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Nomination für den Basler RegierungsratKatzenjammer bei den SP-Frauen

Neben Tanja Soland haben es mit Beat Jans und Kaspar Sutter wieder zwei Männer aufs Ticket geschafft. Gemäss den SP-Frauen wollten die Männer nicht auf Macht verzichten.

Die neue Finanzdirektorin Tanja Soland (l.) will im Herbst mit Kaspar Sutter und Beat Jans die drei SP-Regierungssitze verteidigen.
Die neue Finanzdirektorin Tanja Soland (l.) will im Herbst mit Kaspar Sutter und Beat Jans die drei SP-Regierungssitze verteidigen.
Foto: ZVG

Die Delegierten der SP haben am späten Montagabend entschieden, wen sie für den ausscheidenden Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin und Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels im Herbst ins Rennen um die SP-Regierungssitze schicken wollen. Neben der als gesetzt geltenden neuen Finanzdirektorin Tanja Soland hoben sie noch-Nationalrat Beat Jans und Grossrat Kaspar Sutter auf den Schild. Damit hat die Stimmbevölkerung am 25. Oktober wie bei den letzten Regierungsratswahlen im Jahr 2016 die Wahl zwischen zwei SP-Männern und einer SP-Frau.

Im Vorstand der Basler SP-Frauen macht sich ob dieses Entscheids der Delegierten Enttäuschung breit. Zwar gelte es, den demokratisch gefällten Entscheid zu respektieren. «Es ist uns allerdings – trotz Frauenstreik – schon bei den Nominationen für den Nationalrat nicht gelungen, zwei Frauen aufs Ticket zu bringen», sagt Etiennette J. Verrey, die vor Jahren als erste Gleichstellungsbeauftragte bei der Firma Roche arbeitete. Für sie gehe es zwar in Ordnung, dass neben Tanja Soland mit Beat Jans ein Mann ins Rennen um einen Regierungssitz steige. Anstelle von Kaspar Sutter hätte sie allerdings lieber Hirslanden-Direktorin Beatriz Greuter auf dem Wahlzettel gesehen. Aber auch Kerstin Wenk wäre für sie eine ausgezeichnete Kandidatin gewesen. «Zwar leben Jans und Sutter in ihrem Privatleben die Gleichstellung. Es sind allerdings die Delegierten, die sie gewählt haben, und unter ihnen haben offenbar viele noch traditionelle Rollenmuster», sagt Verrey. Dass Männer nicht von sich aus einer Frau Platz machten, hänge damit zusammen, dass es ihnen mit Hinblick auf ein Amt in der Exekutive schwerfalle, auf die Macht als Regierungsrat zu verzichten. Laut Verrey brauche es nun eine vertiefte Analyse der SP-Frauen, weshalb es mit zwei Frauen nicht geklappt habe

Gute Lobby?

Für SP-Frauen-Präsidentin Jessica Brandenburger ist es auch kein Trost, dass Grossrätin Sarah Wyss im Herbst wohl Beat Jans als Nationalrat beerben wird. «Nationale Kandidaturen spielen in unseren Überlegungen zu den kantonalen Regierungsratswahlen keine Rolle. Wir beurteilen die Geschlechterfrage unabhängig voneinander.» Brandenburger macht sich keine Vorwürfe, zu wenig Lobbyarbeit innerhalb der Partei unternommen zu haben, um zwei Frauen für die Regierungsratswahlen zu nominieren. «Wir haben mit vielen Leuten gesprochen und intern wie auch über die Medien kommuniziert, weshalb wir uns zwei Frauen auf dem Ticket wünschen würden.» Wenn allerdings die Delegierten den Geschlechteraspekt nicht so hoch gewichteten wie die SP-Frauen, dann müsse das akzeptiert werden. Klar ist für Brandenburger allerdings, dass die SP in der Genderdebatte noch nicht dort stehe, wo sie sich selbst gerne sehe. Brandenburger: «Das passiert in anderen Kantonalparteien ebenfalls. Das hat System und passiert auch innerhalb der SP immer wieder.»

Dass unbedingt, wie von den SP-Frauen gefordert, zwei Frauen hätten nominiert werden sollen, sehen nicht alle Genossinnen so. Sie wollen allerdings an dieser Stelle nicht zitiert werden.

Neben Tanja Soland, welche die Delegierten mit 175 Stimmen gewählt haben, erhielt Kerstin Wenk 101 Stimmen, Beatriz Greuter 44 und Maria Hildebrand deren zwei. Das Spitzenresultat mit 177 Stimmen erzielte Beat Jans. Kaspar Sutter holte das absolute Mehr mit 135 Stimmen bereits nach dem ersten Wahlgang. Insgesamt sind an der Online-Nomination vom Montag 242 Stimmen eingegangen, gültig waren 238.

8 Kommentare
    Jörg Kramer

    Kandidaten aufstellen, die stets Andersdenkenden jene Kompetenz absprechen, die man selber gerne hätte, ist ein frommer Wunsch, Es liegt nun wirklich an den Stimmberechtigten darüber zu entscheiden, ob dieser Punkt im Leistungsausweis genügt, um in Basel dem regierenden Rat anzugehören. Wer also in Bern während Jahren nicht mit sonderlich viel Charisma auffiel, muss ja nicht unbedingt noch im Rathaus als Regierungsrat durchgefüttert werden.