«So kommt die Schweiz in Verruf»

Stefan Breitenmoser ist Geschäftsführer des Verbands der Schweizer Konzert-, Show und Festivalveranstalter SMPA. Dessen Mitglieder schlagen sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Zweitmarkt herum.

Auch in anderen Ländern ein Problem: Fans des FC Schalke 04 zeigen Transparente mit der Aufschrift «Vianogo», um gegen erhöhte Preise des Kartenhändlers Viagogo zu demonstrieren.

Auch in anderen Ländern ein Problem: Fans des FC Schalke 04 zeigen Transparente mit der Aufschrift «Vianogo», um gegen erhöhte Preise des Kartenhändlers Viagogo zu demonstrieren.

(Bild: Keystone)

Herr Breitenmoser, welche Sorgen bereitet Ihnen der Wiederverkauf von Konzerttickets im Internet?
Die SMPA begrüsst einen fairen Ticket-Zweitmarkt. Dem Publikum muss eine Möglichkeit geboten werden, seine Tickets bei Verhinderung weiterzuverkaufen. Dies muss aber zu einem fairen Preis bis zu 15 Prozent über dem Face-Value geschehen. Was uns stört, sind Onlineplattformen wie Viagogo und Alltickets, die Tickets zum Teil massiv überteuert anbieten.

Was hat sich da verändert?
Früher war der Zweitmarkt fast ausschliesslich bei ausverkauften Veranstaltungen ein Problem. Heute gibt es immer weniger ausverkaufte Events, trotzdem erscheint jede im Erstmarkt im Vorverkauf befindliche Veranstaltung sofort bei Zweitmarkt-Plattformen.

Was können Konzertgänger und Sportfans tun, um nicht im ­Internet über den Tisch gezogen zu werden?
Auf der Website des Event-Veranstalters, des Künstlers oder der Spielstätte prüfen, welches die autorisierte Vorverkaufsstelle ist, wo Tickets zum regulären Preis angeboten werden. Meistens sind bei autorisierten Vorverkaufsstellen Tickets auch dann zum regulären Preis erhältlich, wenn Zweitmarkt-Plattformen «fast ausverkauft» oder «ausverkauft» anzeigen. Bei der Ticketsuche im Internet sollte man auch nicht automatisch auf den ersten Suchtreffer klicken. Oft handelt es sich dabei um an Google bezahlte Werbelinks von Tickethändlern aus dem Zweitmarkt.

Ist es in der Schweiz schon ­vorgekommen, dass Künstler oder ­Veranstalter ihre Tickets zu ­aufgebauschten Preisen direkt in den Zweitmarkt gegeben haben?
International ist das sicher schon vorgekommen. Ob dies auch in der Schweiz passiert ist, kann ich nicht sagen. Die SMPA fordert von ihren Mitgliedern eine Bestätigung, dass keine Tickets im Zweitmarkt abgesetzt werden. Gerade auch, damit wir ein glaubwürdiger Partner der Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen der Westschweizer Konsumentenschutzorganisation FRC und der Blick-Gruppe sind.

Viagogo wurde zwar in London ­gegründet, hat ihren Hauptsitz aber längst nach Genf verlegt. Bringt diese Tatsache besondere Nachteile für den Schweizer Konzertmarkt?
Besondere Nachteile bringt das meines Erachtens nicht. Die meisten Wiederverkäufer die über Viagogo verkaufen, sind auch nicht in der Schweiz ansässig. Diese Personen sitzen in Deutschland oder anderen Ländern, oftmals in Osteuropa. Es bringt die Schweiz aber je länger, desto mehr in Verruf, wenn die negative Tatsache, dass Viagogo hier ansässig ist, ständig in der internationalen Presse erwähnt wird.

Können Schweizer Veranstalter ­einfacher gegen Viagogo vorgehen, weil sie im gleichen juristischen Hoheitsgebiet zu Hause sind?
Die SMPA geht nicht selber juristisch gegen Viagogo vor. Wir sind Partner von FRC, die im Oktober 2017 eine Klage gegen Viagogo lancierte. Auch das Seco hat seit Herbst 2017 eine Klage am Laufen. Wann die ersten Gerichtsentscheide fallen werden, kann noch nicht gesagt werden. Je nach Entscheid können wir das Thema dann wieder in Bundesbern vorbringen.

http://www.smpa.ch/de/ticket-zweitmarkt

Basler Zeitung

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