Zum Hauptinhalt springen

«Nach meinen ersten Jahren im Nationalrat kannte mich kein Mensch»

SP-Präsident Christian Levrat ist gemäss Rating der «SonntagsZeitung» der mächtigste Parlamentarier der Schweiz. Hinter ihm klafft jedoch eine Lücke. In der Spitzengruppe und bei den Frauen hat die SP an Einfluss verloren.

Herr Levrat, wie schon 2015 und 2017 sind Sie der Sieger des Parlamentarier-Rating. Macht Sie das stolz?

Persönlich mache ich mir nicht viel aus solchen Ratings. Aber es ist eine Bestätigung der Arbeit meiner Partei. Als Parteipräsident stehe ich stellvertretend für meine Fraktionskolleginnen und Fraktionskollegen auf Platz 1.

Sie sind nicht nur Parteipräsident, sondern auch im Parlament sehr aktiv, wie die Auswertung zeigt. Ist das ein bewusster Entscheid von Ihnen selbst?

Als Parteipräsident muss ich Einfluss für meine Partei nehmen, und als Ständerat die Interessen des Kantons Freiburgs verteidigen. Das ist mein Job. Weder das Parteipräsidium noch mein Mandat im Ständerat sind Repräsentationsämter. Es geht darum, Ergebnisse vorzuweisen. Die Kultur im Ständerat kommt mir sicher entgegen. Hier wird noch echt debattiert und es sind Allianzen über die Parteigrenzen hinaus möglich.

Sie sind top, ihre Partei nicht. In den Top 50 ist die Zahl der Sozialdemokraten von 12 auf acht geschrumpft. Die SP hat es offenbar nicht geschafft, die Abgänge von Jean-François Steiert, Evi Allemann oder Susanne Leutenegger Oberholzer zu ersetzen.

Dass viele SP-Parlamentarierinnen und - parlamentarier den Sprung in ein Exekutivamt schaffen, ist ein toller Leistungsausweis für die Fraktion. Langjährige Fraktionsmitglieder hinterlassen immer Lücken, wenn sie gehen, das war bei Hildegard Fässler, Jacqueline Fehr oder Stéphane Rossini nicht anders. Doch gerade die Leute, die im Laufe der Legislatur neu hinzugekommen sind, haben viel Potenzial: Samira, Marti, Flavia Wasserfallen, Fabian Molina, Adrian Wütrich oder Samuel Bendahan sind grosse Versprechen für die Zukunft und haben sich in Bern rasch einen Namen gemacht.

Sie alle wurden im Rating noch nicht berücksichtigt. Bei den Neueinsteigern, die vor vier Jahren neu ins Parlament gewählt wurden, findet sich aber niemand von der SP an der Spitze. Ist es bei der SP besonders schwierig, in der ersten Legislatur zu punkten?

Unsere Neuen sind sehr gut, wie ich gerade gesagt habe. Aber natürlich ist es in einer grossen Fraktion weniger einfach, sich zu profilieren als in einer kleinen Fraktion. Das war bei mir übrigens nicht anders: Nach meinen ersten vier Jahren im Nationalrat kannte mich in der Deutschschweiz kein Mensch und ich landete im Rating der «SonntagsZeitung» noch irgendwo unter ferner liefen.

Die SP hat auch an Einfluss bei den Frauen verloren. In den Top 15 der Frauen waren vor vier Jahren noch fünf Sozialdemokratinnen vertreten, jetzt sind es noch zwei. Haben Sie die Frauenförderung vernachlässigt?

Das Rating trügt, weil sehr profilierte SP-Frauen, die nicht mehr antreten, nicht berücksichtigt sind: Géraldine Savary, Pascale Bruderer, Anita Fetz, Liliane Maury Pasquier, Silvia Schenker, Margrit Kiener Nellen, Silva Semadeni, Bea Heim. Das sind Aushängeschilder, die die Politik stark geprägt haben und die jetzt aufhören. Ich mache mir aber keine Sorgen für die Zukunft. Die SP hat im Nationalrat eine Frauenmehrheit und wird im Ständerat mindestens gleich viele Frauen haben wie in der jetzigen Legislatur. Wir stellen im Ständerat mehr Frauen als alle andere Parteien zusammen, und es wird wohl so bleiben.

Aber sie haben momentan keine echte Bundesratskandidatin, die sich im Rating für diesen Posten aufdrängt.

Das sehe ich komplett anders: Ich erspare Ihnen jetzt ein zehnminütiges Name-Dropping. Es gibt sicher ein Dutzend Frauen in der Fraktion, die ich mir als Bundesrätin vorstellen könnte. Ganz abgesehen davon hoffe ich schwer, dass Simonetta Sommaruga noch lange im Amt bleibt. Sie macht einen super Job und wir brauchen eine starke Umweltministerin, um in der Klimapolitik voranzukommen.

Interview: Adrian Schmid

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch