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Super LeagueSpektakuläres Remis von St. Gallen, müdes Spiel im Tourbillon

Während das FCB-Spiel wegen eines Corona-Falls abgesagt werden musste, trennten sich die St. Galler und Luzerner 2:2. Im Spiel Sion gegen Lausanne gab es keine Tore.

War das eine Spuckattacke?
Video: SRF

Spektakel ist garantiert, hiess es in der Vergangenheit immer, wenn der FC Luzern und St. Gallen aufeinandertrafen. So fielen in der letzten Saison in vier Spielen total 13 Tore, zweimal gewann der FCSG und zweimal der FCL. Und auch am Sonntag war in der Partie zwischen den Zentral- und den Ostschweizern einiges los – auch wenn aus dem Duell für einmal kein Sieger hervorging. Luzern und St. Gallen teilten sich für einmal die Punkte.

Zu reden gab vor allem eine Szene: Nach einem Duell zwischen Tsiy Ndenge und Lukas Görtler (20.) zeigten die TV-Bilder deutlich, wie Görtler in Richtung des Luzerners spuckte. Das Publikum war ausser sich und pfiff den St. Galler lautstark aus. Der VAR schaltete sich ein. Trotz Studium der Bilder durch Schiedsrichter Fedayi San kam Görtler aber ungeschoren davon. Glück für den Routinier, denn er hätte sich über Rot wegen grober Unsportlichkeit nicht beschweren können.

Ruiz traf für die St. Galler.
Video: SRF

«Es sieht unglücklich aus»

Der Spieler meldete sich selbst zum Interview bei Blue Sport, um die Szene aufzuklären. Dies, weil er in der Pause mitbekommen habe, dass «eine Zeitung, die gern so Geschichten schreibt», schon reagiert habe. «Meine Intention war keinesfalls, den Spieler anzuspucken, und deshalb habe ich mich sofort beim Spieler und beim Schiedsrichter entschuldigt», so der St. Galler Routinier. «Ich gebe zu: Es sieht unglücklich aus. Aber so etwas hat auf dem Fussballplatz nichts zu suchen, und dazu stehe ich.»

Aber nicht nur Görtler stand in dieser ersten Halbzeit im Mittelpunkt. Denn die Gäste dominierten in diesen 45 Minuten das Spiel klar und waren bereits nach fünf Minuten durch Victor Ruiz in Führung gegangen. Der St. Galler schloss nach herrlicher Vorarbeit von Duah und Kräuchi zum 1:0 für die Gäste ab.

Doch die St. Galler sind der absolute Lieblingsgegner der Luzerner. Von 48 Spielen haben sie gegen den FCSG 23-mal gewonnen. Mit dem Selbstvertrauen aus dieser Bilanz startete das Heimteam in die zweite Hälfte. Und schon kurz nach Wiederanpfiff glich Dejan Sorgic (51.) zum 1:1 aus. Der FCL musste zwar lange Sekunden warten, bis er Gewissheit hatte. Denn wieder griff der VAR ein. Aber das Tor zählte – und das Spiel beruhigte sich weiter nicht.

Hier freuten sich die St. Galler noch über das Tor von Victor Ruiz. Es war das 1:0. Am Schluss reichte dieser Treffer aber nicht.
Hier freuten sich die St. Galler noch über das Tor von Victor Ruiz. Es war das 1:0. Am Schluss reichte dieser Treffer aber nicht.
Foto: Urs Flüeler (Keystone)

St. Gallen wollte den Sieg – vergeblich

Jordi Quintilla (59.) profitierte von einem Bock des Luzerner Keepers. Marius Müller liess den Schuss zwischen den Händen durchflutschen. Aber der FCL kam noch einmal zurück. Filip Ugrinic (66.), der den verletzt ausgewechselten Schürpf (19.) ersetzte, traf zum 2:2. Und ja – wieder griff der VAR ein. Offenbar nach dem Motto «lieber zweimal hinschauen» wurde auch dieser Treffer in Volketswil nachkontrolliert. Und wieder zählte der Treffer. Es blieb für einmal bei der Punktteilung.

«Wir haben uns einen Sieg vorgenommen», sagte Silvan Siedler nach dem Remis. «Das ist uns nicht gelungen. Sie haben es uns schwer gemacht, und wir haben eine Zeit lang gebraucht, bis wir uns auf sie einstellen konnten.» Die Frage, warum es trotz zweimaligem Ausgleichen des Rückstands dennoch nicht zum ersten Saisonsieg reichte, beantwortete Sorgic auf Blue: «Es fehlt ein wenig, aber es fehlt halt noch etwas.»

St. Gallen konnte trotz erstmaligem Punktverlust in der vierten Runde die Tabellenspitze halten. Görtler: «Wir sind noch nicht auf dem Niveau, wo wir sein wollen, und hatten Glück, dass wir nicht verloren haben.» Genau, denn Goalie Ati Zigi kratzte in der Schlussminute drei gefährliche Abschlüsse der Luzerner in Folge und hielt den Punkt für den aktuellen Leader fest.

Geoffroy Serey Dié kann noch so böse schauen: Sein Team, der FC Sion, hat keine Tore geschossen und spielt gegen Lausanne nur unentschieden.
Geoffroy Serey Dié kann noch so böse schauen: Sein Team, der FC Sion, hat keine Tore geschossen und spielt gegen Lausanne nur unentschieden.
Foto: Cyril Zingaro (Keystone)

Grosso weiter ohne Sieg

Während es in St. Gallen also ein Spektakelspiel gab, mühten sich der FC Sion und Lausanne im Tourbillon ab und trennten sich 0:0. Lausanne war lange Zeit die bessere Mannschaft, stand dem Derbysieg deutlich näher als die Walliser. Doch dann sah Stjepan Kukuruzovic die Rote Karte. Für den Lausanne-Captain war es der erste Platzverweis in seiner Super-League-Karriere. Und für seinen Club bedeutete sie der totale Umschwung der Kräfte. Waren die Lausanner gerade noch besser, kamen jetzt – mit einem Mann mehr – die Sion-Spieler immer wieder zu gefährlichen Aktionen.

Gaëtan Karlen scheiterte etwa in der 67. Minute nach schönem Durchspiel nur knapp. Lausanne-Goalie Mory Diaw musste immer wieder eingreifen. Nur ihm haben es die Lausanner so auch zu verdanken, dass sie nicht als Verlierer vom Platz gingen.

Und so kam es, dass das Spiel ohne Tore endete. Die Lausanner wird dieses torlose Remis aber wohl weniger nerven als die Walliser. Schliesslich ist Lausanne zusammen mit Leader St. Gallen und YB das dritte Team, das auch nach vier Runden noch nicht bezwungen worden ist. Und Sion? Die Walliser bleiben unter Trainer Fabio Grosso weiterhin ohne Sieg.

Telegramme:

Luzern – St. Gallen 2:2 (0:1)

1569 Zuschauer. – SR San. – Tore: 5. Ruiz (Kräuchi) 0:1. 51. Sorgic (Schaub) 1:1. 59. Quintilla 1:2. 66. Ugrinic (Sidler) 2:2.

Luzern: Müller; Schulz, Lucas, Knezevic, Sidler; Carbonell, Ndenge; Tasar, Schaub (81. Alabi), Schürpf (19. Ugrinic); Sorgic (74. Ndiaye).

St. Gallen: Zigi; Kräuchi, Stergiou, Fazliji, Muheim; Quintilla; Görtler, Ruiz (80. Staubli); Stillhart (88. Rüfli); Guillemenot (69. Ribeiro), Duah (69. Babic).

Bemerkungen: Luzern ohne Schwegler, Grether, Binous, Burch (alle verletzt) und Frydek (Quarantäne). Schürpf verletzt ausgeschieden. St. Gallen ohne Kamberi, Lüchinger, Alves und Gonzalez (alle verletzt). Verwarnungen: 27. Ndenge (Foul), 45. Tasar (Unsportlichkeit), 61. Quintilla (Foul), 79. Kräuchi (Foul).

Sion – Lausanne-Sport 0:0

2850 Zuschauer. – SR Dudic.

Sion: Fickentscher; Theler, Bamert, Ndoye, Abdellaoui (89. Luan); Grgic (60. Hoarau), Serey Dié, Araz; Tosetti (80. Khasa), Karlen (89. André), Baltazar (60. Itaitinga).

Lausanne-Sport: Diaw; Jenz, Elton Monteiro, Loosli; Boranijasevic, Puertas, Kukuruzovic, Flo; Schneuwly (80. Geissmann); Joël Monteiro (60. Barès), Turkes (80. Guessand).

Bemerkungen: Sion ohne Andersson, Doldur, Iapichino, Martic und Kabashi (alle verletzt) sowie Uldrikis und Zock (beide nicht im Aufgebot), Lausanne ohne Nanizayamo (gesperrt) und Falk (verletzt). 56. Gelb-Rote Karte gegen Kukuruzovic wegen Fouls. Verwarnungen: 36. Kukuruzovic (Foul). 45. Jenz (Foul). 90. Boranijasevic (Foul).

Rangliste: 1. St. Gallen 4/10. 2. Lausanne-Sport 4/8. 3. Young Boys 4/8. 4. Lugano 4/6. 5. Basel 3/4. 6. Servette 4/4. 7. Sion 4/3. 8. Luzern 4/2. 9. Vaduz 4/2. 10. Zürich 3/1.

2 Kommentare
    Otto Herrmann

    Fahrt nur so weiter, ihr Schweizer Schiedsrichter. Mir scheint, dass sich die groben Fehlurteile häufen, seit wir den so genannten VAR haben. Was sich der jeweils während 90 Minuten genau anschaut, möchte ich ja lieber nicht wissen, ganz sicher aber nicht das Spiel.

    Allergröbste Unsportlichkeiten wie diejenige des St.Galler Hitzkopfes werden nicht sanktioniert. Und dann noch dieses Geschleime im Interview, widerlich!

    Alle Fussballjunioren aller Jugendligen wissen jetzt genau: Spucken in Richtung Gegner ist erlaubt. Prima.