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Geldblog: Leserfrage zu WährungsrisikenSchweizer oder australische Anleihen?

Geldexperte Martin Spieler sagt, inwieweit Corona die Rahmenbedingungen hinsichtlich Fremdwährungsanleihen verändert hat.

Teure Rendite: Der in anderen Ländern oftmals höhere Zins beinhaltet ein beträchtliches Währungsrisiko.
Teure Rendite: Der in anderen Ländern oftmals höhere Zins beinhaltet ein beträchtliches Währungsrisiko.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich habe für einen Wert von 80`000 Franken seit einigen Jahren in australische Obligationen investiert. Da der australische Dollar AUD gegenüber dem Schweizerfranken jedes Jahr an Wert verliert und auch die Bankgebühren bei meinem AUD-Konto ziemlich hoch sind, möchte ich Sie fragen, ob ich alle Obligationen verkaufen soll und den Betrag in Schweizer oder australische Aktien investieren soll. Leserfrage von P.K.

Die Coronakrise hat auch für Australien tiefgreifende Folgen. Nach fast 30 Jahren Wirtschaftswachstum ist auch Australien in eine Rezession gefallen. Mit einem von der Reserve Bank of Australia erwarteten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im laufenden Jahr um fünf Prozent steht das Land im Vergleich zur Schweiz und vielen anderen Staaten noch einigermassen gut da.

Schwer belastet wird allerdings Australiens Dienstleistungssektor, da dieser stark vom Tourismus abhängig ist, der massiv eingebrochen ist. Eine wichtige Rolle spielt in der australischen Wirtschaft zudem der Bergbau. Das Land ist reich an Rohstoffen wie Gold, Kohle, Mineralsand, Kupfer, Uran, Bauxit, Eisenerz, Nickel, Blei, Zink, Diamanten und Erdgas. Allerdings wurde der Abbau wegen Corona ebenfalls zeitweise stark eingeschränkt.

Immerhin verfügt Australien über eine recht geringe Staatsverschuldung. Obwohl im Zuge der Coronakrise nun mehr tief verzinste Staatsanleihen herausgegeben werden, wird der dortige Anleihenmarkt von Unternehmensanleihen dominiert. Nachdem die Zinsen in Australien ebenfalls gesunken sind, verlieren neue Anleihen in australischem Dollar an Attraktivität, zumal die australische Notenbank signalisiert hat, dass sie vorderhand an ihrer wegen der Coronakrise gelockerten Geldpolitik festhält. Der Leitzins der Reserve Bank of Australia notiert auf einem Rekordtief von 0,25 Prozent. Das ist aber immer noch mehr als die Zinsen in Schweizerfranken. Die Bundesobligationenrendite notiert nach wie vor deutlich im Minus.

Wenn indes die Währung taucht, ist die Mehrrendite schnell weg.

Angesichts der gesunkenen Renditen war auch der australische Dollar im Frühling eingebrochen. Obwohl sich die Währung seither gegenüber dem Schweizerfranken erholt hat, sitzen Anlegerinnen und Anleger, die wie Sie seit Jahren im australischen Dollar positioniert sind, meist auf hohen Buchverlusten. In der Vergangenheit waren die Renditen der AUD-Anleihen zwar interessant. Die Währungsverluste haben diesen Pluspunkt aber zumindest teilweise eliminiert.

Auch in Zeiten rekordtiefer Zinsen findet man zwar weltweit Obligationen mit noch etwas mehr Rendite als bei uns. Dieser höhere Zins hat aber einen beträchtlichen Preis in Form von Währungsrisiken. Zwar kann man Währungen absichern. Dies ist aber nicht billig und schmälert die Rendite. Wenn indes die Währung taucht, ist die Mehrrendite schnell weg.

Wie sich der australische Dollar künftig entwickeln wird, weiss ich nicht. Falls sich die australische Wirtschaft wie erwartet im nächsten Jahr deutlich erholt, dürfte auch der AUD etwas an Wert zulegen. Corona macht aber auch dies höchst unsicher. In Ihrer Situation würde ich das beträchtliche Währungsrisiko, das Sie tragen, schrittweise reduzieren. Statt gleich alle Anleihen abzustossen, würde ich die Position in den AUD-Obligationen schrittweise reduzieren und die australischen Dollar gestaffelt in Schweizerfranken umtauschen. So tragen Sie weniger Währungsrisiken, laufen aber auch weniger Gefahr, dass sie gleich den gesamten Betrag zu einem schlechten Zeitpunkt gewechselt haben, falls der AUD später doch wieder zu einer stärkeren Erholung ansetzt.

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