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Zwei Millionen für zwei Zimmer

In Schweizer Städten wie Zürich und Genf wird vor einer «Monacoisierung» gewarnt: Der Entwicklung zur Luxusdestination mit niedrigem Steuersatz und horrenden Mieten, wo reiche Zuzüger die Einheimischen verdrängen.

Wo auch kleine Wohnungen ohne Meersicht ein Vermögen kosten: Monaco.
Wo auch kleine Wohnungen ohne Meersicht ein Vermögen kosten: Monaco.
Keystone

Das kränkliche Gekläffe des Schosshündchens ist lauter als der Motor. Es sitzt auf dem Beifahrersitz des Sportcabriolets, eines erstaunlich leisen Hybridmodells, das um die Place du Casino kreist. Zum dritten Mal schon in wenigen Minuten, langsam, als gäbe es etwas zu zeigen. Ist es die Sonnenbrille der Dame am Steuer? Sind es ihre zu hohen Wangenknochen? Oder ist es dieses Auto, ein wahrer Gewissensberuhiger? Der Kellner im Café de Paris lächelt: «Mein Job verbietet mir jeden Kommentar», sagt er, «die Dame ist Kundin.» Wie alle. Und nur Statistin in einem grösseren Spektakel, diesem Corso im Carré d’Or, dem teuersten Flecken Boden in Europa, mitten in Monte Carlo, dem berühmtesten der fünf Quartiere Monacos. An jeder Ecke hängt ein Defibrillator, etwa so, wie anderswo Wasserhydranten stehen. Dahinter zieht sich die Stadt den Berg hinauf wie eine graue Terrassenlandschaft. Man nennt sie «Millefeuilles», Cremeschnitten: trostlose Bauten aus Lagen von Beton und Glas, in denen kleine Wohnungen ein Vermögen kosten. Auch ohne Meersicht.

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