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Coronavirus in der Schweiz+++ 8616 Neuansteckungen +++ Bund rechnet mit Defizit von 20 Milliarden Franken

Am Mittwoch sind in der Schweiz 24 Corona-Tote und 149 Spitaleinweisungen verzeichnet worden. Nationale Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der Corona-Ansteckungen in der Schweiz steigt stark an.

  • Der Bundesrat empfiehlt deshalb Homeoffice für die ganze Schweiz soweit möglich.

  • Diverse Kantone haben ihre Massnahmen gegen das Virus verschärft.

  • Heute will der Bundesrat neue Massnahmen beschliessen. Verfolgen Sie die Pressekonferenz in unserem Live-Ticker.

LIVE TICKER

Wegen Corona: Bund rechnet mit Defizit von 20 Milliarden

Für das laufende Jahr rechnet der Bund mit einem Defizit von 20 Milliarden Franken. Davon sind 18,1 Milliarden auf die ausserordentlichen Ausgaben zur Abfederung der Pandemie zurückzuführen. Das zeigt die zweite Hochrechnung des Bundesrats.

Budgetiert war ein Überschuss von 0,3 Milliarden Franken. Die Unsicherheit ist gemäss Mitteilung des Bundesrats vom Mittwoch aber noch immer gross. Der Anstieg der Corona-Fallzahlen könne bis Ende Jahr noch grössere Auswirkungen auf den Bundeshaushalt haben.

Rote Zahlen wegen der Pandemie: Finanzminister Ueli Maurer ist gefordert.
Rote Zahlen wegen der Pandemie: Finanzminister Ueli Maurer ist gefordert.
Foto: Anthony Anex (Keystone/24. Oktober 2020)
BAG meldet 8616 Neuinfektionen

Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind heute 8616 Coronavirus-Ansteckungen innert 24 Stunden gemeldet worden. Die Positivitätsrate beträgt 28 Prozent bei 30'772 neu gemeldeten Tests. Am Mittwoch vor einer Woche waren es 5596, am Mittwoch vor zwei Wochen 2823, gestern 5949 Fälle. Zudem meldete das BAG heute 24 neue Todesfälle und 149 Spitaleinweisungen.

Insgesamt gab es dem BAG zufolge seit Beginn der Pandemie 135'658 laborbestätigte Fälle. Seit Anfang der Pandemie mussten 6413 Personen wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden.

Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung waren am Mittwoch nach Angaben des BAG 24'355 Personen in Isolation und 23'270 Personen standen unter Quarantäne. Zusätzlich sassen 12'099 Heimkehrerinnen und Heimkehrer aus Risikoländern in Quarantäne.

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Armee setzt weitere WKs aus

Die Schweizer Armee führt bis Ende Jahr keine Wiederholungskurse (WK) mehr durch. Ausgenommen sind WK zur möglichen Unterstützung ziviler Behörden bei einer Verschärfung der Covid-19-Pandemie und solche zur Sicherung der Basisleistungen der Armee.

Die Armee bereitet den Einsatz bei einer Verschlechterung der Pandemielage derzeit vor, wie sie am Mittwoch mitteilte. Dabei steht die Unterstützung des Gesundheitswesens, an der Grenze oder von kantonalen Polizeikorps beim Botschaftsschutz im Vordergrund.

Nur Wiederholungskurse zur Vorbereitung dieses erneuten möglichen Assistenzdienstes finden noch statt. Weiter führt das Militär jene WK durch, die der Vorbereitung geplanter Einsätze im kommenden Jahr dienen. Darunter fällt etwa die Unterstützung der zivilen Behörden beim Weltwirtschaftsforum WEF vom 18. bis 21. Mai 2022 auf dem Bürgenstock NW.

Alle anderen Wiederholungskurse beendet die Armee entweder vorzeitig oder setzt sie bis Ende Jahr aus. Das soll die Bereitschaft und Durchhaltefähigkeit der Wehrleute im Hinblick auf den möglichen Assistenzdienst sichern.

Corona wirbelt das Armee-Programm durcheinander: Wiederholungskurse werden bis Ende Jahr ausgesetzt.
Corona wirbelt das Armee-Programm durcheinander: Wiederholungskurse werden bis Ende Jahr ausgesetzt.
Foto: Gaetan Bally (Alessandro Crinari/Archiv)

Je nach Lage kann die Armee weitere Massnahmen ergreifen, wie es weiter hiess. Für die ausfallenden Wiederholungskurse müssen die Armeeangehörigen keine Wehrpflicht-Ersatzabgabe zahlen. Zu ihren Wiederholungskursen werden sie ab kommendem Jahr wie geplant an den ordentlichen Terminen aufgeboten.

Luzern sagt Fasnacht 2021 ab

In der Stadt Luzern fällt die fünfte Jahreszeit 2021 der Coronapandemie zum Opfer. Die Behörden teilten am Dienstag mit, es werde im nächsten Februar kein Fasnachtstreiben geben. Die Stadt begründete dies mit der aktuellen Pandemielage und den gesetzlichen Bestimmungen von Bund und Kanton, zu denen Schutzkonzepte und Versammlungsbeschränkungen gehören. Grosse Fasnachtsanlässe seien nicht bewilligungsfähig. Die aktuellen Bestimmungen liessen auch ein wildes fasnächtliches Treiben nicht zu.

Die Stadt Luzern rechnet damit, dass die Pandemielage noch monatelang angespannt bleibe. Es sei unvorstellbar, dass diese sich bis zur Fasnacht so stark entspanne, das Fasnachtsanlässe bewilligt werden könnten, teilte sie mit.

Kein Umzug nächstes Jahr: Luzerns Fasnächtler müssen darben
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Keystone
Waadt verschiebt nicht dringende Operationen

Wegen der steigenden Spitaleinweisungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus verschiebt der Kanton Waadt in seinen Spitälern alle anderen nicht dringenden operativen Eingriffe. Damit könnten Personal und Betten für Covid-19-Patienten und andere Notfälle freigemacht werden.

Erst am Montag hatte die Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz (SP) die Verschiebung von 30 Prozent der Eingriffe angekündigt. Nur einen Tag später folgte die Verschärfung der Massnahmen. Denn im Kanton Waadt hätten sich am Dienstagmorgen bereits 34 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen befunden, teilte der Kanton am Abend mit.

Gleichzeitig nähmen die Spitaleinlieferungen zu und aktuelle Prognosen gingen bis Ende Woche von 80 Patienten auf den Notfallstationen des Universitätsspitals Lausanne (Chuv) und der anderen kantonalen Spitäler aus. Ende nächster Woche könnte sich die Zahl sogar noch verdoppeln.

Ausgenommen von den Massnahmen seien die Privatspitäler.

Glarus: 47 Kleinkinder in Quarantäne

Im Kanton Glarus sind im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie 47 Kleinkinder und 20 Betreuungspersonen in Quarantäne geschickt worden. Eine nicht im Glarnerland wohnende Mitarbeiterin einer Kindertagesstätte in Näfels war positiv auf das Virus getestet worden.

Die Kleinkinder im Alter von bis zu vier Jahren befänden sich in Quarantäne und in der Obhut der Eltern beziehungsweise von Betreuungspersonen, teilten die Glarner Behörden am Montag mit. Von acht auf das Coronavirus getesteten Betreuungspersonen waren zwei infiziert, zwei nicht. Vier Testresultate stünden noch aus, hiess es.

Laut Behördenangaben hat das Contact Tracing-Team im Glarnerland laufend mehr Fälle zu bearbeiten. Die Anfragen nähmen überproportional zu. Die Ressourcen würden stetig ausgebaut, reichten aber nicht aus, um die grossen Herausforderungen zu meistern. Betroffene Personen würden so schnell wie möglich per SMS, Telefonanruf oder Mail informiert, damit die Ansteckungsketten weiterhin unterbrochen werden können.

Kanton kritisiert Shoppi Tivoli

Das Shoppi Tivoli hat nach seinem am Samstag zeitweise aus dem Ruder gelaufenen Jubiläumsfest Kritik vom Kanton einstecken müssen. «Sowohl das allgemeine Schutzkonzept wie auch das Jubiläumsfest-Schutzkonzept decken den Fall einer unerwarteten Ansammlung von Personen nicht ab», heisst es in einer Medienmitteilung des Aargauer Gesundheitsdepartments. Das Spreitenbacher Einkaufszentrum muss deshalb sein Schutzkonzept umgehend überarbeiten und es dem kantonsärztlichen Dienst vorlegen. Das ist das Ergebnis einer Sitzung mit dem Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati, Kantonsärztin Yvonne Hummel und Shoppi-Tivoli-Geschäftsführer Patrick Stäuble. Gemäss letzterem werden im Einkaufszentrum bis auf Weiteres keine speziellen Events mehr durchgeführt.

Am Samstag war es im Shoppi zu einem Menschenauflauf gekommen als eine Tischbombe gezündet und Rabatt-Lose verstreut wurden.

Zahlreiche Länder könnten von der Risikoliste fliegen

Am Mittwoch will der Bundesrat weitere Massnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie bekanntgeben. Erwartet werden auch überarbeitete Bedingungen für die Liste der Risikoländer. Laut blick.ch plant der Bundesrat eine Regelanpassung, wonach jene Staaten oder Gebiete auf der Liste landen, deren 14-Tage-Wert pro 100'000 Einwohner um 60 höher liegt als jener der Schweiz.

Die neue Formel werde demnach «CH+60» lauten: Das heisst, dass bei einem Wert von heute 693 Fällen in der Schweiz der Grenzwert für die Risikoliste bei 753 Fällen liegen würde.

Damit dürfte die Mehrzahl der EU-Staaten von der Risikoliste gestrichen werden. Gemäss Zahlen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten weist beispielsweise Spanien einen Inzidenzwert von 446 Fällen auf, Frankreich 629 oder Grossbritannien 416.

Deutlich über dem diskutierten Formel liegen Belgien (1391) und Tschechien (1380). Luxemburg dürfte mit 760 Fällen ebenso auf der Liste bleiben. Bestehen bleiben soll, dass in anderen Staaten weiterhin einzelne Regionen mit erhöhten Werten auf der Liste bleiben.

Intensivpflegeplätze werden knapp

Bisher sind noch keine Intensivpatientinnen oder -patienten mit der Lungenkrankheit Covid-19 wegen Überbelegung in ein anderes Spital gebracht worden. Das teilte der Koordinierte Sanitätsdienst des Bundes (KSD) am Dienstag mit. Die Rega kümmert sich um eventuell nötige Verlegungen.

Die Einsatzzentrale der Rega tat dies bereits vor der Covid-19-Pandemie. Sie stellt in der zweiten Welle sicher, dass möglichst keine Überbelegungen der Intensivbetten in den Spitälern entstehen. Am Dienstag war die Belegungsquote der Intensivstationen weiter gestiegen, insbesondere in der Westschweiz. In Neuenburg waren 13 der 14 Intensivpflegeplätze belegt, im Wallis 22 von 25 und in Freiburg 20 von 24.

Die Rega erhielt den Auftrag zur Koordination der Intensivpflegplätze im Fall von Engpässen von der Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) und dem Koordinierten Sanitätsdienst des Bundes (KSD). Sie führt ihn seit Mitte Juni aus.

BAG meldet fast 6000 neue Fälle

Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind heute 5949 Coronavirus-Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gemeldet worden. Am Dienstag vergangener Woche waren es 3008 Fälle. Die Positivitätsrate beträgt 28,7 Prozent bei 20'709 neu gemeldeten Tests. Gestern wurden 17'440 Neuansteckungen innert 72 Stunden registriert, am Freitag waren es 6634. Damit haben sich die täglich gemeldeten laborbestätigten Fälle im Vergleich zur Vorwoche praktisch verdoppelt. Zudem meldete das BAG heute 16 neue Todesfälle und 167 Spitaleinweisungen.

In der Schweiz und in Liechtenstein wurden bisher 1'829'173 Tests auf Sars-CoV-2 durchgeführt, den Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19. Über die vergangenen zwei Wochen gesehen fiel das Resultat bei 20,7 Prozent der Tests positiv aus. Pro 100'000 Einwohner wurden im gleichen Zeitraum 693,4 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen gemeldet.

Seit Beginn der Pandemie gab es insgesamt 127'042 laborbestätigte Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus, wie das BAG weiter mitteilte. Insgesamt 6264 Personen mussten wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung stieg auf 1930.

Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung befanden sich am Dienstag nach Angaben des BAG 18'497 Personen in Isolation und 19'867 Kontakte standen unter Quarantäne. Zusätzlich sassen 15'799 Heimkehrerinnen und Heimkehrer aus Risikoländern in Quarantäne.

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St. Galler Regierung will keine zusätzlichen Massnahmen

Die St. Galler Regierung hat sich gegen zusätzliche Corona-Massnahmen ausgesprochen, wie sie der Bundesrat vorschlägt. Entweder solle darauf verzichtet oder die ausserordentliche Lage ausgerufen werden.

Neben anderen Massnahmen sei in den St. Galler Spitälern eine Erhöhung der Bettenkapazitäten in Vorbereitung. Durch die Einschränkung des Besuchsrechts in Heimen werde zudem der Schutz der besonders gefährdeten Personen verstärkt, heisst es in der Stellungnahme der St. Galler Regierung zu den Vorschlägen des Bundesrats.

«Nicht vertretbar»

Aufgrund dieser Ausgangslage sei «derzeit eine erneute und deutliche Verschärfung der Massnahmen zur Einschränkung des öffentlichen und privaten Lebens nicht vertretbar». Die Wirkung der bereits getroffenen Massnahmen lasse sich noch nicht hinreichend abschätzen. Es bestehe die Gefahr «eines Übersteuerns mit fatalen Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft», so die Regierung.

Sie sieht die Vorschläge des Bundesrats aufgrund ihrer Reichweite und Wirkung vom Epidemiengesetz nicht abgedeckt. Die Kantone, die eine vom Bund abweichende Lagebeurteilung vornähmen, «müssen dennoch die Verantwortung und Folgekosten für diese Massnahmen tragen».

Wenn sich der Bund aufgrund seiner Lagebeurteilung für die Massnahmen entscheide, sei in der Konsequenz auch die ausserordentliche Lage auszurufen. Damit wäre für die St. Galler Regierung auch klargestellt, dass der Bund die Verantwortung für die gesellschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Folgen der Entscheide trage und sich an den Kosten angemessen beteilige.

Die St Galler Regierung mit Gesundheitsdirektor Bruno Damann (CVP)  hat sich gegen erweiterte Massnahmen gegen das Virus ausgesprochen.
Die St Galler Regierung mit Gesundheitsdirektor Bruno Damann (CVP) hat sich gegen erweiterte Massnahmen gegen das Virus ausgesprochen.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone/Archiv)
Urner Regierungsrat gegen generelle Maskentragpflicht

Der Urner Regierungsrat lehnt die vom Bundesrat vorgeschlagene generelle Maskentragpflicht im Siedlungsgebiet ab. Was im urbanen Raum vielleicht noch Sinn mache, sei in einer ländlichen Region und Siedlungsstruktur unverhältnismässig und nicht geboten, teilte er am Dienstag mit.

Der Regierungsrat verlangt, dass diese «einschneidende Massnahme» von jedem Kanton selbst beschlossen werden solle, wenn er dies für nötig halte. Der Bundesrat hatte ein Paket von Massnahmen den Kantonen zur Konsultation unterbreitet. Er wird am Mittwoch beschliessen, wie die Ausbreitung des Coronavirus bekämpft werden solle.

Der Urner Regierungsrat schreibt, der Bundesrat solle die Massnahmen aus Rücksicht auf das Weihnachtsgeschäft bis Ende Ende November befristen. Weiter fordert er, dass bei einschneidenden Corona-Massnahmen der Bund Arbeitnehmende vor Entlassungen und Arbeitgeber vor Konkursen schützen müsse.

Der im Frühling bestimmte Urner Gesammtregierungsrat vor dem Rathaus in Altdorf.
Der im Frühling bestimmte Urner Gesammtregierungsrat vor dem Rathaus in Altdorf.
Foto: Urs Flüeler (Keystone/8. März 2020)
Veranstalter wehren sich

In einem offenen Brief haben sich die Präsidenten der nationalen Event-, Veranstaltungs- und Schaustellerverbände an den Bundesrat und die Kantonsvertreter gewandt. Sie betonen, dass ihre Schutzkonzepte für Kulturveranstaltungen, Messen und andere Events in den vergangenen Monaten funktioniert hätten – und appellieren an die Behörden, morgen keine generellen Veranstaltungsverbote zu beschliessen. Sie fordern damit auch Gleichbehandlung mit der Gastronomie und den Einkaufszentren und grenzen sich ab von «wilden Party-Veranstaltungen».

Falls es doch zu einem Veranstaltungsverbot kommen sollte, plädieren sie für eine zeitliche Begrenzung – und eine sofortige Umsetzung der Härtefall-Massnahmen. Die unterzeichnenden Verbände der Veranstaltungsbranche (u.a. Schweizer Bühnenverband, Verband Schweizer Berufsorchester, Schausteller-Verband Schweiz, Expo Event, Verein Schweizer Stadion- und Arenabetreiber) vertreten rund 1250 Mitglieder, 23’000 Mitarbeiter, und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von 3 Mrd. Franken.

Tessin führt Maskenpflicht im Freien ein

Im Tessin gilt ab Dienstag eine Maskenpflicht im Freien, wenn der Mindestabstand zu anderen Personen nicht eingehalten werden kann. Mit dieser und weiteren Massnahmen hat die Tessiner Regierung die Massnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus› verschärft.

In Restaurants gilt weiterhin, dass nur im Sitzen konsumiert werden darf. Pro Tisch dürfen maximal vier Personen sitzen. Ausnahmen gelten nur für Familien, wie Regierungspräsident Norman Gobbi am Montagnachmittag vor den Medien sagte. Die neuen Massnahmen gelten ab kommendem Mittwoch. Die Maskenpflicht im öffentlichen Raum gilt bereits ab morgen Dienstag.

Ab Mittwoch sind zudem alle Sportarten mit Körperkontakt verboten. Ausnahmen gelten für Sporttrainings von Kindern sowie für die Sportlektionen von Kindern und Jugendlichen in obligatorischen Schulen.

Damit wolle die Tessiner Regierung noch vor dem Bundesratsentscheid handeln, erklärte Gobbi weiter. Die Landesregierung informiert am Mittwoch über weitere Massnahmen.

Virologin Eckerle fordert schnellen Lockdown

Der Bundesrat will am Mittwoch über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise informieren. Isabella Eckerle, die Leiterin des Zentrum für Viruserkrankungen am Universitätsspital Genf, sagt schon jetzt: «Die Schweiz braucht einen Lockdown so schnell wie möglich!» Es gebe keinen anderen Weg. «Wir werden auf diese Weise nicht durch den Winter kommen ohne eine riesige Anzahl von Todesopfern und enorme wirtschaftliche Schäden, wenn die Politik nicht sofort reagiert.»

Im Gegensatz dazu zeigte sich die Konferenz der kantonalen Volkswirtschaftsdirektorinnen und -direktoren (VDK) in einer Mitteilung besorgt «über die aktuelle Entwicklung der Diskussionen um die Möglichkeit, Betriebe stillzulegen». Die volkswirtschaftlichen und damit verbunden auch gesellschaftlichen Kosten wären gravierend, schrieb die VDK.

Berset: «Das wird ziemlich lange dauern müssen»

Obwohl sich die bestätigten Corona-Fälle am Wochenende gegenüber der Vorwoche erneut verdoppelt haben, will der Bundesrat neue nationale Massnahmen voraussichtlich erst am Mittwoch bekannt geben. «Panik und Aufregung» brächten jetzt wenig, sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Montag in Lausanne.

Denn «was wir jetzt vorbereiten, wird für sehr wahrscheinlich ziemlich lange dauern müssen», sagte der Gesundheitsminister gegenüber Radio SRF. Deshalb sei es wichtig, dass die Massnahmen gut abgestützt und gut organisiert seien. Die Konsultation mit den Kantonen sei gemacht. Die Lage sei ernst und sie verschlimmere sich täglich, sagte Berset am Rande eines Besuchs des waadtländischen Contact Tracing-Zentrums. Es brauche deshalb eine «starke Reaktion».

Die Massnahmen, die der Bundesrat am Mittwoch verkündet werde, unterschieden sich von denen während der ersten Welle, sagte Berset. «Wir müssen es besser machen, als im März», als ganze Wirtschaftsbereichen geschlossen werden mussten.

Alain Berset besucht Unispital Lausanne
«Die Situation wird jeden Tag schlechter»: Bundesrat Alain Berset besuchte am Montagmorgen das Unispital in Lausanne. Der Gesundheitsminister will sich dort ein Bild der aktuellen Lage verschaffen.
Bern führt Maskenpflicht für Lehrpersonen ein

In Berner Schulen müssen ab Dienstag alle Erwachsenen Masken tragen. Das hat am Montag das Kantonsarztamt in Absprache mit der kantonalen Bildungs- und Kulturdirektion (BKD) beschlossen.

Wie einem am Montag auf der BKD-Internetseite veröffentlichten Schreiben zu entnehmen ist, gilt die Maskenpflicht in Schulen, Tagesschulen und Musikschulen. Dies auf dem gesamten Gelände dieser Institutionen und auch während des Unterrichts. Auf der Sekundarstufe I gilt die Maskenpflicht auch für Schülerinnen und Schüler.

Berner Lehrpersonen müssen ab Dienstag im Unterricht eine Maske tragen.
Berner Lehrpersonen müssen ab Dienstag im Unterricht eine Maske tragen.
Foto: Geatan Bally (Keystone)

Kantonsarztamt und BKD empfehlen den Schulen darüber hinaus, auf Kontakt- und Ballsportarten im Sport zu verzichten. Die Verantwortung obliegt den Gemeinden. Diese müssen auch die erforderlichen Schutzmasken bezahlen.

Seniorenrat fordert Schnelltests in Altersheimen

Um ein erneutes Besuchsverbot zu verhindern, fordert der Schweizerische Seniorenrat (SSR) genügend Schnelltests in den Alters- und Pflegeheimen. Damit könnten die Lage in den Heimen schnell evaluiert und entsprechende «moderate» Massnahmen getroffen werden.

Während ersten Welle im Frühjahr habe sich gezeigt, dass das Verbot von Besuchen in Alters- und Pflegeheimen «nicht zielführend» gewesen sei, teilte der SSR am Montag mit. Denn das Virus sei trotzdem eingeschleppt worden, meistens durch das Personal.

Die Bewohnerinnen und Bewohner hingegen seien vereinsamt und hätten psychische Probleme und Depressionen bekommen. Vor allem für demente Patienten sei das Besuchsverbot «fatal» gewesen und ihre Krankheit habe sich verschlimmert. Deshalb dürften nun nicht die gleichen Rezepte angewendet werden, hiess es.

Eine ältere Dame umarmt ihren Sohn, der sie wegen der Pandemie nur in einem Schutzanzug besuchen darf. (17. Juni 2020)
Eine ältere Dame umarmt ihren Sohn, der sie wegen der Pandemie nur in einem Schutzanzug besuchen darf. (17. Juni 2020)
Foto: Biel Alino (Keystone)
BAG meldet 17'440 Neuinfektionen

Das BAG hat heute die Zahlen für das ganze Wochenende und den Freitag bekanntgegeben. Insgesamt wurden dem Bund 17'440 Coronavirus-Ansteckungen gemeldet. Zudem registrierte das BAG 37 neue Todesfälle und 259 Spitaleinweisungen. Die Positivitätsrate beträgt 21,3 Prozent bei 82'026 neu gemeldeten Tests.

Am Montag vergangener Woche wurden 8737 Neuansteckungen innerhalb von 72 Stunden verzeichnet.

Insgesamt gab es dem BAG zufolge seit Beginn der Pandemie 121'093 laborbestätigte Fälle. Seit Anfang der Pandemie mussten 6'097 Personen wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden.

Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung waren am Donnerstag nach Angaben des BAG 18'497 Personen in Isolation und 19'867 Personen standen unter Quarantäne. Zusätzlich sassen 15'799 Heimkehrerinnen und Heimkehrer aus Risikoländern in Quarantäne.

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7097 Kommentare
    Romy Jeker

    Der Bundesrat soll mal eine ehrliche, wahrheitsgetreue Statistik vorlegen, denn die Testpraxis ändert sich immer wieder, d.h. die Daten sind absolut unsolid. Leute nach einem positiven Test sind nur für kurze Zeit ein Problemfall bezüglich Ansteckung oder Krankheit, d.h. dann verschwinden die meisten aus der Problemgruppe, nicht aber aus der Statistik, da bleiben sie und alle Fälle werden über die ganze Zeit hinweg zusammengezählt. Das Hauptziel des Bundesrates ist wohl, dass diese Zahl nie sinken soll, sondern immer steigt denn nur so lassen sich bundesrätliche Eingriffe bzw. Massnahmen unter dem Begriff "Bedrohlichkeit der Lage" begründen und sind daher sehr willkommen. Privat max. 10 Personen, öffentliche Veranstaltung 50 Personen, aber Demonstrationen bleiben erlaubt, selbst wenn diese den BR-Pflichten nicht nachkommen. BR-Empfehlungen ja, Verbote und Pflicht nein, Eigenverantwortung und Rücksichtnahme zwingend.