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Auch Schüler mit einer Depression sind ein Problem

Forscher sehen den Begriff «Verhaltensauffälligkeit» als Verharmlosung.

Zürich/Lausanne Laut einer aktuellen Lehrerbefragung in Zürich und Winterthur sind über 20 Prozent der Schüler verhaltensauffällig. Mehrere internationale wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen diesen Befund: Einer von fünf Schülern bringt ein problematisches Verhalten mit: Diese Kinder und Jugendlichen sind renitent, stören den Unterricht, stellen Mitschüler und Lehrer bloss. In Extremfällen sind sie gewalttätig. Andere dagegen, auch das gilt als Verhaltensauffälligkeit, ziehen sich zurück, versinken in Schweigen und Depression.

Gemäss Stephan Eliez, Direktor des Medizinisch-Pädagogischen Instituts an der Universität Genf, betrifft das aggressive Verhalten «15 Prozent der Kinder – dieser Anteil ist ziemlich stabil». Damit sässen in jeder Schulklasse rein rechnerisch bis zu drei Radau-Kinder, die eine spezielle Betreuung brauchen – und wenn sie ausrasten, den Unterricht sprengen können.

Wissenschaftler debattieren bereits darüber, ob der Begriff «Verhaltensauffälligkeit» dem Problem überhaupt gerecht wird – oder es eher verharmlose. Einige ziehen es vor, von «Verhaltensstörung» zu sprechen.

Indikatoren legen nahe, dass die Zahl der Problemkinder steigt. Im Kanton Zürich nahmen Sonderschüler zwischen 2010 und 2017 um 40 Prozent zu. Dazu zählen Kinder mit Behinderungen, Lernschwierigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten. Viele werden in den normalen Regelklassen unterrichtet. Ähnlich ist der Trend in anderen Kantonen.

Der sonderpädagogische Förderbedarf ist gross

Die Bildungspolitik hat unter dem Stichwort «Inklusion» ein umfassendes Versprechen abgelegt: Alle Kinder sollen ihren Platz in einer Schweizer Regelschule finden – unabhängig von einer Behinderung, einer Lernschwäche oder einer Verhaltensstörung. Die Schule soll allen gerecht werden.

Seither ringen die Schulen in der Schweiz damit, diesen Anspruch in die Wirklichkeit zu überführen. Zehntausende Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf müssen integriert werden – die wenigsten von ihnen sitzen im Rollstuhl. Die meisten haben eine Lernbehinderung oder die Diagnose: Störung der «emotionalen und sozialen» Entwicklung – eine andere Bezeichnung für Verhaltensauffälligkeit. Wie viele Schüler, die den Unterricht nicht aus eigener Kraft bewältigen können, landesweit in den Regelklassen sitzen, ist unklar. Entsprechende statistische Erhebungen haben die Kantone längst angekündigt – sie liegen bis heute nicht vor.

N. Pastega, S. Besson

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