thema, doch noch immer existiert es nicht. Warum das so ist und wer blockt konnte keiner der Beteiligten ausführen – auch nicht auf mehrfache Nachfrage von Moderator Projer.

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