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Der Poker um Derdiyok ist eröffnet

Zeitnah will sich der Bundesligist Bayer 04 Leverkusen mit dem FC Basel über einen Wechsel des 20-jährigen Stürmers Eren Derdiyok einigen. Der sagt: «Ich würde gerne gehen.»

Nach dem ersten Training mit der Nationalmannschaft vor dem Testspiel gegen Finnland fand Eren Derdiyok am Montagabend Zeit, Licht in den Transfer Richtung Bundesliga zu bringen. «Ich habe mit Leverkusens Manager Michael Reschke sowie meinem Berater kürzlich in Basel verhandelt. Auch mit Trainer Bruno Labbadia habe ich gesprochen, das tönt alles sehr interessant», sagt das Sturmjuwel offenherzig.

Von Leverkusener Seite heisst es: «Wir sind relativ weit in den Gesprächen.» Das sagt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. «Über den Zeitpunkt eines Wechsels haben wir noch nicht geredet», präzisiert Holzhäuser, «das werden wir aber bald tun und uns mit dem FC Basel in Verbindung setzen.»

Die Deutschen hatten sich zuvor die Erlaubnis beim FC Basel eingeholt, mit dem begehrten Stürmertalent zu reden, um die Fifa-Regularien nicht zu verletzen. Erstaunlich in diesem Fall war jedoch, dass Derdiyoks Berater Volker Struth in den Medien die Zukunftspläne seines Schützlings («Eren will in die Bundesliga, er wird sich in den nächsten Tagen zwischen Schalke und Leverkusen entscheiden») hinausposaunte.

Spannend wird nun sein, über welche Ablöse in Kürze verhandelt werden wird. Wenn man Derdiyoks Talent und Stellenwert in Relation zu dem von Felipe Caicedo setzt, der vergangenen Winter für rund zehn Millionen Schweizer Franken vom FC Basel in die Premier League zu Manchester City ging, dann dürfte ein Preis von acht Millionen Franken für Derdiyok nicht unverschämt sein. Im Sommer lehnte der FCB jedenfalls Offerten aus Hoffenheim, Newcastle und Moskau, aus Italien sowie von allen drei grossen Istanbuler Clubs ab. Und diese boten zweistellige Millionenbeträge.

Zu acht Millionen Franken sagt Holzhäuser aber: «Das ist sicher nicht vorstellbar.» Eine Stürmernot hat der aktuelle Bundesliga-Erste im Augenblick auch nicht, er ist jedoch nicht mit einem sonderlich breiten Kader ausgestattet.

Keine Stürmernot

Bayer-Trainer Bruno Labbadia ist die Kassenlage seines neuen Clubs bewusst: «Wir werden nicht auf grosse Einkaufstour gehen können.» Der Stadionausbau verschlingt weit mehr als in den ersten Kalkulationen veranschlagt, und die Neun-Millionen-Franken-Investition in den famosen Brasilianer Renato Augusto war letzten Sommer das Teuerste, was sich die Leverkusener seit den Exzessen in der Ära Reiner Calmund geleistet haben. Spielraum erhielte Bayer jedoch, wenn sie den nicht mehr sonderlich geschätzten Griechen Theofanis Gekas abschieben könnten.

So oder so zeichnen sich zähe Verhandlungen zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem FC Basel ab, was die Deutschen aber nicht weiter stören wird. Denn in den jüngsten Transferpokern zeichneten sich die Rheinländer – notgedrungen, weil finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet – durch grosse Geduld aus. Oder auch Geschick. Auf den deutschen Nationalspieler Patrick Helmes warteten sie anderthalb Jahre, da ihn der linksrheinische Erzrivale 1. FC Köln nicht ziehen lassen wollte. Schliesslich kam Helmes ablösefrei. Genauso verhält es sich mit dem U21-Nationalspieler Daniel Schwaab vom SC Freiburg, der kommenden Sommer gratis unters Bayer-Kreuz wechselt.

Und wenn es in die Verhandlungen geht, schicken die Leverkusener Rudi Völler federführend vor. Der ehemalige deutsche Nationaltrainer macht mit dem Charisma eines Weltmeisters von 1990 – so wird es in Bayer-Kreisen gerne erzählt – einen Transfer auch schon mal billiger. Zu allen Überlegungen will sich FCB-Vizepräsident Bernhard Heusler derzeit nicht näher äussern: «Jede Aussage ist Quatsch, da nichts Konkrektes auf dem Tisch liegt.»

Klappt der Transfer schon diesen Winter, wäre es für Derdiyok der krönende Abschluss eines grossartigen 2008: Seine Tore für die Schweiz und den FC Basel im Wembley sowie im Camp Nou waren Sternstunden, ebenso das Kopfgoal beim Cupsieg über Bellinzona. «Wenn sich die beiden Clubs einigen, sind alle glücklich», meint der Profi, «und wenn es nicht klappt, spiele ich weiter beim FCB und gebe alles. Aber der Schritt ins Ausland wird kommen.»

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