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Nach vier Jahren in GeiselhaftTerroristen töten Schweizerin in Mali

Eine Schweizer Geisel ist in Mali von Mitgliedern einer Terrororganisation getötet worden. Die Nachricht stammt von einer freigelassenen Geisel aus Frankreich.

Kämpfer eines Ablegers der Terrororganisation al-Qaida patrouillieren in Timbuktu in Mali. (31. August 2012)
Kämpfer eines Ablegers der Terrororganisation al-Qaida patrouillieren in Timbuktu in Mali. (31. August 2012)
Foto: Keystone

Eine in Mali vor vier Jahren entführte Schweizerin ist von ihren Entführern umgebracht worden. Dies teilte das Aussendepartement EDA am Freitagabend mit. Verantwortlich für die Tat sind offenbar Mitglieder eines Al-Kaida-Ablegers.

Die französischen Behörden hätten die Schweizer Behörden am Freitagnachmittag informiert, dass die Schweizer Geisel in Mali tot sei, heisst es in der Mitteilung. Sie sei offenbar schon vor einem Monat von den Entführern der islamistischen Terrororganisation Jama’at Nasr al-Islam wal Muslimin (JNIM) getötet worden.

Beim Opfer handelt es sich um eine Missionarin aus Basel, die vor vier Jahren entführt wurde. Dies bestätigte EDA-Sprecher Valentin Clivaz auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die genauen Umstände der Tötung der Schweizer Geisel sind laut EDA noch unklar.

Die Frau, die seit Jahren in Timbuktu als Missionarin tätig war, war Anfang 2016 bereits zum zweiten Mal entführt worden. Die Baslerin war bereits im April 2012 ein erstes Mal von Islamisten verschleppt worden.

«Ich danke allen, die einen Effort [für mich] geleistet haben.»

Beatrice S.

Die Schweizer Geisel war im Juli 2017 erstmals in einem Terrorvideo aufgetaucht, wie diese Zeitung damals berichtete. Ihr Gesicht war umhüllt von einem schwarzen Kopftuch und nur für wenige Sekunden zu sehen. Die kurze Sequenz reichte aber, um sie zu identifizieren. Die Schweizerin Beatrice S. missionierte in Mali und wurde im Januar 2016 von Terroristen entführt. Im Video hatte sie nach damals rund 18 Monaten in Geiselhaft ausgezehrt gewirkt. Auf französisch sagte sie: «Ich danke allen, die einen Effort [für mich] geleistet haben. Ich danke meiner Mutter, meinem Bruder. Ich bin froh, dass es euch gut geht.»

Beatrice S. war der al-Qaida im islamischen Maghreb in die Hände gefallen, einem Ableger der Terrororganisation. Neben Beatrice S. waren im Video fünf weitere Geiseln zu Wort gekommen: Ein Australier, ein Südafrikaner, ein Rumäne, eine Kolumbianerin und eine Französin. Die drei Frauen hatten alle missioniert. Ein Erzähler hatte ihnen im Video vorgeworfen, sie hätten «Arme und Schwache ausgenutzt», um ihre «bösen Ziele» zu erreichen.

Andere Geiseln sind freigekommen

Vor der Todesnachricht war die Freilassung mehrerer ebenfalls vor vier Jahren entführter Geiseln bekannt geworden. Eine 75-jährige französische Entwicklungshelferin kehrte am Freitag mit einer Sondermaschine in ihre Heimat zurück. Auf dem Flughafen wurde sie von Präsident Emmanuel Macron empfangen. Der Elysée-Palast machte keine Angaben zu den Umständen der Freilassung.

Die 75-jährige französische Entwicklungshelferin wird am Flughafen von ihrer Familie begrüsst. Im Hintergrund wartet Präsident Emmanuel Macron. (9 Oktober 2020)
Die 75-jährige französische Entwicklungshelferin wird am Flughafen von ihrer Familie begrüsst. Im Hintergrund wartet Präsident Emmanuel Macron. (9 Oktober 2020)
Foto: Gonzalo Fuentes (Reuters) 

Auch der prominente malische Oppositionspolitiker Soumaila Cisse sowie zwei entführte Italiener wurden freigelassen. Die beiden Italiener trafen am Freitag in Rom ein, ebenfalls per Flugzeug.

Offizielle Warnung missachtet

Aussenminister Cassis reagierte laut Mitteilung «mit grosser Betroffenheit» auf die Todes-Nachricht. «Ich verurteile diese grausame Tat und spreche den Angehörigen mein tief empfundenes Beileid aus.» Die Schweiz setze alles daran, mehr über die Umstände der Tötung und über den Verbleib der sterblichen Überreste zu erfahren. Dafür werde das EDA auch an die Übergangsregierung in Mali gelangen.

Das EDA verweist in seiner Mitteilung weiter darauf, dass sich Mitglieder des Bundesrates persönlich und wiederholt bei den zuständigen Behörden für die Freilassung der Frau eingesetzt hätten. Die Schweizer Behörden seien in den letzten vier Jahren zudem ständig im Kontakt mit der Familie des Opfers gewesen.

Bereits bei der Geiselnahme hatte das EDA eine Taskforce gebildet. Die offizielle Schweiz hatte S. aufdie «hohe persönliche Gefährdung» hingewiesen, bevor sie nach Mali zurückkehrte. Die Missionarin war dort 2012 schon einmal entführt worden. Damals hatten die Terroristen sie nach zehn Tagen wieder gehen lassen. Eine Bedingung lautete, dass sie nie wieder nach Mali reise. Sonst würde sie sterben.

Dennoch kehrte S. zurück. Sie spürte eine Verbindung zu Timbuktu, seit sie als Touristin mit dem evangelikalen
Hilfswerk «Neues Leben» durch die Sahelzone gereist war. «2002 hat mich Gott nach Timbuktu geschickt», sagt sie im Video. Zu Beginn war S. für das Hilfswerk im Einsatz. Als sich die Sicherheitslage verschlechterte, verliessen die Missionare die Region. S. blieb.

sda/red