Der Kampf um ein volles Stadion

Der FC Basel muss viel unternehmen, um in der Europa League vor vollen Rängen spielen zu können. Dabei hat der Wettbewerb zuletzt an Attraktivität gewonnen.

Silvan Widmer (rechts) und seine Mitspieler dürften gegen Getafe noch mehr Zuschauer im Rücken haben als gegen Krasnodar. 25'000 Besucher werden erwartet. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Silvan Widmer (rechts) und seine Mitspieler dürften gegen Getafe noch mehr Zuschauer im Rücken haben als gegen Krasnodar. 25'000 Besucher werden erwartet. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Vielleicht war es einfach die Vorfreude auf den nächsten Europacup-Abend des FC Basel. Oder ein kleiner Zahlendreher, wie er immer wieder passieren kann. Aber nein, morgen Abend werden wahrscheinlich keine 28'000 Zuschauer in den St.-Jakob-Park kommen. Und wohl auch keine 27'000, wie es Karli Odermatt im Interview bei Telebasel angekündigt hat. Es werden weniger sein.

Allerdings nicht allzu viele.

Gegen den Getafe CF kann sich der FC Basel morgen Donnerstag (18.55 Uhr, SRF 2 live) für die K.o.-Phase in der Europa League qualifizieren. Im Spitzenspiel der Gruppe C treffen sie auf einen Gegner, der in der Vorsaison in der spanischen Liga auf dem fünften Platz gelandet ist und die Champions League nur ganz knapp verpasst hat. Zudem gastiert der spanische Verein zum ersten Mal überhaupt in Basel.

Entsprechend haben der Verein und seine Fans in den letzten Wochen viele Hebel in Bewegung gesetzt, um das Stadion der Ausgangslage entsprechend zu füllen.

In der Vorwoche statteten zum Beispiel Captain Valentin Stocker und Taulant Xhaka einigen Schulen in Basel einen Besuch ab, um Tickets für die Partie zu überreichen und zudem ein bisschen Werbung zu machen. Und auch die Muttenzerkurve rührt in der Stadt mit eigenen Plakaten die Werbetrommel für das Spiel und die Choreografie, die 15 Minuten vor dem Anpfiff präsentiert wird.

Das führt dazu, dass das Stadion so gut gefüllt sein wird wie lange nicht mehr in der Europa League. Der FCB rechnet – trotz massiven Behinderungen durch die Cyber-Attacke, die den Online-Ticketshop auch gestern bis in die Abendstunden lahmlegte – mit rund 25'000 Zuschauern. So viele Fans waren in der Europa League seit den Heimspielen gegen Tottenham und den Chelsea FC in der denkwürdigen Spielzeit 2012/13 nicht mehr bei einem Heimspiel.

Ja, ohne die Aktion in Zusammenarbeit mit Basler Schulen oder die verteilten Tickets an Juniorinnen und Junioren des Nordwestschweizer Fussballverbandes wäre eine solche Zahl kaum zu erreichen. Es ist keine bahnbrechend neue Erkenntnis, dass die Europa League weniger Strahlkraft hat als die Champions League. Zumal dann, wenn die Gegner Trabzonspor, Krasnodar und Getafe heissen, was nicht unbedingt Tausende Schau­lustige ins Stadion lockt.

Die Champions League ist zu einer geschlossenen Gesellschaft geworden, zu der primär die reichsten Vereine Europas Zutritt haben.

Aber dank der vielen verteilten Tickets kann sich der FCB auf eine ähnliche Stimmung wie zuletzt gegen Eindhoven freuen. Und wer weiss, vielleicht hat das Spiel in dieser Hinsicht eine gewisse Signalwirkung für die Basler Zukunft in Europa.

Die Champions League ist ja zunehmend zu einer geschlossenen Gesellschaft geworden, zu der primär die grössten und natürlich reichsten Vereine Europas Zutritt haben. Und eine Trendwende ist nicht absehbar. Entsprechend ist die Europa League für den FCB gewissermassen der Wettbewerb der Zukunft. Zumal dann, wenn das Format mit der Einführung eines weiteren Turniers ab der Saison 2021/22 auf 32 Teams verkleinert wird.

Entsprechend ist es die Europa League, die künftig noch mehr in den Fokus des FCB rückt und unter der Woche das Stadion füllen soll. Dort gibt es zwar keine Gegner wie Real Madrid, Manchester City oder Juventus Turin. Allerdings hat der Wettbewerb in den vergangenen Jahren durchaus an Attraktivität gewonnen.

Die Basler Fans sind von den erfolgreichen Nächten in der Champions League noch immer verwöhnt.

Vereine wie Eintracht Frankfurt haben gezeigt, dass man auch Spass haben kann, in unbekannten Städten in unbekannten Ländern gegen unbekannte Gegner Fussball zu spielen. Die Europa League zeigt, dass es auch abseits von Madrid, London und Manchester traditionsreiche Standorte gibt.

Die Basler hatten in dieser Hinsicht nicht unbedingt Glück mit der diesjährigen Auslosung. 10'500 verkaufte Packages für alle drei Heimspiele der Gruppenphase müssen dennoch als eine leichte Enttäuschung gewertet werden.

Das zeigt, dass die Basler Fans von den erfolgreichen Nächten in der Champions League noch immer verwöhnt sind. Aber vielleicht ist gerade das Spiel gegen Getafe nun eine Möglichkeit, sie von den Vorzügen der Europa League zu überzeugen. Die Kulisse dürfte morgen jedenfalls schon mal stimmen.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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