Zum Hauptinhalt springen

Realturnverein gleicht einem Lazarett

Die anspruchsvolle Saison des RTV Basel wird aktuell durch viele verletzte Spieler erschwert.

Auch Tibor Jurjevic (rechts), der mit 42 Treffern beste Schütze des RTV Basel in dieser Saison, hat aktuell mit Problemen an der Schulter zu kämpfen.
Auch Tibor Jurjevic (rechts), der mit 42 Treffern beste Schütze des RTV Basel in dieser Saison, hat aktuell mit Problemen an der Schulter zu kämpfen.
Florian Bärtschiger

Die Liste ist ungemütlich lang. Fast ein ganzes Team könnte man für das heutige Heimspiel gegen Kriens-Luzern (Rankhof, 18 Uhr) mit Spielern zusammenstellen, die beim RTV Basel verletzt sind oder durch hartnäckige Blessuren zurückgebunden werden.

Captain Igor Stamenov stand aufgrund von Problemen im Nackenbereich in dieser Saison noch keine Minute auf dem Platz. Gian Attenhofer, Silas Steiner (beide Patellasehne) und Björn Buob (Ellbogen) haben Beschwerden, auch Dennis Krause (Hüfte), Luca Engler (Bandscheibe), Yannick Ebi und Tibor Jurjevic (Ellbogen/Schulter) sind angeschlagen. Torhüter David Pfister hat sich zwar von seiner Langzeitverletzung erholt, bleibt aber aus anderem Grund fern: Er absolviert gerade die Rekrutenschule.

Den Realturnern geht somit momentan nicht nur die Breite im Kader verloren, sondern auch ein Stück an Qualität – einige der beeinträchtigten Akteure sind in gesunder Verfassung Leistungsträger. Gespielt haben sie teilweise dennoch, die Leistung blieb dabei erwartungsgemäss unter dem im Normalfall Möglichen.

Verständlich, dass Trainer Christian Meier zur aktuellen Lage sagt: «Das belastet uns natürlich stark. Mit den Veränderungen im Kader auf diese Saison hin wussten wir, dass es hart wird, wenn alle fit sind. Jetzt ist es halt noch härter.» Hadern möchte der Trainer gleichwohl nicht. «Auf solche Sachen zu verweisen, bringt nichts. Wir haben immer noch Spieler, die auflaufen können. Nun liegt es an ihnen, zu zeigen, was sie können.»

Spürbar sind die Ausfälle im Basler Spiel trotzdem, insbesondere in Bezug auf die momentan fast inexistenten Alternativen, die sich Meier bieten. In der letzten Meisterschaftspartie gegen St. Otmar St. Gallen, als dem RTV in der Schlussphase ein frischer Impuls gut getan hätte, sassen nur zwei Spieler auf der Bank. Einer davon war Attenhofer, der nur für die Siebenmeter das Feld betrat. «Wenn es einem nicht gut läuft, habe ich kaum Varianten», so Meier. Auch das Training gestalte sich schwierig, Teamübungen sind aufgrund geringer Spieleranzahl kaum durchführbar.

Mit der Zeit drücke es auf die Moral des Teams, wenn statt 15 nicht mal zehn Handballer zum Trainieren erscheinen. «Immerhin hat sich das taktische Verständnis durch Einzelübungen verbessert», bilanziert Meier.

Ligareform als Idee

Die vielen Verletzungen sind für ihn aber keine direkte Folge mangelnder Physis, die den Realturnern zu Beginn der Saison noch offensichtlich angehaftet hatte. «Wir haben in diesem Bereich noch Luft nach oben, keine Frage. Das Team hat sich aber in den letzten Wochen auf jeden Fall verbessert.» Der anfängliche Leistungseinbruch nach der Halbzeitpause sei mittlerweile behoben, die anhaltenden Probleme zum Spielende hin von ganz vielen Faktoren abhängig. «Die Athletik ist nur einer davon.» Der Trainer ergänzt: «Die Verletzungen sind nicht von solcher Art, dass wir sie auf die Physis zurückführen müssten.»

Die Ausfälle beim RTV könnten laut Meier vielmehr Indiz für etwas anderes sein, etwas Liga-Übergreifendes. Denn auch die anderen Teams der NLA hätten einige Verletzte zu beklagen. «Unsere Liga ist hinter der deutschen diejenige mit den meisten Spielen in der Hauptrunde», so der Trainer. 27 sind es an der Zahl. Die Lösung ist nach Meier einfach: aus einer Meisterschaft mit 10 Teams eine mit 12 machen und je ein Hin- und Rückspiel ansetzen. Damit wären es schon fünf Partien weniger. Eine solche Reform fände der Seeländer sinnvoll, er stellt aber klar: «Ich bin kein Funktionär. Das haben andere zu entscheiden.»

Der Fokus Meiers liegt ohnehin auf der Gegenwart. Für die heutige Heimpartie gegen Kriens-Luzern hofft der Trainer auf die Rückkehr von Rückraumspieler Krause. Und dass Engler nicht ausfällt – der Rücken zwickte gegen St. Otmar erneut. Wann sich die Situation wieder merklich verbessern wird, das ist für Meier nicht abschätzbar. «Ich will keine Prognose abgeben, wer wann zurückkommt. Das kann sich stets verändern.»

Ebi und Jurjevic sind einsatzbereit, Steiner langsam auf dem Weg dorthin. Buob wird noch rund zwei Wochen fehlen. Bis Attenhofer wieder bei vollen Kräften ist, dürfte es noch länger dauern, hinter Stamenovs nächstem Einsatz steht ein grosses Fragezeichen. Weitere Verpflichtungen über eine B-Lizenz, wie diejenige von Irfan Butt vom TV Birsfelden, scheinen zunächst nicht geplant. Noch hoffen sie beim RTV auf baldige Besserung.

11. Runde. Heute. 18 Uhr: RTV Basel - Kriens-Luzern (Rankhof), Endingen - Bern.

Rangliste. 1. Pfadi Winterthur 11/19. 2. Kadetten Schaffhausen 11/18. 3. St. Otmar St. Gallen 11/18. 4. Kriens-Luzern 10/14. 5. Wacker Thun 11/12. 6. Suhr Aarau 11/11. 7. BSV Bern 10/6. 8. Amicitia Zürich 11/5. 9. Endingen 10/2. 10. RTV Basel 10/1.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch