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Bald gehen die Grenzen aufSchweizer Tourismus hofft auf ausländische Gäste

Lang andauernde Schutzmassnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus bereiten der Branche mehr Sorgen als die Konkurrenz aus dem Ausland. Doch die Österreicher schielen bereits auf Schweizer Touristen.

Silsersee im Oberengadin: Die Region will diesen Sommer die einheimischen Gäste mit ihren Wasserwelten begeistern.
Silsersee im Oberengadin: Die Region will diesen Sommer die einheimischen Gäste mit ihren Wasserwelten begeistern.
Foto: Getty Images

Die Schweiz öffnet ihre Grenzen zu Frankreich, Deutschland und Österreich voraussichtlich am 15. Juni. Darauf habe sich das Justizdepartement von FDP-Bundesrätin Karin Keller-Sutter mit den Nachbarländern geeinigt, meldet das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement auf Twitter. Voraussetzung ist allerdings, dass die Zahl der Neuinfektionen in den betroffenen Ländern nicht steigt.

Das heisst auch, dass dann wieder ins Ausland gereist werden kann. Bei Schweizer Tourismusunternehmern ist die Sorge klein, dass die sicher geglaubten einheimischen Gäste nun ihre Ferien doch lieber im benachbarten Ausland verbringen. «Es kommen ja auch ausländische Touristen zu uns, wenn die Grenzen wieder offen sind», sagt Jan Steiner, Mitglied der Geschäftsleitung von Engadin St. Moritz Tourismus. So seien die Ferienwohnung für die anstehende Sommersaison «gut gebucht, auch von Deutschen und Italienern».

Das Tourismusgebiet konzentriert sich für den Sommer aber klar auf die einheimischen Gäste, denn sie sorgen in dieser Jahreszeit für 56 von 100 Übernachtungen. Das Engadin lanciert «Wasser» als Thema und will den Schweizerinnen und Schweizern die Region als «Badeort in den Bergen» schmackhaft machen.

Ausserdem gibt es laut Steiner eine engere Zusammenarbeit mit den Reisebüros, um Ideen zu sammeln und Ferienpakete zu schnüren.

«Wir stellen fest, dass die Gäste aus dem Ausland mehrheitlich an ihren Reservationen festhalten.»

Janine Bunte, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Parahotellerie Schweiz

Die Parahotellerie setzt ihre Hoffnungen ebenfalls in Grenzöffnungen, um die Verluste so gut wie möglich verringern zu können. «Wir stellen fest, dass die Gäste aus dem Ausland mehrheitlich an ihren Reservationen festhalten», sagt Janine Bunte, Chefin der Schweizer Jugendherbergen und Vorsitzende der Interessengemeinschaft Parahotellerie Schweiz.

Zu dieser Organisation gehören neben den Schweizer Jugendherbergen auch TCS Camping, die Reka-Feriendörfer, die Online-Plattform Interhome sowie Bed & Breakfast Switzerland.

Die Parahotellerie ist jedoch mit grossen Unsicherheiten konfrontiert. Noch ist etwa unklar, wann die Campingplätze wieder öffnen können. Als realistisches Stichdatum gilt der 8. Juni, auch für die Bergbahnen und die Schifffahrt.

Weiter zeichnet sich ein wirtschaftlich schwieriges Jahr ab. Bunte schätzt den Umsatzeinbruch für die Mitglieder der IG Parahotellerie auf 30 bis 50 Prozent im Vergleich zu 2019. Für die Betriebe wird es überlebenswichtig, wie schnell sie sich davon erholen.

Umsatzeinbussen bei Engelberg-Titlis

Mehr Kopfzerbrechen bereiten den Touristikern die Schutzmassnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus. «Halten diese länger an, wird sich die Wirtschaft davon nur langsam erholen», warnt Andres Lietha, Direktor der Engelberg-Titlis Tourismus AG. Er meint damit vor allem die Abstandsregeln.

Bergbahnen und Restaurants, die deswegen nur die Hälfte ihrer vorhandenen Kapazitäten mit Kunden füllen dürfen, könnten nicht mehr gewinnbringend wirtschaften. Eine raschestmögliche Lockerung der Schutzmassnahmen wäre also hilfreich, um die Nachfrage anzukurbeln.

Das zeigt die aktuelle Lage der Tourismusdestination: Von März bis April fehlen Engelberg 40’000 Logiernächte. Lietha schätzt den Umsatzausfall auf bis zu sieben Millionen Franken.

Österreich Tourismus prüft Kampagne

Doch auch die Konkurrenz im Ausland bereitet sich auf eine weitere Normalisierung vor. Österreich Tourismus etwa prüft derzeit, inwieweit der Schweizer Markt mit Werbekampagnen bearbeitet werden soll.

Eine Sprecherin sagt, dass die Öffnung des Tourismus in verschiedenen Phasen erfolge: «Wie viele weitere Länder starten auch wir mit dem Inlandsmarkt.» In einem weiteren Schritt folgen dann «die Nahmärkte, stets gekoppelt an die jeweilige Situation vor Ort».

Die Schweiz steht in Österreich an dritter Stelle der ausländischen Herkunftsmärkte nach Deutschland und den Niederlanden. Im vergangenen Jahr zählte unser Nachbar im Osten knapp fünf Millionen Übernachtungen aus der Schweiz. Davon fielen knapp 54 Prozent auf den Sommer.