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«Wer die Menschen ständig erziehen will, ist kein aufklärerischer Geist»

«Ich liebe nun einmal Bürgerlichkeit»: Frank A. Meyer in seiner Wohnung in Berlin-Charlottenburg.

BaZ: Herr Meyer, wir sind hier bei Ihnen zu Hause in Berlin-Charlottenburg. Sie haben uns eben Ihre Wohnung und Ihre Aussicht über die Dächer gezeigt. Das ist ein beeindruckendes Refugium, das Sie sich geschaffen haben. Dennoch die Frage: Warum leben Sie hier, in dieser Wohnung, in dieser Stadt?

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Mittenmang?

Berlin gilt nicht gerade als bürgerliche Stadt. Weshalb sind Sie nicht nach München oder Hamburg, wo die bürgerliche Lebensart viel präsenter ist?

Auch nicht in anderen geschichtsträchtigen Städten wie Paris?

Inzwischen leben Sie seit vielen Jahren hier. Hat sich die Stadt verändert?

Tatsächlich?

Die Stadt verludern zu lassen?

Sie finden also, die Linke betone heute mehr das Trennende, weniger das Verbindene?

Die Religionsfreiheit ist immerhin ein verbrieftes Recht...

Und auf die Freiheit des Einzelnen, sich verhüllen zu dürfen?

Dann bevorzugen Sie den französischen Ansatz: dass der Staat in die Kleiderordnung eingreift, keinen Religionsunterricht anbietet und so weiter.

«Ich bin frank. Das ist ja eine Eigenschaft. Ich bin direkt und setze mich mit meinen Ideen aus.»

Die Menschen sind gleich, die Kulturen sind es nicht?

Hm.

Das ist ein interessanter Gedanke: die westliche Kultur als Weltwunder...

Sind Sie ein spiritueller Mensch?

Was sagen Sie ihm?

Animistisch...

«Grüss Gott» ist ja auch ein alpenländischer Gruss.

Hätten Sie uns mit «Grüss Gott» begrüsst, wären wir wohl auch überrascht gewesen. Es ist ja eher ein bayrisch-österreichischer Gruss.

Jedenfalls aus katholischen Gebieten.

Als wir uns Ihre alten Fernsehinterviews anschauten, fiel uns auf, dass Sie oft mit der Frage nach dem Namen Ihres Gastes begannen. Geschah das ebenfalls in der Absicht, das Gegenüber zu verblüffen – eine Reaktion zu provozieren, die nicht vorherzusehen war?

Sie heissen Frank. Das ist für einen Schweizer kein gewöhnlicher Name.

Haben Sie den Mittelnamen zivilrechtlich eintragen lassen?

Und Ihre Familie und Ihre Freunde? Wie nennen die Sie?

Hat der Name in Ihrer Familie eine Tradition?

Ein biblischer Name.

Von Hugenotten?

Dass Sie einen Sprachberuf ergriffen haben, könnte das damit zu tun haben?

Beides Präzisionsberufe...

Sie wägen jedes Komma?

Schreiben Sie am Computer?

«Indem ich Nein sage zum Islam und anderen Ideologien, verteidige ich die Demokratie.»

Entstehen am Computer bessere Texte als an der Schreibmaschine?

Wir staunen eher, dass ein 19-Jähriger eine Kolumne hatte, die «Blick zurück ohne Zorn» hiess.

Sie sagen, Sie schreiben immer noch so wie einst. Hat sich Ihre Sprache nicht verändert, seit Sie in Deutschland leben? Das schweizerische Hochdeutsch ist ja ein anderes als das deutsche.

Was zeichnet gutes Schreiben aus?

Sie erwähnten den Rhythmus.

Hören Sie das?

Auch hier bei Ihnen zu Hause?

Sie haben einmal gesagt, Ihr bedeutendster Gesprächspartner sei ein Schriftsteller gewesen: Manès Sperber.

Den freisinnigen Nationalrat?

Von Ueli Maurer sagt man, er lese Gedichte.

Bei Manès Sperber.

Und doch kennt ihn heute fast niemand mehr. Wie erklären Sie es sich, dass ein Autor so schnell aus dem kollektiven Gedächtnis verschwindet?

Sie haben Thomas Mann angesprochen und seine Ironie, die ja auch eine Form des Humors ist. Würden Sie sich selbst als humorvollen Menschen bezeichnen?

Ist Ironie eine sanftere Form von Zynismus?

Sind Sie frei von Zynismus?

Müssen Sie manchmal dagegen ankämpfen?

Dann halten Sie wenig von Journalisten, die nur beobachten und nichts bewegen wollen?

Im Anfang war das Wort.

Ich rede, also bin ich? Das Reden beginnt vor dem Denken?

Beschreibt das auch Ihre Arbeit? Sie schreiben jede Woche im Sonntags-Blick und jeden Monat im Cicero eine Kolumne. Dafür brauchen Sie ständig Ideen. Ist das für Sie ein Finden?

Haben Sie nicht längt eine thematische Zauberformel gefunden? Im Sonntags-Blick geisseln Sie zweimal im Monat den Islam, einmal die Banken mitsamt Neoliberalismus und einmal die SVP und Christoph Blocher.

Aber über die SVP.

Sie unterscheiden nicht zwischen Islam und Islamismus. Warum nicht?

Und den gibt es nicht?

Woran denken Sie?

Mit Bindestrich?

Weil sie unseren Narzissmus kränkt?

«Im nächsten Leben werde ich Kater. Aber am liebsten doch wieder Journalist.»

Wo denn zum Beispiel?

Finden Sie es gut, dass der Streit durch die AfD nun in den Bundestag getragen und institutionalisiert wird?

Bis jetzt findet diese Debatte kaum statt.

Eine kleine Staatskrise?

Sie kritisieren ohne Erbarmen. Zahlen Sie dafür einen Preis? Haben Sie Freunde verloren, zum Beispiel mit Ihrer Kritik am Islam?

Beim Neoliberalismus wird Ihnen eher von links applaudiert, beim Islam eher von rechts.

Sie werden also nicht Priester in einem nächsten Leben?

Gilt für Sie der berühmte Satz von Albert Camus aus dem «Mythos des Sisyphos»? Muss man sich Frank A. Meyer als einen glücklichen Menschen vorstellen?

Gab es da nie schlimme Verletzungen?