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Verschüttete Piste in Andermatt könnte lange gesperrt bleiben

Die Verbindung der Skigebiete Andermatt und Sedrun kostete über 100 Millionen Franken. Wie es nach der Lawine weitergeht, ist offen.

Claudia Blumer
Sechs Skifahrer wurden am Stephanstag auf der Piste im Gebiet Andermatt-Sedrun verschüttet: Video: Leserreporter

Auf der Piste rechnet man eigentlich nicht damit. Als die Skifahrer am vergangenen Donnerstag bei strahlendem Wetter die erst im letzten Jahr eingeweihte neue Piste zwischen Andermatt und Sedrun hinunterfahren, passiert es aber: Eine Lawine reisst mehrere Skifahrer mit. Vier können sich selber aus den Schneemassen befreien, zwei werden von den Rettungsteams geborgen und ins Spital gebracht.

Wissenschaftler und Umweltverbände hätten schon vor dem Pistenbau gewarnt, schreiben nun mehrere Sonntagszeitungen (lesen Sie, was ein Experte über die verschüttete Piste sagt). Mark Schaer vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung präzisiert: «Wir haben nicht gewarnt, sondern darauf hingewiesen, dass die Lawinensituation in diesem Gebiet anspruchsvoll ist. Das ist nicht aussergewöhnlich, es betrifft auch andere Skigebiete.»

Besonders exponiert

Die neue Piste und die neue Gondelbahn, welche die Skigebiete von Andermatt und Sedrun miteinander verbinden, führen laut Schaer durch ein Gebiet, das bezüglich trockener Schneebretter und Nassschneegefährdung besonders exponiert ist. Diese beiden Risiken seien aber vergleichsweise gut kalkulierbar. Weniger gut berechenbar ist die dritte Gefahr, die Gleitschneelawine, wie sie am Donnerstag niederging.

Zwar deuten Anrisse im Schnee, sogenannte Fischmäuler, auf Nässe unter der Schneedecke und die Rutschgefahr hin. Doch oft passiere trotz Fischmäulern während des ganzen Winters nichts, sagt Schaer. Gleitschneelawinen seien ein Phänomen, mit dem sich die Lawinenforschung vermehrt werde auseinandersetzen müssen. Noch vor 25 Jahren habe man das kaum gekannt, in den letzten drei, vier Jahren hätten sich die Gleitschneelawinen aber auffällig gehäuft. Ob das mit der Klimaerwärmung zusammenhänge, könne er nicht beantworten.

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Von einer einzigartigen Verbindung von Uri und Graubünden via Skipiste war bei der Eröffnung die Rede. Auch Investor Samih Sawiris war dabei. Über 100 Millionen Franken waren für die Zusammenlegung der Skigebiete investiert worden. Nun bleibt die zentrale Verbindungspiste gesperrt, bis sich die Schneedecke stabilisiert hat, sagt Stefan Kern von der Skiarena Andermatt-Sedrun. Vom einen Gebiet ins andere wechseln können die Skifahrer zwar noch, aber nur mit der Gondel – auch abwärts. «Bis wir wissen, warum die Lawine niederging, bleibt die Piste geschlossen», so Kern.

Das könnte mehrere Tage oder auch Wochen dauern, sagt Reto Pfister von der Urner Kantonspolizei. Sie ermittelt, ob der Gleitschnee von sich aus ins Rutschen kam oder ob es Fremdeinwirkung gab. Auf einem Video ist ein Freerider abseits der Piste zu sehen. Die Polizei hat ihn aufgerufen, sich zu melden.

Das Vorgehen könne man erst besprechen, wenn Erkenntnisse vorliegen, sagt Stefan Kern. Das Bergbahnunternehmen stützt sich dabei auch auf eigene Sicherheitsexperten ab. Lawinenforscher Mark Schaer sagt: «Sicherheit im alpinen Gelände gibt es nicht. Es gibt nur Gefahren, die wir gut einschätzen können. Und andere, mit denen wir weniger Erfahrung haben.»

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