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Zweitwohnungsinitiative könnte 8600 Stellen kosten

Laut einer Studie hat die Zweitwohnungsinitiative drastische Folgen: Die Zahl der Arbeitsplätze könnte stark sinken, und die Investitionen im Bau drohen um 200 Millionen einzufallen. Die Bergkantone sind alarmiert.

Weil weniger gebaut wird, fallen viele Arbeitsplätze weg: Zweitwohnungen in Sartons, oberhalb der Lenzerheide.
Weil weniger gebaut wird, fallen viele Arbeitsplätze weg: Zweitwohnungen in Sartons, oberhalb der Lenzerheide.
Keystone

Im Alpenraum könnten wegen der Zweitwohnungsinitiative bis 2015 rund 8600 Arbeitsplätze verloren gehen. Das entspricht einem Minus von 0,8 Prozent. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in Auftrag gegeben hat.

Weil weniger Zweitwohnungen gebaut werden, würden die Arbeitsplätze vor allem in der Bauwirtschaft und der Immobilienbranche wegfallen, wie das Seco mitteilte. Es weist darauf hin, dass ein Grossteil der Beschäftigten in diesen Branchen saisonal angestellt ist und teilweise aus dem Ausland stammt.

200 Millionen weniger in Bauprojekte investiert

Bei der Schätzung des Arbeitsplatzverlustes bezog sich die Verfasserin der Studie, das Forschungsinstitut BAKBASEL, auf die Verordnung, mit der der Bundesrat die Initiative vorläufig umsetzt, und verglich die Situation mit einem Szenario ohne Initiative. Die tatsächliche Umsetzung muss das Parlament beschliessen.

In einer weiteren Studie liess das Seco die Auswirkungen auf Hotelbauinvestitionen untersuchen. Demzufolge dürften im Jahr 2016 bis zu 200 Millionen Franken weniger in Neu- und Umbauten investiert werden als ohne Initiative. Betroffen wäre vor allem die gehobene Hotel-Klasse, da solche Bauten oft durch den Bau und Verkauf von Zweitwohnungen querfinanziert werden.

Mithilfe der beiden Wirkungsanalysen will das Seco prüfen, ob flankierende Massnahmen für den Tourismus sinnvoll wären. Allerdings gebe es schon heute entsprechende Förderinstrumente. Der Bundesrat will im kommenden Juni einen Tourismusbericht vorlegen, in dem er ebenfalls flankierende Massnahmen thematisieren will.

Milde Auslegung gefordert

Bergkantone und Bauwirtschaft sehen sich in ihren Befürchtungen zur Zweitwohnungsinitiative durch die Wirkungsanalysen bestätigt. Sie verlangen eine milde Auslegung der Initiative und wollen, dass der Bund die volkswirtschaftlichen Einbussen kompensiert.

Die Regierungsvertreter fordern ebenso wie die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), dass zusätzliches Geld in den Tourismus fliessen soll, um die Folgen der Initiative abzufedern. Bestehende Förderinstrumente sollen ausgebaut werden. Die SAB fordert auch eine Tourismusbank.

Alarmiert ob den Studien zeigt sich die Walliser Regierung. Die Auswirkungen seien für den Alpenraum nicht akzeptabel, hält der Staatsrat fest. Das Parlament müsse möglichst rasch Teile der derzeitigen Bundesratsverordnung zur Initiative zurücknehmen.

Die Walliser Regierung und die SAB fordern namentlich, dass lediglich nicht bewirtschaftete Ferienwohnungen unter die neuen Regeln fallen sollen. Die Initiative habe sich gegen die «kalten Bette» gerichtet. Ausserdem sollen Umnutzungen von Wohnungen unter Umständen möglich bleiben.

Das «grösste Opfer» bringe die Bauwirtschaft, da sie den grössten Teil des Arbeitsplatzverlustes zu tragen habe, schreibt der Baumeisterverband. Es mute zynisch an zu erwähnen, dass vor allem ausländische Arbeitskräfte ihre Stellen verlören.

SDA/wid

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