So viel arbeiten wir Schweizer im Vergleich mit anderen Europäern

Wer Vollzeit arbeitet, schuftet mehr als Angestellte in anderen Ländern – anders sieht es aus, wenn man Teilzeitjobs dazuzählt.

Arbeiten die Schweizer wirklich so viel, wie sie immer denken? Alltag in einem Büro in Zürich.

Arbeiten die Schweizer wirklich so viel, wie sie immer denken? Alltag in einem Büro in Zürich.

(Bild: Keystone)

Yannick Wiget@yannickw3

Auf den ersten Blick sieht es nach unglaublich viel aus: 7,891 Milliarden Arbeitsstunden haben die Erwerbstätigen in der Schweiz letztes Jahr geleistet und damit 0,4 Prozent mehr als noch 2017. Das liegt laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) aber vor allem daran, dass die Zahl der Beschäftigten gestiegen ist. In Tat und Wahrheit arbeiten die Schweizerinnen und Schweizer durchschnittlich immer weniger lang.

2011 kamen Arbeitnehmende, die Vollzeit (90–100 Prozent) angestellt waren, noch auf 41 Stunden und 28 Minuten pro Woche. Seither verringerte sich die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit pro Stelle kontinuierlich. 2018 waren es noch 41 Stunden und 8 Minuten, also 20 Minuten weniger pro Person.

Gleichzeitig nehmen die Schweizer immer mehr Ferien. Gemäss den neuen Angaben des BFS steigt die Anzahl der jährlichen Urlaubswochen konstant. 1996 hatten Vollzeitarbeitnehmende im Schnitt noch 4,6 Wochen, 2018 schon 5,2 Wochen Ferien pro Jahr.

Bei ganz jungen (15- bis 19-Jährige) und älteren Arbeitnehmern (50- bis 64-Jährige) sind es mit 5,4 beziehungsweise 5,7 Wochen sogar noch mehr. Gedrückt wird der Schnitt von den zahlreichen Arbeitnehmenden im mittleren Alter (20- bis 49-Jährige), die pro Jahr nur 4,9 Wochen Ferien beziehen.

Trotz der Zunahme bei den Ferien und dem Rückgang der wöchentlichen Arbeitszeit gehören die Schweizer nach wie vor zu den Fleissigsten in Europa – zumindest, wenn man sich nur die Vollzeitstellen anschaut. Hier belegt die Schweiz sogar den Spitzenplatz, wie Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat zeigen. Diese werden zwar anders erhoben als die Zahlen des BFS und liegen deshalb höher, ermöglichen aber einen internationalen Vergleich.

Die Schweiz hat demnach ein Durchschnittswert von 42 Stunden und 30 Minuten pro Vollzeitstelle und führt die Rangliste zusammen mit Island an. Fünf EU-Staaten kommen immerhin auf über 40 Stunden. In unseren Nachbarländern Italien und Frankreich wird aber deutlich weniger geschuftet.

Setzt man die Arbeitsstunden ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, schneidet die Schweiz ebenfalls gut ab, mit durchschnittlich 23 Stunden und 58 Minuten. Nur die Isländer kommen auf einen höheren Wert. Grund dafür ist die hohe Erwerbstätigenquote: Weil viele Menschen einen Job haben, wird pro Kopf viel gearbeitet. In Ländern mit hohen Arbeitslosenquoten wie Italien (16 Stunden und 24 Minuten) oder Griechenland (17 Stunden) ist dieser Wert deutlich tiefer.

Ein anderes Bild ergibt sich allerdings, wenn man die Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen betrachtet – also sowohl der Vollzeit- als auch der Teilzeitangestellten. Dann rutscht die Schweiz ins hintere Drittel des Rankings. Denn hierzulande ist der Anteil von Personen, die Teilzeit arbeiten, im Vergleich mit anderen Ländern hoch.

Im Schnitt arbeiten Erwerbstätige in EU-Ländern 36 Stunden und 24 Minuten, in Griechenland sogar noch gut 4 Stunden mehr. Die Schweiz zählt mit 35 Stunden und 48 Minuten zu den Ländern mit der niedrigsten tatsächlichen Arbeitszeit pro Woche. Die Niederlande sowie skandinavische Länder wie Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland haben gemäss dieser Berechnung ebenfalls tiefe Werte. Auch hier haben zwar viele einen Job, gleichzeitig ist aber die Zahl der Teilzeitangestellten hoch.

In der Schweiz hat der Anteil der Teilzeitangestellten in den letzten Jahren stetig zugenommen. 1991 war erst gut ein Viertel der erwerbstätigen Schweizerinnen und Schweizer nicht Vollzeit angestellt. Mittlerweile arbeiten fast 37 Prozent Teilzeit – mehr als jeder Dritte.

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