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Frustrierter FC Basel – Unruhe um Gross schadet nur

Der letzte Eindruck bleibt hängen. Und das im Falle Basels das 1:5 in Luzern. Diesen Frust nimmt der FCB mit in die Winterpause – und vor allem in die nächste Transferperiode.

Heute hat Basel sein Weihnachtsessen im Europapark Rust. Nichts scheint passender für Berg- und Talfahrt des Schweizer Meisters in diesem Herbst; am liebsten würden die Basler die deutsche Ortschaft wohl mit einem «F» ergänzen. Nach einem überzeugenden Start in der Meisterschaft und der Qualifikation für die Champions League war der FCB im Hoch.

Ein Alleingang in der Liga wurde ihm prognostiziert; der «Blick» schrieb schon früh, der FCB sei auf dem Weg zum 13. Titel nicht mehr zu bremsen. Mitte September betrug das Polster der Basler nach der Hälfte der ersten Meisterschaftsphase auf den Rivalen aus Zürich fünf Punkte; in den nächsten neun Partien büsste der FCB jedoch neun Zähler auf den FCZ ein – vier Zähler liegt der Meister nun zurück. Alleine sechs Punkte verlor Basel in den letzten drei Runden.

Das Herbsttief im nationalen Championat wurde begleitet – oder je nach Sichtweise assistiert – von den Auftritten in der Champions League. 0:5 zuhause gegen Barcelona und 0:5 bei Schachtar Donezk; die Resultate hielten dem FCB (und damit auch dem Schweizer Fussball) die Realität der internationalen Kompetitivität deutlich vor Augen. Bereits die Qualifikation für lukrative Königsklasse hing an einem dünnen Faden. Wohl waren die Basler sowohl IFK Göteborg als auch Vitoria Guimaraes überlegen, doch in beiden Runden sicherte im Rückspiel im St.-Jakob-Park ein Fehlentscheid des Schiedsrichters die Promotion.

National top – international bescheiden

In den letzten Wochen wurde die Zukunft von Trainer Christian Gross landesweit diskutiert. Der Zürcher, der mit den jüngsten Erfolgen des FCB eng verbunden ist und in nun bald zehn Jahren vier Meister- und vier Cuptitel holte, gibt an, sich in Basel wohl zu fühlen. Gleichwohl ist bisher weder von Gross noch vom Verein ein klares Bekenntnis für eine Fortführung der Zusammenarbeit zu hören gewesen. Der Coach reagierte jüngst kurz angebunden auf entsprechende Fragen.

Der FC Basel ist unter Gross und auch unter Präsidentin Gigi Oeri zu einem hochrentablen Unternehmen geworden. 30 Millionen Franken setzt der Klub pro Jahr um und ist damit in der Schweiz Branchenkrösus; das Budget des FC Zürich ist nach offiziellen Angaben rund 15 Mio – bewegt sich aber effektiv knapp über der 20-Millionen-Grenze. Im internationalen Vergleich ist aber auch der Etat Basels bescheiden. Die Gegner in der Champions League operieren mit einem mehrfachen Aufwand.

Schon grössere Rückstände aufgeholt

Auch wenn der Luxusdampfer FCB sich derzeit in unruhigen Gewässern bewegt, so ist nicht auszuschliessen, dass er am Ende der Saison am Meistersteg anlegt. Vor zwei Jahres bewies der FCB, dass er in der Lage ist, auch grosse Rückstände aufzuholen, und 2001 wurde Basel Meister, obwohl er zum Saisonauftakt in Sitten 1:8 verloren hatte. Damals betrug der Rückstand zur Winterpause gar zehn Punkte; dass es am Ende nicht zum Titelgewinn gereicht hatte, war dem Umstand zuzuschreiben, dass St. Gallen gegen Zürich einen gesperrten Spieler eingesetzt und so statt dem 0:0-Unentschieden eine 3:0-Forfait-Sieg des FCZ in die Wertung kam.

Der FCB verfügt fraglos über die Qualität, im Frühjahr eine Aufholjagd erfolgreich zu starten. Die viel zitierte Doppelbelastung mit Europacup und Meisterschaft fällt weg. Die zur Zeit angeschlagenen, verletzten oder kranken Spieler werden dem Trainer ebenso wieder zur Verfügung stehen. Allerdings – so ist auch anzumerken – ist die Qualität in der Breite trotz grossem Budget und Kader nicht im gewünschten Mass vorhanden, wie das 1:5 in Luzern zeigt.

Handlungsbedarf in der Abwehr

Es ist Gross und dem FCB im Sommer nicht gelungen, das Team mit Transfers zu verstärken. Der Abgang von Daniel Majstorovic konnte mit der Verpflichtung von David Abraham nicht kompensiert werden; das Engagement eine 22-jährigen Abwehrchefs war ein Risiko, das sich (noch) nicht auszahlte. Der Argentinier kann noch immer dominierender Innenverteidiger werden, doch ist er im Moment noch zu wenig konstant. Darunter leidet vor allem François Marque, dem von vielen Seiten nur bedingt Super-League-Tauglichkeit attestiert wird. Und Behrang Safari lieferte in der ersten Saisonhälfte vor allem Gründe, warum er nicht zu Schwedens EM-Aufgebot gehört hatte. In der anstehenden Transferperiode besteht deshalb für den FCB vor allem in der Abwehr Handlungsbedarf.

Vielleicht wäre Oeri besser beraten gewesen, den Vertrag mit Gross vorzeitig zu verlängern. Ein Teil der zuletzt aufgekommen Unruhe wäre damit sicher zu vermeiden gewesen. Gross reagierte auf die öffentlich entzogene Liebe verständlich wenig begeistert; der Schaden, der bei einer vorzeitigen Trennung finanziell entsteht, wäre im Endeffekt vielleicht sogar kleiner gewesen als der Wirbel, den die Trainer-Diskussion nun auslöste. Es ist jedoch auch zu bemerken, dass der FCB in den letzten sechs Jahren nur dreimal mehr Punkte in der Vorrunde holte als in dieser Saison. Es war auch sein Pech, dass der FCZ mit 42 Zählern seine beste Hinrunde seit Einführung des neuen Meisterschaftsmodus 2003 zeigte.

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