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«Auch Schweiz wird Irrenhaus»So lacht die Welt über die Baselbieter Polizei

Der Fall Märkli macht internationale Schlagzeilen. Sogar die «New York Times» berichtet über das Versagen der Polizei in Diegten.

Die Empörung über das Vorgehen der Baselbieter Polizei im Fall Märkli war unvergleichlich. Selten waren die Leser bei einem Artikel der BaZ so sehr einer Meinung. Wieso wird ein Achtjähriger von der Polizei verhört, weil er im Laden fragt, ob er mit Spielgeld zahlen kann? Wo bleibt bei allen Beteiligten der gesunde Menschenverstand? Das Unverständnis ist auch nicht abgeebbt, als Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer (SP) sich entschieden hat, sich hinter ihre übereifrigen Polizisten zu stellen, anstatt sich bei der Familie zu entschuldigen. Inzwischen ist die Geschichte für die Baselbieter Polizei zu einem PR-Super-GAU geworden und hat international Schlagzeilen gemacht. In Deutschland berichteten viele der grossen Zeitungen über den Fall Märkli. «Achtjähriger landet in der Verbrecher-Kartei der Polizei», titelte beispielsweise die Boulevard-Zeitung «Bild». Auch den renommierten Blättern «F.A.Z» und «Welt» war der skurrile Fall aus dem Baselbiet eine Meldung wert.

Schaffte es ins deutsche Boulevard: Der Fall Märkli.
Schaffte es ins deutsche Boulevard: Der Fall Märkli.

Auch englische Zeitungen berichteten darüber, was sich im Volg in Diegten abgespielt hatte. Der «Guardian», die «Daily Mail» und auch der «Telegraph» zitierten genüsslich aus der Berichterstattung der BaZ.

Sogar auf der anderen Seite des Atlantiks erhielt die Geschichte viel Aufmerksamkeit. Bei der «New York Times» machten sich gleich zwei Europa-Korrespondenten daran, den Fall Märkli aufzuarbeiten. Minutiös zeichnen die Autoren die Ereignisse nach. Die Handlungen der Volg-Mitarbeiterin und des Polizisten seien zum Kopfschütteln, und die Geschichte sei eine Peinlichkeit für die regionalen Politiker, heisst es im Text. Der Beitrag endet mit dem Zitat eines Lesers, der in einem Kommentar schrieb, er habe eben sein Monopoly-Geld verbrannt, um auf der sicheren Seite zu sein.

Sogar in den USA erregte die skurrile Story aus Diegten Aufsehen.
Sogar in den USA erregte die skurrile Story aus Diegten Aufsehen.

Zeitungen aus Nigeria und Singapur verbreiteten die Geschichte zudem in Afrika und Asien.

Am deftigsten kommentiert den Fall jedoch eine Zeitung aus dem Nachbarland Österreich. Der «Wochenblick» schrieb: «Das komplette Versagen eines Systems ist auch am Hausverstand seiner Bürger zu erkennen.» Wenn die Polizei so vorgehe wie in Diegten, sei das System «unrettbar korrumpiert». Die Zeitung beklagt einen schief hängenden, moralischen Kompass: «In einer Zeit, wo die Welt noch in Ordnung war, hätte der Verkäufer gelacht und den Kindern vielleicht noch ein paar Süssigkeiten geschenkt.» Im Text ist die Fassungslosigkeit des Autors über das Vorgehen der Baselbieter Polizei in jeder Zeile spürbar.

In Österreich zweifelt man wegen des Falls Märkli am Schweizer Staatssystem.
In Österreich zweifelt man wegen des Falls Märkli am Schweizer Staatssystem.

Die Ausrede der Volg-Geschäftsführer, dass alle Angestellten halt keine Kinder hätten, kommentiert die österreichische Zeitung bitterböse und in grundsätzlicher Art: «Keine Kinder, kein Einfühlungsvermögen und keinen Humor zu haben, ist speziell in linken Kreisen der Gegenwart ein Muss. Das spart ja auch eine Menge CO2.» Der Autor vermutet zudem, dass derselbe Polizist bei halbstarken Gruppen junger Männer geflissentlich wegschaut. «Da könnte ja etwas passieren.»