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Das stille Phänomen

Ricardo Rodriguez entfaltet sich im Schweizer Nationalteam immer mehr. Mit zwei Assists war der Aussenverteidiger am guten WM-Start hauptbeteiligt.

Vor dem WM-Auftakt standen immer wieder andere Schweizer im öffentlichen Zentrum. Shaqiri beispielsweise, die schillernde Bayern-Figur, war ein beliebtes Sujet. Von Captain Inler veröffentlichte die NZZ multimedial jedes Detail seiner Vergangenheit. Lichtsteiners Aufstieg zum internationalen Top-Verteidiger wurde in allen Facetten beleuchtet, die Formschwankungen von Xhaka und Djourou standen vom ersten Camp-Tag an täglich zur Debatte.

Und nahezu jeder Experte porträtierte das neue SFV-Stürmer-Juwel Josip Drmic. Nach der späten Wende im schwierigen Startspiel gegen Ecuador jubelte die Fussball-Schweiz geschlossen dem Siegtorschützen Haris Seferovic zu. Behramis spektakuläres Tackling und sein wilder "Galopp" über das halbe Spielfeld lösten landesweit einen Sturm der Begeisterung aus. Einer aber blieb im Hintergrund, genoss den perfekten WM-Start ohne Tweets und laute Grussbotschaften: Rodriguez, der eigentliche Auslöser der Glücksgefühle.

Der linke Aussenverteidiger ist in jeglicher Hinsicht ein Phänomen. Als knapp 18-jähriger verdrängte er beim FCZ den früheren Nationalteam-Leader Ludovic Magnin. Zwei Saisons später verschaffte er sich in Wolfsburg ohne allzu grosse Verzögerung Zutritt zur Stammformation eines ambitionierten Bundesligisten. In der SFV-Auswahl ging er seit dem Debüt im Herbst 2011 gleich vor - immer still und leise zwar, aber keineswegs schüchtern, sondern zielorientiert.

In Brasilien setzt das Gros der Equipen auf der linken Verteidigerposition auf eher erfahrene Spieler. Rodriguez zählt zu den jüngsten Stammspielern. Wobei: Sein 92er-Jahrgang trügt. Seit seinem Wechsel nach Deutschland hat er bereits 75 Bundesliga-Spiele bestritten. In der letzten Saison verpasste Rodriguez keine Sekunde. Beim VFL gehörte er mit 15 Skorerpunkten zu den produktivsten Professionals.

Laut seinem früheren Trainer Urs Fischer ist Rodriguez mit einer sehr guten technischen Qualität und einer hohen Spielintelligenz ausgestattet. Zudem besitzt der Verteidiger die Gabe, sich permanent dem steigenden Niveau anzupassen. Mehr Druck und Aufmerksamkeit hemmen ihn nicht. Dass er mit höheren Ansprüchen umzugehen weiss, demonstrierte er in den Monaten nach dem Gewinn des U17-WM-Titels. Derweil einige ebenso talentierte Kollegen abdrifteten, fokussierte er sich immer nur aufs Wesentliche.

Für Klischees eignet sich der hoch anständige junge Mann aus Schwamendingen nicht. Er trägt den Haarzopf nicht, um aufzufallen. Und nur weil sein Körper von ein paar Tattoos mehr bedeckt ist, käme keiner auf die Idee, ihn als jungen Paradiesvogel zu klassifizieren. Er kopiert niemanden, Rodriguez wirkt ausnahmslos echt und unverstellt. Seine Art kommt bei den Mitspielern gut an. Sie schätzen den pflegeleichten Kollegen. Und seine spielerischen Inputs auf dem Feld gewichtet der Kern als speziell hoch. Fällt Rodriguez an der WM-Endrunde weiterhin derart auf, bahnt sich im Juli ein Transfer zu einem europäischen Topklub an.

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