Wohnbauprogramm 1000+Sozialwohnungen für den Mittelstand
Mit mehrstöckigen roten Holzhäusern in Modulbauweise will Basel-Stadt günstigen Wohnraum schaffen und einer Wohnungsnot zuvorkommen. Das erste derartige Haus wurde am Donnerstag nach Rekordbauzeit fertiggestellt.

Es ist schon von weitem sichtbar: das wuchtig-quadratische und doch feingliedrige dreigeschossige Holzhaus am Hirtenweg 12 in Riehen. Es steht wie in einem Park frei im Grünen. Über die angrenzende Strasse und die Schrebergärten hinweg hat man eine grossartige Aussicht auf die Skyline der Stadt Basel, samt den beiden Roche-Türmen.
Innen sind die Zimmer hoch, hell und mit Parkett versehen und so kompakt geschnitten, dass der Raum optimal genutzt werden kann. Die Wohnungen erscheinen dadurch grösser, als sie es wirklich sind.

Clever gemacht
«Ich würde sofort einziehen. Es ist alles sehr clever gemacht und sehr clever aufgeteilt. Die Wohnungen sind sehr schön. Man ist im Grünen. Das Haus mit der roten Holzfassade ist heimelig», sagt die zuständige Regierungsrätin und Finanzdirektorin Tanja Soland.
In der Tat ist man hier Welten vom klassischen sozialen Wohnungsbau entfernt. Und doch ist es der Staat, der die Wohnungen errichtet hat. Das Haus ist das erste, das vom Kanton im Rahmen des «Wohnbauprogramms 1000+» gebaut worden ist. Damit setzt die Regierung die 2019 angenommene Verfassungsinitiative «Recht auf Wohnen» um. Bis 2035 sollen so die existierenden rund 2000 Wohnungen im Finanzvermögen des Kantons um 1000 günstige Wohnungen ergänzt werden. Denn angesichts der rasanten Bevölkerungszunahme wird Wohnraum teurer. Nicht nur die sozial Schwächeren leiden, auch für den Mittelstand wird es schwierig.
Günstige Wohnungen sollen Abhilfe schaffen. Diese werden möglich durch eine schnelle und kostengünstige Bauweise, wie Architekt Harry Gugger und Rolf Borner, Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt, bei der Einweihung des Hauses am Hirtenweg erläutern.
Dank dem «Kostenmietmodell» können wir die Wohnungen zu Preisen vermieten, die 15–20 Prozent unter den durchschnittlichen Marktmieten liegen.
Das dreigeschossige Gebäude wurde in Rekordzeit errichtet. Zuerst wurde ein erdbebensicherer Betonsockel gegossen. Darauf montiert sind vorgefertigte Holzmodule. «Baubeginn war im April 2020. Im September begann die Montage», so Harry Guggger. «Jetzt, Ende Januar, ist das Haus schon bezugsbereit.»
Die preisgünstige Bauweise mache das sogenannte Basler «Kostenmietmodell» erst möglich, wie Rolf Borner erläutert: «So können wir die Wohnungen zu Preisen vermieten, die 15–20 Prozent unter den durchschnittlichen Marktmieten liegen. Dabei darf das Einkommen der Mieter den vierfachen Betrag der Miete nicht überschreiten. Wenn das Einkommen steigt, muss man aber nicht ausziehen. Dann wird die Miete dem Markt angepasst.»
Am Hirtenweg beträgt die Miete für eine 86 Quadratmeter grosse 4,5-Zimmer-Wohnung für Familien 1475 Franken. Dazu kommen 300 Franken Nebenkosten. Die 60 Quadratmeter grossen 2,5-Zimmer-Wohnungen für Singles und Paare kosten 1035 Franken.
Für bedrohten Mittelstand
«Günstiger und bezahlbarer Wohnraum ist ein Bedürfnis der Basler Bevölkerung», erinnert Tanja Soland. «Mit 1000+ möchten wir diesem Wunsch entgegenkommen und trotzdem noch Rendite haben. Wir erhoffen uns damit auch eine Vorbildfunktion für andere Investoren.» Es ginge dabei nicht etwa um Sozialwohnungen, wie in den Fünfzigerjahren bei den Fertighäusern beim Hörnli und bei der Friedmatt, mit denen Basel-Stadt der damaligen Wohnungsnot begegnete. Vielmehr wolle man damit Familien mit Kindern, aber auch Singles auf Kantonsgebiet halten.

Am Hirtenweg befanden sich ursprünglich fünf Gebäude, von denen aktuell drei saniert und zwei durch drei Neubauten ersetzt werden. Dabei sind die Bauphasen so geplant, dass keine Kündigungen ausgesprochen werden müssen. Bevor ein Gebäude abgebrochen wird, können die Mieter in einen bereits fertiggestellten Neubau umziehen. Geplant sind insgesamt 43 neue Wohnungen – also doppelt so viele wie bisher. Im bereits fertiggestellten Neubau sind neun Wohnungen bezugsbereit.
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