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«Es gibt ein zunehmendes Manko an guten Leuten im Handwerk»

Schreinerin, Maler oder Coiffeuse: Im Werkzentrum St. Gallen werden junge Flüchtlinge von Experten auf eine Lehre vorbereitet.

Velos flicken oder Oberteile nähen: Im Lern- und Werkzentrum lernen junge Geflüchtete das Handwerk und die deutschen Wörter darum herum.

Morgens haben die 44 jungen Erwachsenen Unterricht in Deutsch, Mathematik und Allgemeinbildung, nachmittags steht die praktische Ausbildung auf dem Programm. Ein Elektriker, ein Goldschmied, ein Velomechaniker und andere, zum Teil pensionierte, Ausbildner geben ihr Wissen den Jungen weiter. Jedes Semester wird gewechselt. Zwei Jahre dürfen die Asylsuchenden teilnehmen, bis dahin haben sie im Idealfall eine Anlehre, ein Praktikum oder gar eine Lehrstelle gefunden.

Das Lern- und Werkzentrum in St. Gallen wird vom Verein tipiti geführt und richtet sich an junge Geflüchtete. Nach Kursende erhalten sie ein Diplom, das ihnen hierzulande bei der Lehrstellensuche hilfreich sein kann. Müssen sie die Schweiz verlassen, helfen ihnen diese Erfahrungen, um sich im Heimatland eine Zukunft aufzubauen.

In den letzten Jahren kamen jedoch kontinuierlich weniger junge Migranten in die Schweiz: Waren es 2015 noch 2736, stellten im letzten Jahr nur noch 401 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge einen Asylantrag. Das Ganztagesprogramm ist bereits offen für junge Migranten aus anderen Kantonen, damit das tipiti aber weiter funktionieren kann, öffnet sich das Zentrum ab August auch für Schweizer Jugendliche, die bei der Lehrstellensuche Mühe haben.

Ausbilden mit Leidenschaft

Die Schulstunden am Morgen sind staatlich finanziert, die berufspraktische Ausbildung am Nachmittag geht aber über die Ziele der Integrationsförderung des Staatssekretariats für Migration hinaus und läuft mit privaten Geldern von Stiftungen und Spenden. Das Ausbildungsteam arbeitet deshalb auch nicht für einen branchenüblichen Lohn.

Dem pensionierten Malermeister Urs Giezendanner ist es denn auch ein persönliches Anliegen, den jungen Erwachsenen eine Perspektive zu geben, «denn ich habe während meiner Karriere 50 bis 60 Lehrlinge ausgebildet und dabei ein zunehmendes Manko an guten Leuten im Handwerk festgestellt, vor allem bei den Malern und Gipsern. Wenn diese Buben sich nicht auf der Strasse herumtreiben, ist das ein zusätzlicher Gewinn.»

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