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So bezwingen Sie die AlpenSteil ist geil

Ein Passfahrt ist die Königsdisziplin für die Gümmeler. Doch wer sich mit dem Velo an die Höhe heranwagt, muss gut vorbereitet sein. Neun Tipps für den Erfolg.

Kehre um Kehre die Furka hinauf: Aussen herum in der Kurve lohnt sich.
Kehre um Kehre die Furka hinauf: Aussen herum in der Kurve lohnt sich.
Foto: Vario Images/Norbert Eisele-Hein

Einige Radfahrerinnen und Radfahrer sind süchtig danach, für andere sind sie der blanke Horror: die Passfahrten. Und viele Anfänger wagen sich nicht an die Aufstiege. Sollten sie aber, denn berghoch macht richtig Spass – wenn man weiss wie:

Velocheck: Sind Bremsen und Pneus okay?

Eigentlich empfiehlt sich ein kurzer Check vor jeder Ausfahrt. Ganz sicher lohnt es sich aber, wenn eine Passfahrt bevorsteht. Dabei geht es vor allem um zwei Faktoren: Sind die Bremsbeläge noch dick genug, auf dass eine Passabfahrt in Angriff genommen werden kann? Und zeigt der Gummi der Pneus noch keine Anzeichen von Verschleiss? Plattfüsse ereignen sich meist irgendwo im Nirgendwo – und können mit einem kurzen Check der Laufräder vermieden werden. Bei neueren Velos gilt zudem: Ist der Akku der elektronischen Schaltung geladen? Mit einem Eingänger macht ein Pass nur mässig Spass.

Ausrüstung: Die Windjacke muss immer mit

Natürlich hängt unten am Sattel das Täschchen mit dem Flickzeug drin. Neben dem Ersatzschlauch auch die altgedienten Flicken einstecken. Es soll Ausfahrten geben, auf denen sich mehr als ein Defekt ereignet. In der Satteltasche hat auch eine kleine Tube Sonnencreme Platz: Die Sonne brennt in den Bergen ziemlich intensiv, da lohnt es sich, den weggeschwitzten Schutz unterwegs zu erneuern. Hinten ins Trikot kommt die Windjacke. Sie ist auch dann Pflicht, wenn es im Tal unten 30 Grad warm ist: Auch dann kann es auf dem Pass plötzlich sehr kühl werden – und auf der Abfahrt noch kühler. Noch besser: Die Regenjacken der neusten Generation sind mittlerweile ebenso leicht wie Windjacken – und schützen zudem vor einem plötzlichen Wolkenbruch.

Verpflegung: Volle Bidons sind viel mehr als nur Zusatzgewicht

Bevor die Hauptsteigung beginnt, unbedingt einen Brunnen suchen und die Bidons auffüllen. Klar, zwei grosse Flaschen sind 1,5 Kilogramm Zusatzgewicht. Doch erstens ist der Flüssigkeitsverlust in der Sommerhitze beträchtlich. Und bergauf fehlt zweitens der Fahrtwind, da kann das mitgeführte Wasser auch zur Abkühlung gute Dienste tun. Auch genügend Verpflegung ist wichtig. Das müssen keine Kohlenhydratgels sein; Biberli, Bananen und Co. liefern genauso zuverlässig Energie – und sind an jedem Kiosk oder Selecta-Automat verfügbar.

Der perfekte Moment: Nicht unbedingt sonntags

Natürlich lockt am Sonntag die grosse Pässefahrt. Für die weniger geübte Fahrerin gilt es da jedoch zu beachten: So denken ganz, ganz viele – Velofahrer, Töfffahrer, Autotouristen, Car-Ausflügler. Entsprechend lohnt es sich, entweder zeitig loszufahren oder sich nicht am schönsten Sonntag einen Passklassiker vorzunehmen. Sondern zum Beispiel einen aus unserer Auswahl. Oder noch besser, wenn das möglich ist: die Ausfahrt auf einen Werktag verschieben. Dann hat man die Pässe oft fast für sich allein. Zudem: Immer vorab den Wetterbericht studieren – in den Bergen kann es bei einem Umschwung auch im Sommer empfindlich kühl werden.

Gangwahl: Bescheidenheit zahlt sich aus

Einige Pässe sind kurz und knackig, andere lassen den Radfahrer länger leiden – sind dafür nicht ganz so hart. So oder so: Bescheidenheit zahlt sich aus. Von Beginn weg kleine Gänge fahren und dafür ankommen, statt gross antreten und mittendrin aufgeben müssen.

Berghoch: Es lohnt sich, den längeren Weg zu wählen

Bergauffahren ist anstrengend. Wie verlockend ist es da, in der Kurve den kürzesten Weg zu wählen. Dies ist allerdings die falsche Strategie, denn der engste Radius ist meist die steilere Variante. Wer schon am Limit fährt, kann sich da locker den Rest geben. Die zusätzlichen Meter Richtung Strassenmitte lohnen sich.

Bergab: In den Kurven Hände von den Bremsen!

Das Tempo muss vor dem Einlenken heruntergebremst werden. Wer in Kurvenlage die Bremshebel betätigt, den trägt es immer weiter Richtung Kurvenrand. Ebenfalls tabu in Bergabkurven: weiterzutreten. Stattdessen das äussere Bein strecken (Pedal ganz nach unten) und leicht zum Kurvenzentrum lehnen. Empfehlenswert ist zudem, den Rennlenker unten zu greifen. So sind die Bremsen besser erreichbar und lassen sich dosierter einsetzen. Diese Haltung ist allerdings Gewohnheitssache, denn das Blickfeld ist von dort (zumindest gefühlt) nicht ganz so gross wie bei der Stützposition auf dem oberen Lenker.

Beim Bergabfahren muss man vor, und nicht in den Kurven bremsen
Beim Bergabfahren muss man vor, und nicht in den Kurven bremsen
Foto: Keystone

Wiegetritt: Die willkommene Abwechslung

Bei steilen Anstiegen oder längeren Steigungen heisst es ab und an aus dem Sattel! Nicht konstant sitzen, hilft den Mukis, die am Berg im Dauereinsatz stehen sie teilen sich die Arbeit dann mit weiteren Muskeln, etwa jenen am Hintern. Zudem kann der Radler im Wiegetritt die Schwerkraft für sich arbeiten lassen, indem er mit dem ganzen Körpergewicht auf die Pedale drückt. Aufstehen entlastet auch den Rücken und den Nacken was bei längeren Ausfahrten hilfreich ist. Aber Achtung: Hochschalten, bevor Sie aus dem Sattel gehen. Sonst treten Sie ins Leere.

Weideroste: Das Rad im rechten Winkel

Im Flachland inzwischen eine Seltenheit, sind Weideroste auf den Passstrassen häufig anzutreffenund meist signalisiert. Die Abstände der quer zur Strasse liegenden Metallrohre können zu gefährlichen Velofahrerfallen werden, wenn diese sie nicht korrekt anfahren. Während sie wegen des höheren Tempos bergab problemlos sind, kann sich bei langsamen Geschwindigkeiten berghoch das Rad verfangen. Es gilt grundsätzlich: Möglichst umfahren (das schont auch das Material). Geht das nicht, ist die Devise: Augen zu und durch! Wer zögert, verliert an Fahrt, und das verschärft das Problem. Deshalb kräftig in die Pedalen treten und unbedingt die Roste im rechten Winkel zu den Rohren queren.