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Pyro im Stadion: Vorbild Österreich?

Der FC Basel würde eine legale, kontrollierte Form von Pyro im Stadion befürworten. In Österreich ist dies möglich. Doch das Wiener Modell geht den Fans nicht weit genug. Und auch in Österreich stehen die Zeichen auf Repression.

Die Fackelwürfe aus dem Gästesektor im St. Jakob Park haben in der Schweiz die Diskussion um bengalische Fackeln in den Stadien neu entfacht. Einmal mehr plädieren die einen für stärkere Kontrollen und härtere Strafen. Einmal mehr wird von anderen bemängelt, dass Pyro mit Gewalt gleichgesetzt werde. Und gefordert, Fans sollen im Stadion legal und kontrolliert bengalische Fackeln abbrennen dürfen.

Der Basler Soziologe Ueli Mäder etwa sagte Anfang September – nach dem Fackelwurf von FCZ-‚Fans’ – in der WOZ: «Ich wünsche mir einen Rahmen, der es erlaubt, Pyro kontrolliert zu zelebrieren.»

FC Basel offen für 'alte Lösung'

Beim FC Basel wäre man einer solchen Lösung gegenüber offen. «Der FCB würde eine legalisierte, kontrollierte und für alle Matchbesucher sichere Form von Pyro im Stadion durchaus befürworten– so wie es im alten Stadion gehandhabt wurde», sagt Mediensprecher Josef Zindel gegenüber baz.online. «Eine solche Lösung ist aber zurzeit politisch kaum durchsetzbar, die öffentliche Diskussion um Fankultur und Gewalt ist im Moment noch zu einseitig.»

Die Sonntagszeitung nimmt die Diskussion nach dem zweiten Fackelwurf im St.-Jakob-Park innert weniger Wochen – diesmal aus den Reihen der YB-Fans – auf und verweist auf den «Sonderfall Österreich». In den österreichischen Stadien dürfen bengalische Fackeln und Rauchpetarden im Rahmen von Fanchoreografien prinzipiell gezündet werden.

Das österreichische Modell

«Wir befinden uns auf der Grenze zwischen der deutschen und der italienischen Fankultur. Und bei den Tifosi haben pyrotechnische Gegenstände ja Tradition», erklärt Christian Kircher, Sprecher der Österreichischen Fussball-Bundesliga. «Wir wollen den Fans im Rahmen der Selbstverantwortung diese Möglichkeit bieten und nicht rigoros alles verbieten.»

Um Fackeln und Petarden zu zünden, braucht es eine Verordnung der jeweiligen Veranstaltungsbehörde sowie die Zustimmung des Sicherheitsheitverantwortlichen des veranstaltenden Klubs. Ist dies gegeben, dürfen die Fans bis zu acht bengalische Fackeln und vier «Rauch erzeugende Gegenstände» zünden.

Nicht während dem Spiel

«Aber natürlich darf dies niemals im Sektor selbst geschehen, und nur im Beisein von Experten, die diese Fackeln löschen können», erläutert Kircher. «Daraus ergibt es sich, dass die Durchführung einer Fanchoreographie mit pyrotechnischem Gerät niemals während eines Spiels stattfinden kann sondern zumeist davor oder in der Pause.»

Bei der Austria Wien etwa werde die Möglichkeit, legal und kontrolliert Pyro einzusetzen, von den Fans bei etwa drei bis vier Spielen pro Saison genutzt, sagt Fankoordinator Martin Schwarzlantner.

Auch Österreich setzt auf Repression

Gemäss Sonntagszeitung habe die Praxis der Pyrotoleranz in Österreich dazu geführt, dass die Anzahl unbewilligter Zündungen «spürbar zurückgegangen» sei. Aber auch in Österreich sind Pyro-Gegenstände in den Fankurven Realität, wie ein Blick in die Fotogalerien von Wiener Fanclubs im Web zeigt. Kircher hat gar den Eindruck, dass das unbewilligte Abbrennen von Bengalen in den Stadien zunimmt: «In letzter Zeit verzeichnen wir vermehrt Vorfälle. Das Zünden bengalischer Fackeln in den Fansektoren hat sich zu einem regelrechten Trend entwickelt.»

Dieser Entwicklung versuche man zurzeit vor allem durch Kontrollen und Stadionverbote entgegenzuwirken, sagt Kircher. Jetzt sollen aber auch rechtliche Grundlagen für härtere Strafen geschaffen werden: «Wir versuchen mit den politischen Verantwortlichen rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die zu einer Eindämmung Hand bieten. Denkbar wäre etwa, bereits das Mitführen einer bengalischen Fackel unter Strafe zu stellen, wie dies in England der Fall ist.»

Die Verhältnisse in englischen Stadien erachtet Kircher jedoch auch nicht in allen Bereichen als vorbildhaft: «In England wurden ja über Jahrzehnte strengste Massnahmen gegen jegliche nicht erlaubte Regung der Fans angewendet. Unterdessen hört man aber auch Stimmen, die meinen, man könne im Mutterland des Fussballs nicht mehr von Fankultur sprechen.»

Fans fordern mehr Spielraum

Auch bei der Austria kommt es immer wieder vor, dass unerlaubterweise Bengalen gezündet werden. Eine Zunahme von illegal abgebrannten Fackeln kann Schwarzlantner bei den Austria-Spielen aber nicht feststellen. Man spreche mit den Fans, und die Situation habe sich in letzter Zeit verbessert. Probleme habe man eher mit dem Werfen von Gegenständen und mit Böllern.

Es komme aber weiterhin vor, dass unerlaubterweise Bengalen gezündet werden. «Die Fans sind halt nicht sehr glücklich mit dieser Kompromisslösung“, erklärt Schwarzlantner. «Sie fordern einen separierten Bereich für Pyro innerhalb des Sektors.»

Pyro in Fan-Choreo integrieren

Eine solche Lösung würde seiner Meinung nach dazu beitragen, dass Fackeln bewusster, weil im Rahmen einer Choreagraphie abgebrannt würden. Der Kick des Verbotenen würde dadurch kleiner. Der Verein setzt sich daher auch für eine Regelung ein, die den Fans in dieser Hinsicht entgegenkommt. Die Entwicklung gehe aber eher in die andere Richtung, meint Schwarzlantner – in Richtung mehr Repression.

So wird auch in Österreich um ein Gesetz gerungen, das durch mehr Repression Gewalt von Fussball fernhalten und für Sicherheit in den Stadien sorgen soll. Und auch in Österreich geschieht dies unter dem Terminus «Hooligan-Gesetz» – ein Terminus, der Kircher nicht gefällt.

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