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Die Sammelstiftung Profond knickt ein

Die Aufsicht setzt einen tieferen Zinssatz durch – Rentenkürzungen werden folgen.

Olaf Meyer übergab das Präsidium des Stiftungsrats an Mirjam Staub-Bisang. Fotos: PD
Olaf Meyer übergab das Präsidium des Stiftungsrats an Mirjam Staub-Bisang. Fotos: PD

Anfang April kam es bei der Sammelstiftung Profond zum Showdown. Der langjährige Stiftungsratspräsident Olaf Meyer warf den Bettel hin, seine ­designierte Nachfolgerin ist Mirjam Staub-Bisang. Offiziell vollzogen wird die Übergabe Ende Juni. Der Grund für Meyers Rücktritt ist ein Richtungsstreit im Stiftungsrat, bei dem er unterlag.

Mit Meyers Abgang wird sich die Ausrichtung ändern. Profond war jahrelang die bevorzugte Pensionskasse der Gewerkschaften. Namentlich der Verband des Personals öffentlicher Dienste plädierte in Zürich für einen Wechsel der Staatsbetriebe weg von der kantonalen Kasse (BVK) hin zu Profond. Denn ­diese gewährt einen Umwandlungssatz von 6,9 Prozent, während die BVK nur noch 4,8 Prozent auszahlt. Das heisst, wer ein Altersguthaben von 500'000 Franken hat, erhält bei der BVK monatlich 2000 Franken, bei Profond dagegen 2830 Franken.

Umwandlungsverluste von 15 Millionen Franken

Wie war dieses kleine Wunder möglich? Einerseits durch einen sehr hohen Aktienanteil von über 50 Prozent bei der Vermögensanlage, andererseits durch die Berechnung der Rentenverpflichtungen von Profond. Diese hängen vom technischen Zinssatz ab. Je tiefer der Satz, ­desto höher die Verpflichtungen. Das wiederum drückt auf den Umwandlungssatz. Bei Profond liegt der technische Zinssatz bei 3,5 Prozent, bei der Konkurrenz meist bei 2 Prozent.

Meyer geriet mehrfach unter Druck, seine Politik zu ändern und Reserven zu äufnen. Letztes Jahr verfügte die kantonale Aufsicht, dass er Altersguthaben nur noch mit 2,2 Prozent verzinsen darf. Im Bericht zur Jahresrechnung 2016 schrieb der gesetzlich vorgeschriebene Pensionsversicherungsexperte, dass sowohl beim technischen Zinssatz als auch beim Umwandlungssatz Handlungsbedarf bestehe. Laut dem Experten fallen jährlich Umwandlungsverluste von 15 Millionen Franken an. Meyer wollte nichts hören. Das hätte unweigerlich zu einem Konflikt mit der Stiftungsaufsicht geführt, wie deren Direktor Roger Tischhauser bestätigt: «Werden Empfehlungen des Pensionskassenexperten vom Stiftungsrat nicht befolgt und erscheint dadurch die finanzielle Sicherheit der Vorsorgeeinrichtung beeinträchtigt, schreiten wir ein.»

Darum wurde Meyer entmachtet und nun ändert Profond ihre Geschäftspolitik. Das bestätigt Mirjam Staub-­Bisang: «Der Stiftungsrat hat vor zehn Tagen beschlossen, dass der technische Zinssatz von 3,5 auf 3 Prozent gesenkt wird. Damit sinkt der Deckungsgrad von 112 auf 109 Prozent.»

Der hohe Aktienanteil bei den Vermögensanlagen soll bleiben

Der Umwandlungssatz wird wohl im Herbst sinken. «Über eine allfällige Senkung wird erst nach der Abstimmung über die Rentenreform entschieden», sagt Staub-Bisang. Was bleiben wird, ist der hohe Aktienanteil. Die neue Präsidentin ist überzeugt, dass es im gegenwärtigen Zinsumfeld unklug wäre, viel Geld in Obligationen zu investieren: «Die Kursschwankungsrisiken von Obligationen im jetzigen Zinsumfeld werden massiv unterschätzt. Geringe Zinsänderungen können zu grossen Kursverlusten bei Obligationen mit langen Laufzeiten führen.»

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