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Eiskaltes FerienvergnügenSo schläft es sich in Iglu-Hotels

In renommierten Wintersportgebieten schlummert man in Schnee und Eis. Corona kann dem Kälteexperiment im Iglu nicht viel anhaben.

Gute Nacht: Die Schlafsäcke in den Igludörfern werden jeweils in der Sauna aufgewärmt.
Gute Nacht: Die Schlafsäcke in den Igludörfern werden jeweils in der Sauna aufgewärmt.
Foto: PD

Mit einer Art Rechen kratzt die Reinigungskraft den Zimmerboden auf. Die nächsten Gäste sollen keinesfalls ausrutschen, denn sie bewegen sich auf eisglattem Boden. Der Liegeplatz befindet sich in einem Raum aus Eis. Heizung: Fehlanzeige! Raumtemperatur: zwischen minus zwei und plus zwei Grad Celsius. Schlafsäcke, bei 95 Grad eine Stunde in der Sauna aufgewärmt, liegen bereit, um die Gäste in Morpheus’ kalten Armen zu wiegen und warm zu halten.

Es brauche keine Thermounterwäsche mehr, verspricht Adrian Günter. Der Flachländer aus dem Kanton Bern ist der «Erfinder» der Igludörfer mit Standorten in Davos-Klosters GR, Zermatt VS sowie Gstaad BE. Ein weiteres Berneroberländer Eisdorf, am Stockhorn, schliesst dieser Tage, die Iglus auf der deutschen Zugspitze und im österreichischen Kühtai wurden wegen des Lockdown erst gar nicht gebaut.

Dem gelernten Damencoiffeur Günter kam die Idee zum eiskalten Ferienvergnügen vor 25 Jahren.

Vom Hobby zur Geschäftsidee

Baut seit 25 Jahren Igludörfer: Adrian Günter (53).
Baut seit 25 Jahren Igludörfer: Adrian Günter (53).
Foto: PD

Damals baute er mit Freunden ein erstes Iglu in Schuls GR, im Skigebiet Motta Naluns. «Ich arbeitete als Snowboardlehrer. In dem Iglu auf dem Gipfel haben wir übernachtet und sind morgens auf den Brettern in die Skischule gefahren.» Das fanden die Kollegen cool und baten immer öfter, auch mal im Iglu übernachten zu dürfen. «Mit der Zeit häuften sich die Anfragen. Ich dachte: Das könnte ja ein Geschäft sein!», sagt der heute 53-Jährige. «So wurde das Hobby zum Beruf.»

Was braucht es zum Bau eines Iglus? «Guten Schnee», antwortet Günter. Kompakten Schnee. Er muss entweder windgepresst sein, oder man stampft ihn selber. Der Schnee zieht an und wird hart.» Mit einer Schneesäge werden einzelne Blöcke von Hand geschnitten und spiralförmig aufeinandergesetzt. «Der letzte Baustein macht die Konstruktion stabil», verrät der Igludorferfinder. Hält der Bau? Zur Probe klettert Adrian Günter auf die Spitze: «Man muss vorsichtig sein und aufpassen. Die Schneehülle ist ja wie eine Eierschale.»

Keines der Iglus für ein bis sechs Personen gleicht dem anderen, jedes ist von Künstlern mit Wandreliefs und Skulpturen verziert – wie auch die Toiletten, Restaurants und Bars. Die Gastronomie ist momentan nur beschränkt und allein von zahlenden Übernachtungsgästen nutzbar. Die Kundschaft, ob junge Paare, Grosseltern mit Enkeln, Flitterwöchner oder ganze Familien, schätzt, dass es eine Sauna im Schnee gibt, einen Whirlpool, dazu das Angebot von Schneeschuh- und Fackelwanderungen in der Nacht und vieles mehr – natürlich alles unter Einhaltung von Abstandsregeln.

Das Igludorf Gstaad liegt auf knapp 2000 Metern über Meer und ist besonders bei Familien beliebt.
Das Igludorf Gstaad liegt auf knapp 2000 Metern über Meer und ist besonders bei Familien beliebt.
Foto: PD

Der Aufbau eines Igludorfs ist zeit- und kostenaufwendig – selbst wenn heute die von Adrian Günter ausgedachten Ballons als Hilfsmittel eingesetzt werden. Es drängt sich die Frage auf: so viel Arbeit für ein temporäres Vergnügen? Denn jedes Jahr zur Schneeschmelze verwandeln sich die Eishotels wieder in ihren ursprünglichen Zustand, werden zu Wasser und müssen im nächsten Jahr erneut aufgebaut werden.

Erneuter Weltrekordversuch aufgeschoben

Der Pandemie bleibt geschuldet, dass der Initiator der Igludörfer und sein Team eine besondere Idee zum 25-Jahr-Jubiläum nicht umsetzen konnten. Ein Team hatte zum 20. Geburtstag das grösste Schneeiglu der Welt gebaut, mit einem Durchmesser von knapp 13 Metern – und kam damit ins «Guinnessbuch der Rekorde». Vielleicht gibt es nach Corona eine ähnlich spektakuläre Überraschung.

Mit Blick aufs Matterhorn: Das Schneehotel Zermatt am Gornergrat.
Mit Blick aufs Matterhorn: Das Schneehotel Zermatt am Gornergrat.
Foto: PD

Kann sich Adrian Günter noch an seine erste Nacht im selbst gebauten Iglu erinnern? «Ja, natürlich!», sagt der immer noch begeisterte Eismann. «Wir stapften von der Snowboardschule hoch und kochten im Iglu eine Suppe. Es war überraschend warm und sehr heimelig.» Günter verrät: Der Sound in einem frisch gebauten Iglu mit noch luftigem Schnee sei sehr speziell. Dumpf, als wäre man in einen Teppich gewickelt.