Unfug Gendersprache

Mir erschliesst sich nicht, weshalb ich mich diskriminiert fühlen sollte, wenn ich als Teil der «Angestellten» nur «mitgemeint» bin.

Nach dem Frauenstreik wäre zu erwarten gewesen, dass sämtliche Frauen nun eine gendergerechte Sprache fordern.

Nach dem Frauenstreik wäre zu erwarten gewesen, dass sämtliche Frauen nun eine gendergerechte Sprache fordern.

(Bild: Keystone)

Barbara Gutzwiller@arbeitgeberbasl

Anlässlich des sogenannten Frauenstreiks vom Juni hat die Zeitung «20 Minuten» rund 11600 Personen gefragt: «Sollte man gendergerecht schreiben?» Aufgrund der über Wochen andauernden mehr oder weniger tendenziösen Berichterstattung zu gleichstellungspolitischen Themen in den Medien hätte ich eigentlich klare Zustimmung erwartet.

Umso mehr hat mich verblüfft, dass nicht nur 87 Prozent der befragten Männer, sondern auch 70 Prozent der Frauen angaben, «nur wenig von gendergerechter Sprache» zu halten. Lediglich 11 beziehungsweise 24 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass «Geschlechterstereo­type durch Sprache zementiert» würden.

Bund publiziert gar Anleitungen

Die Bundeskanzlei, viele Universitäten, Kantone und grosse Unternehmen haben von dieser Umfrage noch keine Kenntnis genommen. Auf ihren Websites finden sich nach wie vor Anleitungen «zum geschlechtergerechten Formulieren». Die Anforderungen dabei sind hoch, denn wie beispielsweise der entsprechende Leitfaden der Bundeskanzlei festhält, sind «Texte des Bundes (…) geschlechtergerecht zu verfassen. Sie sind so zu formulieren, dass sie weder Frauen noch Männer sprachlich diskriminieren, also so, dass Frauen und Männer sprachlich in gleichem Mass sichtbar gemacht werden».

Auch gemäss den Erläuterungen der Universität Basel sollen Texte gendergerecht formuliert werden, weil nur solche Formulierungen «eindeutig und klar» seien und «somit eine unabdingbare Voraussetzung für exaktes wissenschaftliches Schreiben». Im Umkehrschluss heisst das, dass Texte, die geschrieben wurden, bevor die gendergerechte Sprache eingeführt worden ist – grob gesagt also alle Texte, die vor den frühen 1980er-Jahren verfasst wurden –, samt und sonders wissenschaftlich nicht exakt formuliert sind.

Was für eine ungeheure Behauptung! Von «Formulierungen, die implizit Frauen und Männer meinen», sowie von «Generalklauseln» solle abgesehen werden, da es sich dabei «um Scheinlösungen» handle. So solle etwa der Begriff «Angestellte» durch «Personal, Belegschaft, Mitarbeitende» ersetzt werden.

Der Inhalt bleibt hinter der Form zurück

Mir erschliesst sich allerdings nicht, weshalb ich mich diskriminiert fühlen sollte, wenn ich als Teil der «Angestellten» nur «mitgemeint» bin. Und es bedeutet mir wenig, «sprachlich in gleichem Mass sichtbar gemacht» zu werden, wenn ich stattdessen Teil einer «Belegschaft» bin.

Kurz gesagt, die Umfrage zur gendergerechten Sprache hätte auch ich – als Frau seiende – klar mit «Nein» beantwortet. Bleibt die Hoffnung, dass bald der Inhalt eines Textes wieder wichtiger wird als das Einhalten künstlicher und übertriebener, dafür aber «gendergerechter» Formulierungsvorschriften.

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