Zum Hauptinhalt springen

Schweizer Film in Basler KinosSchwuler Türke muss Cousine heiraten

Die Romanze mit seinem Trainer Mike stellt Beytos Leben auf den Kopf. Seine türkische Familie sieht nur noch einen Ausweg: Er muss verheiratet werden.

Beyto liebt Seher, aber mehr wie eine Schwester. Nun muss er sie heiraten und seine Homosexualität vertuschen.
Beyto liebt Seher, aber mehr wie eine Schwester. Nun muss er sie heiraten und seine Homosexualität vertuschen.
Foto: Screenshot «Beyto»

Mitten in der Nacht zerrt sein Vater den jungen Mann aus dem Bett: «Warst du an diesem Männerumzug?», fragt er den Sohn wutentbrannt auf Türkisch. Dieser schweigt und schaut hilflos zu seiner Mutter. «Sag Nein, mein Junge! Sag deinem Vater, dass du nicht da warst.» «Nein», antwortet Beyto – dann darf er wieder schlafen gehen.

Beyto hat gelogen. Und seine Eltern wissen es. Doch immerhin versucht er es zu vertuschen. Immerhin schämt er sich dafür. Wenigstens traut er sich nicht aus dem engen Korsett der gesellschaftlichen Erwartungen. Handlungsbedarf besteht trotzdem, da sind sich Mutter und Vater einig. Und zwar dringend!

Den Schein wahren

Bisher war der einzige Sohn türkischer Einwanderer noch der ganze Stolz der Familie: der Klassenbeste, ein vielversprechender Athlet, ein guter Kumpel. Aber vor kurzem war Mike auch noch nur sein Trainer.

Nun ist alles anders. Seit seine Tanten Beyto an der Street Parade mit Mike gesehen haben, befindet sich der Jugendliche in einer Zerreissprobe: die Ehre der Familie und die Angst vor deren Reaktion auf der einen, die grosse Liebe auf der anderen Seite.

Mike trifft er heimlich: Mike mit seinem Biogemüse, Mike mit dem guten Haar, Mike, der ihn im Fitnessstudio motiviert. Eigentlich wollten die jungen Männer über den Sommer zusammen wegfahren, doch daraus wird nun nichts. In wenigen Tagen reist Beyto mit seiner Familie in die Türkei. «Um deine Grossmutter noch einmal zu sehen. Sie fragt immer nach dir», überredet ihn seine Mutter. «Meine Oma liegt im Sterben», rechtfertigt Beyto seine Abreise gegenüber Mike.

Doch Beyto hat keine Ahnung, was ihn bei seiner türkischen Familie auf dem Land erwartet. Und ohne Handyempfang und Pass hat er keine Möglichkeit, sich Hilfe zu holen. Als er Tage später in die Heimat zurückkehrt und Mike wiedersieht, ist Beyto ein verheirateter Mann.

Homophobie hier und dort

Das schweizerdeutsche Drama «Beyto» (basierend auf dem Roman «Hochzeitsflug» von Yusuf Yesilz) der Regisseurin Gitta Gsell lässt den Kinozuschauer mitfühlend nachdenklich werden: Wie grausam wäre es, seine grosse Liebe nie mehr wiedersehen zu dürfen.

Mehr noch: Es würde einem verboten werden, überhaupt jemals wieder zu lieben. Und wenn man es doch nicht unterdrücken könnte, müsste man seine Liebe heimlich ausleben, stets begleitet von der Angst, erwischt zu werden.

«Beyto» zeigt die vielen Faktoren auf, die ein Coming-out auch im 21. Jahrhundert zu einem schier unüberbrückbaren Hindernis werden lassen können: Natürlich will Beyto mit Mike zusammenleben. Doch dann wäre der Ruf seiner Eltern, die ebenfalls nicht aus Liebe, sondern aus Pflicht geheiratet haben, dahin und seine junge Ehefrau und Kindheitsfreundin Seher (Ecem Aydin) würde zum Gespött im Dorf.

Homosexualität ist in der Türkei je nach Region genauso umstritten wie in konservativen Teilen der Schweiz. Der Unterschied: Gleichgeschlechtliche Liebe wurde hierzulande erst 1942 legalisiert, in der Türkei bereits 90 Jahre zuvor, 1852. Der Film beleuchtet kurz auch die Schweizer HomophobieMike wurde ebenfalls von seinen Eltern, christlichen Schweizern, aufgrund seiner sexuellen Orientierung verstossen.

Genauso fleissig wie seine Filmfigur: Burak Ates ist sportlich, studiert Schauspiel und Wirtschaftsinformatik.
Genauso fleissig wie seine Filmfigur: Burak Ates ist sportlich, studiert Schauspiel und Wirtschaftsinformatik.
Foto: Screenshot «Beyto»

Die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller Burak Ates (Beyto) und Dimitri Stapfer (Mike) lässt eine tiefgreifende Identifikation mit ihren Rollen zu. Selbst wenn die Geschichte am Ende eine etwas kitschige Färbung erhält, berührt die zärtliche Beziehung der jungen Männer.

Verschmust ist Burak Ates genannt Buriauch im echten Leben. So schreibt er auf der Seite seines Crossfit-Vereins, er wäre gerne eine Katze: «Natürlich eine mit Freigang. So könnte ich ein autonomes Leben führen, machen, was ich will, und mich den ganzen Tag streicheln lassen.»

Und auch den Fleiss teilt Ates mit seiner Filmfigur: Neben seinem Schauspielstudium an der European Actor School in Zürich studiert er zusätzlich Wirtschaftsinformatik: «Das klingt alles sehr stressig und ist es auch ein bisschen», schreibt Ates online.

«Beyto» hat am Zurich Film Festival für Begeisterung gesorgt und läuft derzeit im Basler Kultkino.

2 Kommentare
    Goran Klepic

    Schwuler Tuerke ? lol Manchmal liebe ich den Sarkasmus, den die BaZ den fleissigen Lesern entgegen bringt ! Dieser arme Tuerke muss wirklich bekehrt werden, um seine Beduerfnisse zu befriedigen ! Die Tuerkin in diesem Bild ist wunderhuebsch ! Hatte selbst einmal eine wunderhuebsche Tuerkin als Freundin !