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«Sie werden die privatesten Dinge von Athleten wie Federer sehen»

Die A- und B-Probe. Zwei elementare Dinge aus dem Leben eines Dopingkontrolleurs.

Herr Zürcher, ich freue mich über Ihr Interesse an der Stelle als Dopingkontrolleur. Legen wir los. Haben Sie eine abgeschlossene Ausbildung?

Sehr gut. Weil wir mit Sportlern aus allen Landesteilen zu tun haben, brauchen Sie gute Sprachkenntnisse. Deutsch, Französisch und Englisch beherrschen Sie?

Und Italienisch?

Italienischkenntnisse sind zwar nicht zwingend, doch begrüssenswert. Aber wir bieten auch Sprachkurse für unsere Mitarbeiter an. Wie gut kennen Sie sich in der Sportwelt aus?

Sie müssen nicht nur die Sportler kennen, sondern auch die verschiedenen Verbände und ihre Schnittpunkte.

Weshalb so wortkarg, Herr Zürcher?

Das ist gar nicht mal so schlecht. Diskretion ist uns wichtig. Sie werden die privatesten Dinge auch von Athleten wie Roger Federer sehen und erfahren. Gerade weil Sie Journalist sind, muss ich Sie fragen: Können Sie diese Informationen für sich behalten?

Nun, Sie begleiten Athleten zur Urinprobe. Sie müssen sie stets im Blickfeld haben, Sie sehen ihre Geschlechtsteile. Damit verhindern Sie, dass der Sportler etwa mit Waschpulver die Probe panscht. Aus diesem Grund suchen wir auch explizit eine männliche Person. Vielleicht können die Athleten nicht sofort liefern oder haben andere Probleme. Es braucht absolute Diskretion.

Sie müssen ein Vertrauensverhältnis aufbauen, aber dürfen beispielsweise nicht mit dem Sportler zu Mittag essen – auch wenn er Sie dazu einlädt. Wir suchen eine integere Persönlichkeit. Dopingkontrolleure werden auch mal unter Druck gesetzt, in Russland gar geschmiert. Können Sie dem widerstehen?

Wie halten Sie es mit unregelmässigen Arbeitszeiten? Sie kontrollieren vor allem frühmorgens und spätabends.

Nun, bislang erfüllen Sie die Anforderungen – haben Sie bereits Fragen?

Sie verstehen sicher, dass ich nicht will, dass unsere Löhne in der Zeitung zu lesen sind. Die Saläre sind sicher tiefer als beim Bund. Sie erhalten aber ein Dienstfahrzeug, iPad und Handy. Sie können international arbeiten und Weiterbildungen besuchen.

Leider fast keine. Wir haben eine sehr flache Hierarchie. Es gibt bei uns fünf Profikontrolleure und 40 Milizkontrolleure, die auf Stundenbasis arbeiten. Eine Beförderung wäre bei uns ein Bürojob.

Das gehört eben zum Job. Wir machen das genau darum, um zu verhindern, dass die Athleten noch etwas vor dem Schlafen zu sich nehmen; oder um ein aussagekräftiges Blutprofil zu erhalten. Mit Kritik müssen Sie umgehen können und gelassen reagieren. Es gibt auch Eishockeytrainer, die ihre Spieler nach verlorenen Playoffpartien nicht zum Test schicken wollen.

Dann wissen Sie, wie mit ihnen umgehen. Nächste Frage: Können Sie Blut abnehmen?

Dann können wir das Gespräch gleich abbrechen, es macht keinen Sinn. Sie müssen bei uns nicht nur Urin-, sondern auch Blutproben nehmen.

Wir haben das in der Vergangenheit angeschaut. Das geht nicht. Wir wollen gut ausgebildete Personen, die Blut abnehmen dürfen wie Pfleger oder medizinische Praxisassistenten.