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Geldblog: Marktschrei(b)erSika-Aktien beschleunigen ihren Steilflug

Swisscom ist ein Fels in der Brandung +++ Siegfried stösst in eine neue Liga vor +++ Noch mehr Kummer für Bayer-Aktionäre

Sika-Chef Paul Schuler hält an der Strategie 2023 fest, die ein weiter beschleunigtes Wachstum vorsieht.
Sika-Chef Paul Schuler hält an der Strategie 2023 fest, die ein weiter beschleunigtes Wachstum vorsieht.
Foto: Keystone

Sika: kaufen

Sika überzeugt mich auch in der Krise. Der Bauchemiekonzern ist nach dem coronabedingten Einbruch sehr rasch wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Die Aktien kennen seit Mitte März nur eine Richtung: steil nach oben. Damit hat sich der Steilflug der Vorjahre nach kurzfristigen Abgaben noch beschleunigt. Wie der Chef Paul Schuler am Investorentag bestätigt hat, wird Sika im zweiten Semester im Vergleich zum ersten Halbjahr wieder deutlich wachsen. Dahinter stehen nicht nur bessere Marktbedingungen, sondern auch die ergriffenen spezifischen Massnahmen – das gefällt mir. Zudem bieten Nachholeffekte im Infrastrukturbereich sowie die vielerorts lancierten Wiederaufbauprogramme Sika ein schönes Wachstumspotenzial. Schuler hält denn auch an der Strategie 2023 fest, die ein weiter beschleunigtes Wachstum vorsieht. Ich bin überzeugt, dass Sika diese Ziele erreichen wird. Die sehr gut geführte Firma verfügt auch mittelfristig über hervorragende Perspektiven. Sika kommt gestärkt aus der Krise – die Titel gehörten ins Portfolio.

Swisscom: halten

Die Papiere von Swisscom sind dagegen wahrlich keine Kursrakete. Während viele Schweizer Aktien nach dem Corona-Schock Ende März viel Terrain wiedergutmachen konnten, oszillieren die Swisscom-Titel immer noch zwischen 480 und 500 Franken. Einen Anlass für einen Ausbruch in die eine oder andere Richtung gibt es derzeit nicht. Und genau darin sehe ich die Qualität dieser Titel. Auch wenn sich das Marktumfeld wie gerade jetzt eintrübt, ist Swisscom wie ein Fels in der Brandung und wirkt stabilisierend auf das Portfolio. Eine nach wie vor dominante Marktstellung, ein starkes Italiengeschäft und die implizite Staatsgarantie geben den Titeln eine Sonderstellung im Schweizer Aktien-Universum. Daran wird auch der wahrscheinliche Zusammenschluss von Sunrise und UPC nichts ändern, im Gegenteil. Nach der Fusion wird die Nummer zwei vor allem mit sich selbst beschäftigt sein und zusammenwachsen müssen. In dieser Zeit kann Swisscom ihre ohnehin starke Stellung weiter zementieren. Mit einer Rendite von 4,5 Prozent zahlen die Berner nicht die höchsten Dividenden, aber kaum eine ist sicherer als die 22 Franken pro Jahr, die die Ex-Monopolistin Jahr für Jahr in Aussicht stellt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 (2021) ist für ein nicht wachsendes Unternehmen sportlich – ich wäre bereit, für diese defensiven Qualitäten zu zahlen.

Siegfried: halten

Siegfried, muss ich gestehen, hatte ich nie auf dem Radar. Leider. Denn das Zofinger Unternehmen hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Der Pharmazulieferer hat kräftig expandiert und ist zum sechstgrössten Auftragsfertiger und Hersteller chemischer Wirkstoffe geworden. Nun stösst Siegfried in die kleine Phalanx der spezialisierten Kontraktzulieferer mit einem Umsatz von über 1 Milliarde Franken vor. Das Unternehmen übernimmt Ende des laufenden Jahres zwei Produktionsstätten von Novartis. Umsatz, Betriebsergebnis und Gewinn werden etwa 15 Prozent steigen. Klar, dabei sehe ich durchaus auch ­einige Risiken. Siegfried muss ­diese Fabriken umpolen und wettbewerbsfähig machen, damit sie neben Novartis auch externe Kunden gewinnen kann, um die Anlagen besser auszulasten. Das dauert drei, vielleicht auch vier Jahre. Aber die Börse glaubt schon jetzt an das Vorhaben: Die Siegfried-Aktien gewannen diese Woche ein Fünftel an Wert. Seit Anfang Jahr ist es fast doppelt so viel. Ich werde Siegfried künftig schärfer beobachten. Derzeit halte ich die Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 30 aber für zu teuer.

Bayer: meiden

Die Aktionäre von Bayer sind Kummer gewohnt. Vor gut zwei Jahren hat der deutsche Pharma- und Agrarchemie-Konzern 63 Milliarden Dollar für den Glyphosat-Hersteller Monsanto gezahlt. Das sollte das zweite Standbein des Unternehmens stärken – hat im Nachhinein aber aus meiner Sicht nur für Ärger gesorgt. Erst im Sommer hat der Bayer-Konzern einen milliardenschweren Vergleich in den USA geschlossen, um Rechtsstreitigkeiten wegen Krebsrisiken des Wirkstoffs Glyphosat auszuräumen. Der Schritt hatte für Hoffnung gesorgt. Doch nun leidet vor allem die Agrarchemiesparte, die durch die Corona-Krise unter Druck geraten ist. Diese Woche kündigte Bayer-Chef Werner Baumann einen Abschreiber im mittleren bis oberen einstelligen Milliardenbereich an. Sparprogramm und Stellenabbau sollen Kosten senken. An der Börse verlieren die Anleger derweil den Glauben an Bayer: In der vergangenen Woche hat der Konzern fast ein Fünftel an Börsenwert verloren, seit Antritt von Vorstandschef Baumann im Mai 2016 gut 60 Prozent. Dessen Kurs überzeugt auch mich bisher nicht. Für einen Einstieg in Bayer-Aktien scheint es mir trotz des Falls weiter an Argumenten zu mangeln.

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.