Zum Hauptinhalt springen

Slalom-Coup von Linus StrasserDas schludrige Talent ist jetzt König von Zagreb

Linus Strasser sorgt zu Beginn seiner Karriere für Furore und glaubt, es gehe weiter steil bergauf. Sechs Jahre später gewinnt der Deutsche seinen ersten Slalom.

Wer in Zagreb gewinnt, ist nicht nur Weltcupsieger, sondern auch gleich König und kriegt traditionell eine Krone aufgesetzt.
Wer in Zagreb gewinnt, ist nicht nur Weltcupsieger, sondern auch gleich König und kriegt traditionell eine Krone aufgesetzt.
Foto: Antonio Bat (Keystone/EPA)

Die Ader auf seiner Stirn wächst sich zu einem dicken Strang aus. So sehr, dass sie bald zu platzen scheint. Die Augen: rot umrandet, wässrig. Als Linus Strasser das Mikrofon entgegengestreckt bekommt und seine Emotionen schildern soll, wenige Sekunden nur nachdem sein grösster Coup feststeht, da weiss der Deutsche nicht so recht, was er sagen soll.

Das mag auch an der englischen Sprache liegen, in welcher der 28-Jährige Auskunft geben muss. Viel mehr aber liegt es daran, dass er seine Gefühle noch nicht wieder unter Kontrolle hat.

Strasser, einst ein hochgelobtes Talent im deutschen Team, designierter Nachfolger des grossen Felix Neureuther, hatte es nach vielen Jahren des Kriechgangs geschafft: auf das Podest in einem Slalom. Und nicht nur das: Er steht an diesem Mittwoch in Zagreb gar zuoberst. Es ist ein Triumph, der Neureuther in seiner Karriere verwehrt blieb, nie gewann der 13-fache Weltcupsieger am Bärenberg.

Es ging nicht einfach munter weiter

Kein Wunder, wirft Strasser vor Begeisterung erst einmal die Handschuhe in den Schnee, als auch der Franzose Clément Noël als Letzter gescheitert ist an seiner Zeit – und sind später Tränen auszumachen im Gesicht des Münchners, der sich im Zielraum hinkniet und ungläubig in den Nachthimmel blickt.

Er, der vor vier Jahren in Stockholm einmal ein Parallelrennen gewonnen hatte, war längst bestimmt für einen Moment wie diesen. Als Strasser in der Saison 2014/15 in den Weltcup aufstieg, bewegte er sich nicht lange im Schatten anderer. Als 20. holte er bald seine ersten Punkte – in Zagreb; 14. wurde er in Kitzbühel, wo er als kleiner Bub in den Ferien das Skifahren erlernt hatte; Fünfter bereits im Fan-Tollhaus von Schladming. Und Strasser dachte: So geht es jetzt munter weiter. Ging es nicht.

Der Aufstieg von Strasser war steiniger als gedacht.
Der Aufstieg von Strasser war steiniger als gedacht.
Foto: Christophe Pallot (Getty)

Als er im Zielraum von Zagreb endlich als Sieger eines Slaloms seine Arme in die Höhe reckt, sind sechs Jahre vergangen seit dem Coup von Schladming. «Ein bisschen schludrig» sei er in der Folge gewesen, sagte Strasser einmal. Er hatte sich zu sehr auf sein Talent verlassen und verlor sich danach beinahe auf der Suche nach dem Fahrstil, der ihn einst so schnell nach oben gebracht hatte.

Wolfgang Maier, Alpindirektor der Deutschen, erzählte, Strasser habe seinen Stil vernachlässigt und lieber Neureuther, sein grosses Vorbild, nachgeahmt. Es ging schief. 26., 23, mal 17. wurde er noch. Nach und nach lernte er, dass es mehr braucht als Talent oder das Kopieren eines Spitzenfahrers, um sich ganz vorne festzusetzen.

Der letzte Winter war mit drei Top-10-Plätzen im Slalom sein bester. Und nun also, nach den Rängen 18 und 6 zum Saisonauftakt, ist er fulminant in den Monat gestartet, der für die Stangenkünstler gleich sieben Rennen in 26 Tagen bereithält. Ist er an diesem Mittwochabend für einmal nicht der kleine Felix Neureuther, als den ihn so viele sahen. Sondern ist er der grosse Linus Strasser.

Österreicher stellen Schweizer in den Schatten

Neben ihm winkt ein Mann in den leeren Zielraum von Zagreb, der sich endgültig als Slalomfahrer der Stunde, ja der letzten Wochen entpuppt: Manuel Feller. Der Österreicher, der zuletzt vor allem damit aufgefallen war, dass er seinen Schnauz grün färbte oder sich in einem Auto rappend über seine Kritiker mokierte, bringt diese nun auf der Piste zum Schweigen. 2., 4., 2., das sind Fellers Resultate aus den ersten drei Slaloms. Am Sonntag wird er in Adelboden als Führender der Disziplinenwertung das rote Trikot tragen.

Er ist damit Leader eines österreichischen Slalomteams, das sich schnell vom Rücktritt Marcel Hirschers erholt hat. Allein die Resultate von Zagreb zeigen das: 2. Feller. 3. Marco Schwarz. 4. Michael Matt. Und selbst Fabio Gstrein liegt als Achter noch vor den besten Schweizern, die sich am Bärenberg die Zähne ausbeissen.

Ramon Zenhäusern als Neuntem und Daniel Yule auf Rang 10 bleibt nur, sich auf das Heimrennen am Chuenisbärgli zu freuen. Auf kältere Temperaturen und eine härtere Piste, die vor allem Yule mehr liegen sollte als das eher weiche Terrain von Zagreb. Er reist als Sieger des Vorjahres ins Berner Oberland.

1 Kommentar
    Per Holund

    Herzliche Gratulation, super Linus. Die CH müssen sich nicht verstecken.