Zum Hauptinhalt springen

230 Tage für nichts

Warum der SC Bern am Ende ja sowieso souverän Meister wird.

Der SC Bern feiert den Meistertitel. Szenen, die sich dieses Jahr wiederholen könnten.
Der SC Bern feiert den Meistertitel. Szenen, die sich dieses Jahr wiederholen könnten.
Keystone

Warum spielen sie eigentlich mit dem Puck so lange, von einem Sommer fast bis zum nächsten, wenn wir doch längst wissen, wie es irgendwann endet? Das behauptet jedenfalls einer.

Es war ein Donnerstag, der 7. September, der Hurrikan Irma wütete in der Karibik, Roger Federer verlor beim US Open gegen Del Potro, seine Magie sei verflogen, stand in dieser Zeitung, bei uns genossen wir noch warmes Badewetter – und in der Eishalle Les Vernets in Genf begann die Eishockeymeisterschaft, Spiel 1, Servette gegen Lausanne.

300 Spiele dauert es, bis wir wissen, welche acht von den zwölf Mannschaften (theoretisch) noch Meister werden können. Und 230 Tage nach diesem 7. September, sollte es zum Schluss sieben Finalspiele geben, am 25. April, einem Mittwochabend, wissen wir spätestens, wer diesen komischen Pokal in die Höhe stemmen kann, theoretisch. Vielleicht ist dann schon wieder Badewetter.

Toben, jammern, fuchteln

Die Spieler des HC Davos sind in diesen langen Wochen, je nachdem, wie weit sie es in der Meisterschaft schaffen, ungefähr 170 Stunden in ihrem blauen Mannschaftsbus mit den vielen gelben Sternen gesessen. Sie sind ungefähr 12 000 Kilometer quer durch die Schweiz gefahren, sie kennen jeden Meter und jedes Haus am Strassenrand hinunter und hinauf durch das Prättigau, von und nach Landquart oder auf der anderen Route über Tiefencastel, wenn sie nach Lugano oder Ambri fahren.

Ihr Trainer, Arno Del Curto, tobt und lobt, jammert und beschwört, fuchtelt und sinniert an der Bande, er lebt seinen Beruf, als sei jeder Match wieder sein erster und der wichtigste, auch nach bald 22 Jahren immer im gleichen Club. Er ist 61 und manchmal noch ein Kind, ein Mann mit kindlicher Begeisterung zumindest, ein Besessener auf der ständigen Suche nach der Perfektion, die unerreichbar bleibt, und wenn er nicht einschlafen kann, und das passiert oft, weil es in seinem Kopf ständig rumort, dann hört er Konzerte von Leonard Bernstein und schwärmt von dieser Perfektion.

In diesen Tagen gab Arno Del Curto der «Berner Zeitung» ein Interview. Und er sagte darin, wobei seine Brille weiter nach unten gerutscht sein und er sein Gegenüber über den Rand angeschaut haben dürfte, mit ­verschmitztem Lächeln:

Warum fahren die HCD-Spieler 12'000 Kilometer mit ihrem Bus von Stadion zu Stadion, wenn wir doch bereits wissen, wie es endet?

Der SC Bern wird souverän, souverän, souverän den Viertelfinal überstehen. Und er weiss: Der SC Bern wird souverän den Halbfinal überstehen. Und er weiss noch mehr: Der SC Bern wird souverän den Final gewinnen.

Warum spielen sie also mit dem Puck so lange, vom 7. September bis vielleicht zum 25. April, fahren die Spieler des HCD ungefähr 12 000 Kilometer mit ihrem Bus von Stadion zu Stadion, bis zu 50-mal hinunter und hinauf aus dem Landwassertal, wenn wir doch bereits wissen, wie es endet?

Es gibt eine kleine Hoffnung. Vielleicht wird es wenigstens im allerletzten Spiel etwas spannend. Arno Del Curto sagt, der SCB werde souverän den Final gewinnen. Fügt dann aber doch an, die Brille wohl nochmals ein paar Millimeter tiefer auf der Nase: «Sehr wahrscheinlich.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch