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Aviv RegevSie entscheidet über die Medikamente der Zukunft

Die Computerbiologin wechselt von der Wissenschaft in die Wirtschaft. Ihre Expertise ist für Roche matchentscheidend.

Die wissenschaftlichen Arbeiten von Aviv Regev gehören zu den am meisten zitierten auf ihrem Gebiet der biologischen Datenanalyse.
Die wissenschaftlichen Arbeiten von Aviv Regev gehören zu den am meisten zitierten auf ihrem Gebiet der biologischen Datenanalyse.
Foto: Roche

Aviv Regev ist einer der führenden Köpfe auf einem Gebiet, das für die Pharmaindustrie aktuell matchentscheidend ist: Computerbiologie. Dabei geht es darum, grosse Datensätze mithilfe der Informatik zu analysieren, um bestimmten Mustern auf die Spur zu kommen. Bei der Erforschung des Genoms machten Wissenschaftler in den 1970er-Jahren dies noch händisch, indem sie bekannte Gensequenzen auf durchsichtige Folien schrieben und sie übereinander hin- und herschoben, bis identische Muster hervorstachen. Bei den riesigen Datenmengen, die heute zu Krankheiten oder körperlichen Prozessen gesammelt sind, ist das unmöglich. Hier kommt Regev ins Spiel. Sie ist diejenige, die spezielle Computerprogramme entwickelt, um aus «Big Data» brauchbare Informationen zu filtern.

Bislang ist die 49-Jährige Professorin für Biologie an der US-Eliteuniversität MIT sowie eine der Leiterinnen des Broad Institute, in dem MIT und Harvard-Universität gemeinsam das menschliche Genom erforschen. Roche hat die israelisch-amerikanische Doppelbürgerin nun auf einen der wichtigsten Posten des Pharmakonzerns berufen: Regev leitet ab 1. August die Forschung und frühe Entwicklung der Tochter Genentech in San Francisco – und vollzieht damit den Sprung von der Wissenschaft in die Wirtschaft. Auch in die erweiterte Geschäftsleitung zieht sie ein und wird damit die vierte Frau von zehn Mitgliedern. Sie folgt auf Michael Varney, der Ende Juli in Pension geht.

In der Informationstechnologie steht die Pharmaindustrie noch ziemlich am Anfang

Dem Basler Pharmagigant ist mit der Ernennung ein Coup gelungen. Denn Roche – wie auch die übrige Pharmaindustrie – steht, was Informationstechnologie betrifft, noch ziemlich am Anfang. Die Branche beginnt erst, sie für sich zu nutzen. Wer hier die Nase vorn hat, wird einen bedeutenden Vorteil haben. Mit Regev dürfte Roche künftig vorn mitmischen: Die wissenschaftlichen Grundlagenarbeiten der Professorin gehören zu den meistzitierten auf ihrem Gebiet.

«Regev ist eine der führenden Kapazitäten, um molekulare Kreisläufe zu entziffern, die Zellen, Gewebe und Organe sowohl im gesunden als auch im kranken Zustand bestimmen», schreibt Roche-Chef Severin Schwan in einem internen Brief an die Konzernangestellten.

Die Bestimmung aller menschlichen Zellen

Mit ihrem Umzug von der amerikanische Ost- an die Westküste wird die verheiratete Regev bei Genentech künftig darüber entscheiden, in welche Richtung die Medikamentenentwicklung geht. Genentech, bei der der damalige Roche-Chef Fritz Gerber 1990 eingestiegen war, ist Roches wichtigster Konzernteil: Aus San Francisco stammen die drei Krebstherapien Avastin, Herceptin und Mabthera. Mit ihnen haben die Basler bis zu ihrem jetzigen Patentablauf fast 300 Milliarden Franken eingenommen.

Bislang war Regev auch Gründungsvorsitzende des Human Cell Atlas (Atlas der menschlichen Zellen), eines gleich doppelt bemerkenswerten Projektes: Diese weltweite wissenschaftliche Zusammenarbeit hat zum Ziel, sämtliche Zellen des Menschen in ihrer unterschiedlichen Art, Zahl und ihren Zusammenhängen zu charakterisieren. Finanziert wird das Projekt von der Chan Zuckerberg Initiative, der Stiftung des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg und seiner Frau Priscilla Chan, die vorhaben, mit diesem Wissen bis ins Jahr 2100 sämtliche Krankheiten heilen, mildern oder verhindern zu können. Regev wird auch künftig daran arbeiten – allerdings bei Genentech.

4 Kommentare
    Karl Steinbrenner

    Leider ist der Wikipedia-Artikel über Aviv Regev nicht sehr ergiebig.

    Mehr über ihre Forschungsgegenstände und die möglichen Implikationen auf die Entwicklung neuer Medikamente und Verfahren erfährt man im englischsprachigen Wikipedia-Artikel über ihren Doktorvater Ehud Shapiro.

    Beide scheinen Ausnahmetalente zu sein.