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Die Tücken des HeimkinosSo holen Sie das Maximum aus Ihrem neuen TV

Bilder wie auf Steroiden: Die smarten TV-Geräte wenden so viele Optimierungen auf Bild und Ton an, dass der Filmgenuss auf der Strecke bleibt. Was man dagegen tun kann.

Neue Hightech-Fernseher: Nicht immer smart – es lohnt sich, die Einstellungen anzupassen.
Neue Hightech-Fernseher: Nicht immer smart – es lohnt sich, die Einstellungen anzupassen.
PD

Früher war alles einfacher: Als Fernseher als grosse und klobige Truhen in unseren Stuben standen, hatten die Hersteller viele Möglichkeiten, sich von der Konkurrenz abzuheben: durch luxuriöses Design, clevere Funktionen und einfache Bedienung.

Ein Fernseher von heute besteht fast nur noch aus dem Bildschirm: Das Gehäuse ist so dünn, dass es fast unsichtbar geworden ist und das Design als Unterscheidungsmerkmal nichts mehr taugt. Da viele Nutzer den Fernseher mit einem Apple TV, Chromecast, Swisscom-TV oder einer anderen Set-Topbox nutzen, kann ein Hersteller auch nicht mehr mit einer raffinierten Fernbedienung punkten.

Selbst mit der Bildqualität spielt sich keine Marke mehr in den Vordergrund. Das liegt daran, dass überall die gleichen Panels verbaut sind, die aus riesigen asiatischen Fabriken stammen. Sogar Hersteller wie Samsung oder LG mit eigener Fertigung setzen auf Displays der Konkurrenz – wenn diese günstiger sind.

Showroom-Einstellungen taugen nicht fürs Wohnzimmer

Was bleibt, sind Showeffekte: Grelle Farben, rasiermesserscharfe Konturen und brutale Kontraste sollen uns selbst bei einem flüchtigen Blick beeindrucken – und unseren Blick fesseln, selbst wenn ein Gerät im Fernsehgeschäft neben Dutzenden anderen Bildschirmen steht, die den gleichen Trick anwenden.

Das sind Bilder wie auf Steroiden, die zu Hause in der abgedunkelten Stube überzogen wirken und den künstlerischen Absichten der Filmemacher diametral zuwiderlaufen – besonders, wenn die auf subtile Farben und eine gedämpfte Atmosphäre setzen.

Mit anderen Worten: Es lohnt sich, die Einstellungen anzupassen. Das wird Ihr Fernseherlebnis markant verbessern. Tun Sie das am besten zu der Tageszeit und bei den Lichtverhältnissen, zu denen Sie für gewöhnlich fernsehen. Wählen Sie eine Sendung, die Sie gut kennen und von der Sie wissen, wie es aussehen sollte – oder bringen Sie ein neutrales Bild auf den Schirm, das möglichst natürliche Einstellungen erlaubt. Im Internet gibt es zum Stichwort «Referenzbild» gute Vorlagen – auch solche mit Grau- und Farbverlauf, die auf einen Blick zeigen, ob sämtliche Abstufungen von hell nach dunkel gut zur Geltung kommen.

Welche Einstellungen es gibt, hängt von der Marke und vom Modell ab, und die Menüs können so umfangreich sein, dass man sich leicht verirrt. Folgendes Vorgehen wird das aber verhindern – und eine gute Idee ist es, sich die Namen der Menüs aufzuschreiben oder die idealen Einstellungen abzufotografieren.

Falsche Farbeinstellung oder Bluthochdruck beim Moderator?

  • Setzen Sie bei den Bildmodi an: Das sind Sammlungen von Einzeleinstellungen, die eine bestimmte Bildwirkung erzielen. Modi wie «Dynamisch» oder «Brillant» sind auf Effekt getrimmt. Neutralere Einstellungen heissen «Kino», «Film» oder eben «Neutral».
  • Kontraste und Helligkeit sollten nicht voll aufgedreht sein. Besser ist eine mittlere Position.
  • Die Farbsättigung ist ab Fabrik meist viel zu weit aufgedreht: Diese Einstellung macht die Farben bunter, verursacht aber auch für eine ungesunde Gesichtsfarbe beim Moderator und für eine Rasenfarbe im Fussballstadion, die selbst für Kunstrasen unnatürlich wirkt. Drehen Sie diesen Regler so weit zurück, dass Haut in einem neutralen Bild einigermassen natürlich wirkt.
  • Die Farbbalance, oft auch Weissabgleich genannt, entscheidet, ob ein Bild eher wärmer oder kälter wirkt. Das ist auch Geschmacksache – aber eine neutrale Einstellung hilft, dass Filmproduktionen mit einem eigenwilligen Farblook nicht ins Clownhafte kippen.
  • Die Bildschärfe lässt sich wahrscheinlich zurückdrehen. Ein nachgeschärftes Bild wirkt zwar knackiger. Doch es neigt auch zu hässlichen Bildfehlern. Ein Beispiel ist das «Banding», bei dem sich am Himmel kein gleichmässiger Farbverlauf, sondern eine unschöne Streifenbildung zeigt.
  • Zusätzliche Bildoptimierung ist oft überflüssig. Die meisten Fernseher verwenden Tricks, mit denen sie das Bild flüssiger machen oder niedrig aufgelöste Filme von DVD oder Videoband auf HD- oder sogar 4k-Qualität bringen. Was das bringt, müssen Sie im Einzelfall entscheiden, indem Sie diese Funktionen probehalber ein- und ausschalten.
  • Da diese Echtzeiteffekte rechenintensiv sind, verringern Sie durch das Deaktivieren den Strombedarf des Fernsehers – und zwar unter Umständen beträchtlich. Es gibt viele Fernseher, die den Strombedarf der aktuellen Einstellungen ausweisen, sodass auch diese Angabe einen Hinweis darauf gibt, wie sehr das Gerät in die Wiedergabe eingreift. Und natürlich: Die Stromsparfunktionen zu verwenden, ist eine gute Sache, zumal wenn die Qualitätseinbusse erträglich ist.
  • Den Ton nicht vergessen. Sie können nicht nur das Bild, sondern auch die Klangwiedergaben beeinflussen. Auch hier gibt es viele Einstellungsmöglichkeiten und diverse Modi, die entweder Schnickschnack oder aber Geschmacksache sind.

Eine Ausnahme gibt es aber: Die Dynamikkompression. Sie verringert die Unterschiede zwischen lauten Passagen wie Explosionen, Kampfgetöse oder dramatischer Musik und leisen Szenen. Da Filme fürs Kino und für hervorragende Soundanlagen abgemischt werden, sind Dialoge an Fernsehern mit kleinen Lautsprechern oft schwer bis gar nicht verständlich. Die Einstellung wirkt dagegen, indem Sie die maximale Lautstärke begrenzt und die Dialoge relativ anhebt.

Es ist leider nicht immer ganz leicht, diese Option überhaupt zu finden, da sie bei jedem Hersteller anders heisst: Falls sie nicht als Dynamikkompression erscheint, suchen Sie nach Dialoganhebung o.ä. Falls Sie, zum Beispiel bei einem Streaminganbieter, die Möglichkeit haben, zwischen einem Stereomix und einem Raummix (Dolby 5.1 o.ä.) zu wählen, entscheiden Sie sich für den Stereomix – er ist an einem Fernseher ohne Soundbar oder Raumklangsystem auf alle Fälle leichter zu verstehen.