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«Wir wollen nicht die Armee abschaffen, sondern Leben retten»

Die Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» verfolge primär ein Ziel: Menschenleben retten. Die Initianten wissen schon genau, wie viel es pro Jahr sein werden.

Die Waffe als «Drohpotenzial»?: Die Befürworter der Initiative meldeten sich heute zu Wort.
Die Waffe als «Drohpotenzial»?: Die Befürworter der Initiative meldeten sich heute zu Wort.
Keystone

Zwei Monate vor der Abstimung über das Volksbegehren haben sich am Montag Ärzte, Polizisten, Menschenrechtler und Vertreter von rund 70 weiteren Organisationen zu Wort gemeldet.

Hinter der Initiative, über die am 13. Februar abgestimmt wird, steht eine Allianz unter anderem aus Parteien, Frauenverbänden, Kirchen, Friedensorganisationen oder Gewerkschaften. Neben einem landesweiten Waffenverzeichnis fordern sie die Aufbewahrung aller Armeewaffen im Zeughaus. Mit Politik habe ihr Volksbegehren aber wenig zu tun, strichen die Redner vor den Medien in Bern hervor.

«Wir wollen nicht die Armee abschaffen, sondern Leben retten», sagte Jacques de Haller, Präsident der Verbindung der Schweizer Ärzte FMH. Die Initiative verlange daher Präventionsmassnahmen, sie stelle keine politischen Forderungen, erklärte Florian Irminger von der Westschweizer Organisation «Stop Suicide».

Sicht der Polizisten

Und Jean-Pierre Monti, Präsident des Personalverbandes der Bundeskriminalpolizei (PVfedpol), doppelte nach: «Es handelt sich in keiner Art und Weise um eine links-rechts-Debatte.» Monti sprach aus der Sicht der Polizisten: Gerade diese wüssten um das Drohpotenzial der über 2,3 Millionen Schusswaffen, die in der Schweiz in Privatbesitz seien.

Wäre jede Waffe in einem zentralen Register erfasst, würde dies auch die Arbeit der Polizei erleichtern, wie Monti sagte: Die Beamten wüssten, was auf sie zukomme, wenn sie bei häuslicher Gewalt einschreiten müssten. Und wenn ein Verbrechen geschehen sei, helfe ein landesweites Waffenverzeichnis bei der Aufklärung.

«Es kann nicht sein, dass jemand im Kanton Appenzell ein Waffenverbot auferlegt bekommt, in einem anderen Kanton jedoch problemlos eine Waffe kaufen kann», sagte der Polizeigewerkschafter. Ein solcher Fall sei heute möglich, weil die kantonalen Waffenregister nicht miteinander vernetzt seien.

Pro Jahr 100 Menschenleben retten

Für FMH-Präsident Jacques de Haller stehen medizinische Argumente für die Initiative im Vordergrund. «Wenn wir den Zugang zu Waffen einschränken, können wir im Jahr 100 Menschenleben retten», sagte er.

Das gelte besonders für selbstmordgefährdete Menschen: Zwischen 1995 und 2006 nahmen sich in der Schweiz 3410 Menschen mittels Schusswaffen das Leben, wie de Haller sagte. Das mache umgerechnet eine Person pro Tag.

Bei den Selbstmorden sei der Zugang zur Waffe entscheidend: Ein Viertel aller Selbstmorde betreffe Kurzschlusshandlungen. «Fällt die Waffe als Tatmittel weg, finden die Leute nicht so schnell eine andere Methode», erklärte der Ärztevertreter.

Unterstützung der Frauen

Tatkräftige Unterstützung an der Urne erhoffen sich die Initianten nicht zuletzt von den Frauen. Diese profitierten nämlich ganz besonders bei einem Ja zur Initiative, sagte Liselotte Fueter von den Evangelischen Frauen Schweiz (EFS). Denn die grosse Mehrheit aller häuslichen Gewaltopfer - auch Opfer von Schusswaffen innerhalb der eigenen vier Wände - sei weiblich.

Zurückhaltung übten am Montag die Parteien, welche ebenfalls zum Initiativ-Bündnis gehören: SP, Grüne und Grünliberale träten erst im Januar vor die Medien, teilte die Allianz mit.

SDA/mrs

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