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Geldblog: Buchgewinne bei Logitech-AktieSoll ich meine Tech-Aktien verkaufen?

Geldberater Martin Spieler sagt, warum er nach dem Corona-Jahr durchaus mal ein paar Gewinne ins Trockene bringen würde.

Gewinne realisieren oder auf weiteren Wachstum setzen? Diese Entscheidung fällt Logitech-Aktionären derzeit schwer.
Gewinne realisieren oder auf weiteren Wachstum setzen? Diese Entscheidung fällt Logitech-Aktionären derzeit schwer.
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Wer primär an den Dividenden interessiert ist, sollte sich weniger um das Auf und Ab bei den Kursen kümmern, da er ja nicht am Kurswachstum, sondern an stetigen Erträgen von schönen Dividenden interessiert ist. Das habe ich in Ihrem Geldblog gelesen. Da ist nun aber Logitech mit einem Gewinn von 196 Prozent, mein Einstand betrug 32 Franken. Soll ich eine Gewinnmitnahme machen oder weiterhin halten – und in Kauf nehmen, dass ich den Gewinn wieder verliere. Ist Logitech eine Aktie, die man trotz niedriger Dividende halten sollte? Leserfrage von M.H.

Logitech stufe ich grundsätzlich als eine vielversprechende Aktie ein. Das Unternehmen, das Computermäuse, Tastaturen, Headsets oder Webcams herstellt, profitiert stark von der Digitalisierung, hat eine überzeugende Strategie und weist ein beeindruckendes Umsatz- und Gewinnwachstum aus. Im letzten Quartal des Coronajahres 2020 hat Logitech den Umsatz um stolze 85 Prozent auf 1,67 Milliarden Dollar gesteigert. Dank Homeoffice- und Homeschooling-Trend nahmen die Verkäufe bei Webcams um über 300 Prozent und jene von Tablets um über 340 Prozent zu. Ein einträgliches Geschäft liefern auch Computerspiele, die gerade auch im Coronajahr noch beliebter wurden und für die Logitech einiges an Zubehör anbietet.

Interessant ist, dass Logitech sowohl in Amerika, Europa als auch in Asien mit hohen zweistelligen Zahlen wächst. Auch unter dem Strich blieb beim Westschweizer Unternehmen viel in der Kasse: Der Reingewinn ist von 118 auf 383 Millionen Dollar steil in die Höhe geklettert. Zuversichtlich ist ebenfalls der Ausblick: Aufgrund der guten Nachfrage hat Logitech die eigenen Prognosen erhöht und erwartet neu ein Umsatzwachstum nicht mehr nur von 35 bis 40 Prozent, sondern von 57 bis 60 Prozent und auch der Gewinn soll stärker steigen als bisher budgetiert. All diese Aspekte sprechen eigentlich klar dafür, dass Sie Ihre Logitech-Aktien behalten.

Nach dem langen Anstieg braucht es insbesondere bei den Techwerten wenig, bis es zu einer Korrektur kommt.

Auf der anderen Seite kennt jede Anlegerin und jeder Anleger das ärgerliche Gefühl, wenn sich schöne Buchgewinne, wie Sie sie derzeit bei Ihren Logitech-Papieren sehen, im Zuge einer breiten Marktkorrektur plötzlich in Luft auflösen. In diesen Momenten bereut man, dass man seine Buchgewinne zuvor nicht ins Trockene gebracht hat. Dies könnten Sie jetzt noch tun und würden einen ansehnlichen Gewinn realisieren. Das Problem ist dann aber, was Sie mit den liquiden Mitteln machen. Sie müssen diese wieder investieren.

Im Prinzip könnten Sie eine Korrektur abwarten und dann auf tieferem Niveau wieder bei Logitech einsteigen. Ob dies funktioniert, kann Ihnen niemand sagen. Wenn Sie Pech haben, müssen Sie lange warten und der Kurs steigt noch mehr. Sie sind also in einem Dilemma. Wegen der Dividende müssen Sie Logitech definitiv nicht behalten, da gibt es attraktivere Werte. Logitech ist ein klassischer Wachstumswert. Sie müssen sich fragen, wie Sie die Märkte als Ganzes einschätzen.

Nach dem langen Anstieg braucht es insbesondere bei den Techwerten wenig, bis es zu einer Korrektur kommt. Auf lange Sicht ist der Aufwärtstrend bei qualitativ guten Techwerten aber weiter gut, da die Digitalisierung weiter rasch voranschreitet. Gerade an der US-Techbörse Nasdaq kam es in letzter Zeit aber zu vielen Kursübertreibungen und einige Titel sind überteuert. Daher würde ich persönlich durchaus mal ein paar Gewinne ins Trockene bringen. Es besteht zumindest eine Chance, dass Sie die Aktien von Logitech nach einer Gewinnmitnahme vielleicht später tatsächlich wieder günstiger kaufen können. Aber garantiert ist dies keineswegs und ich kann Ihnen die Entscheidung auch nicht abnehmen.

14 Kommentare
    Louis Deluigi

    Das mit dem „Gewinne realisieren“ habe ich noch nie verstanden. Ausser man braucht das Geld. Sonst hat man doch nur wieder die Qual der Wahl der Neuanlage. Wenn man auf ETFs setzt, braucht es auch kein „Rebalancing“. Aber auch bei Aktien hielt ich es schon immer mit André Kostolany: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ Reich ist vielleicht etwas übertrieben, aber ich kann nicht klagen und habe sogar die Schlaftabletten gespart.