«Für das Luxushotel ist solche Publizität nicht förderlich»

Nächtliche Verhaftungen im Hotel, Bad News für die ganze Welt: Wird der Fifa-Skandal ein Problem für Zürich? Dazu Image-Spezialist Christian Fichter.

«Auf mittlere und längere Sicht wird Zürichs Image sicher nicht leiden»: Psychologe Christian Fichter.

«Auf mittlere und längere Sicht wird Zürichs Image sicher nicht leiden»: Psychologe Christian Fichter.

(Bild: PD)

Benno Gasser@tagesanzeiger

Die Fifa steht am Pranger. Leidet dadurch auch das Image der Stadt Zürich?
Auf mittlere und längere Sicht wird Zürichs Image sicher nicht leiden. Die Festnahme der Fifa-Funktionäre wird in der Öffentlichkeit mehr als Einzelereignis wahrgenommen, das eigentlich nicht viel mit Zürich zu tun hat. Das Image von Zürich würde nur dann leiden, wenn über längere Zeit viele negative Ereignisse mit Bezug auf Zürich geschehen würden. Ein Beispiel dafür ist der Zürcher Finanzplatz, der jahrelang unter den schlechten Nachrichten aus der Finanzbranche zu leiden hatte. Das Image des Bankers hat dadurch stark gelitten. Das zeigt sich auch daran, dass sich heute zahlreiche Studienabgänger bewusst gegen eine Banklaufbahn entscheiden.

Und wie steht es um das Image der Fifa? Verändert es sich durch die jüngsten Ereignisse?
Hier muss man differenzieren. Ausserhalb von Europa ist das Image der Fifa nach meiner Ansicht auch nach den Verhaftungen mehrheitlich gut. Das Thema Fussball erzeugt ein positives Bild. In Europa sieht es allerdings anders aus. In den vergangenen Jahren hat das Bild der Organisation Risse erhalten. Durch die Verhaftungen der Fifa-Funktionäre sind Leute mit einer kritischen Einstellung gegenüber diesem Verein in ihrer Haltung noch bestärkt worden.

Schauplatz der Verhaftungen war das Hotel Baur au Lac. Der Name erscheint weltweit in allen Medien. Stimmt hier das Sprichwort «Jede Art von Publizität ist gute Publizität»?
Keinesfalls. Dieses Sprichwort ist empirisch auch längst widerlegt. Für das Luxushotel ist eine solche Publizität im Zusammenhang mit den Verhaftungen nicht förderlich. Das Hotel wird als Ort wahrgenommen, wo sich geheime Bünde treffen, als Bonzenhotel. Das ist natürlich eine oberflächliche Betrachtung. Doch die Mehrheit der Bevölkerung vertieft sich normalerweise nicht in ein Thema und bildet sich schnell eine Meinung. Es ist weniger zeitraubend, sich von einem Image leiten zu lassen, als alle relevanten Fakten zusammenzutragen und einzuordnen. Dies geschieht zwar auf Kosten der Genauigkeit, für die meisten Alltagssituationen bleibt dieser Verlust ohne schwerwiegende Konsequenzen.

Wie sollte sich die Fifa in einer solchen schwierigen Situation verhalten?
Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: abstreiten und leugnen, verharmlosen und umdeuten oder alle Fehler eingestehen, sich entschuldigen und Besserung geloben.

Welches ist die beste Option?
Kurzfristig am besten funktioniert leider meistens, Vorwürfe abzustreiten und zu leugnen. Die Fifa hat sich gestern für ein Verharmlosen und Umdeuten entschieden, indem sie sagte, das Vorgefallene sei gut für sie und sie habe es sogar selber angestossen. Das kam zynisch rüber. Ich plädiere stattdessen dafür, Fehler zuzugeben und sich zu entschuldigen. Das ist zwar kurzfristig mit schlechter Presse verbunden. Langfristig zahlt sich dieser Weg aber aus. Am Ende werden die Lügner eben doch entlarvt. In einem solchen Fall ist das Image irreparabel beschädigt.

Sie haben vor gut einem Jahr das Image der Region Zürich untersucht. Wie nehmen uns ausländische Gäste wahr?
Überwiegend positiv. Die Region Zürich wird schon fast romantisiert. Ausländer assoziieren Zürich oft mit der ganzen Schweiz, die als reich und teuer wahrgenommen wird. Ebenfalls sehr positiv ist die Wahrnehmung der Bewohner des Kantons Zürich. Am kritischsten fällt die Beurteilung durch die restliche Schweiz aus. Hier schlägt sich das typische Image einer betriebsamen und gesellschaftlich erfolgreichen urbanen Region nieder. Positive Attribute werden dabei weniger hoch bewertet, Kritikpunkte fallen deutlicher aus. Die Fifa wurde in unserer Studie im Zusammenhang mit Zürich nur selten genannt, dann aber negativ.

Christian Fichter ist Sozial- und Wirtschaftspsychologe und Leiter von Kalaidos Research. Er hat 2014 im Auftrag des Kantons Zürich das Image der Region wissenschaftlich erfasst.

baz.ch/Newsnet

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