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«Die Städter werden ein Zeichen setzen wollen»

Die Mitinitiantin der polarisierenden Hornkuhinitiative, Anet Spengler Neff, ist siegessicher und äussert sich zur Kritik des Bundesrats.

Die meisten Kälber werden enthornt: Dagegen wehrt sich das Initiativkomitee um Bergbauer Armin Capaul.
Die meisten Kälber werden enthornt: Dagegen wehrt sich das Initiativkomitee um Bergbauer Armin Capaul.
Gian Ehrenzeller, Keystone

Frau Spengler Neff, weshalb brauchen Tiere Hörner?

Vermutlich kennen wir noch gar nicht alle Bedeutungen, die die Hörner für die Tiere haben. Klar ist, Sie dienen als Kommunikationsinstrument und werden für die Körperpflege und die Wärmeregulation genutzt. Auch erkennen sich die Tiere gegenseitig an den Hörnern.

Weshalb halten Sie die Hornkuhinitiative für notwendig?

In der Schweiz sind heute schon etwa 90 Prozent der Kühe hornlos: Dies entspricht rund 75 Prozent der Milchkühe und fast alle Mutterkühe. Die Initiative will die Haltung horntragender Tiere fördern, da es sonst bald keine solchen mehr gibt.

Sind denn Kühe mit Hörnern glücklicher?

Das würde ich nicht sagen. Das Glück einer Kuh steht in erster Linie im Zusammenhang mit deren Haltung und der artgerechten Fütterung. Jedoch geht es auch darum, die Würde eines Tieres zu wahren. Dies, indem wir es nicht seiner Organe berauben, nur weil es damit nicht in unsere Stallungen und Haltungssysteme passt.

Von bäuerlichen Verbänden kommt die Kritik, dass die geplanten Subventionen einen Anreiz böten, die behornten Tiere im Stall anzubinden. Dies, um die Verletzungsgefahr zu verringern.

Wir wollen auf keinen Fall, dass die Tiere angebunden werden. Deshalb sollten bei einer Umsetzung der Initiative die Beiträge an das «Ethoprogramm Raus» geknüpft werden. Dies würde bedeuten, dass nur Halter einen Beitrag erhielten, die den Tieren an einer gewissen Anzahl Tagen Auslauf im Freien gewähren würden. Diese Beiträge beliefen sich jährlich auf 190 Franken pro Kuh und 38 Franken pro Ziege.

«Ich denke, dass wir gewinnen werden.»

Glauben Sie wirklich, dass die Beiträge Bauern motivieren, auf Hornkühe umzustellen oder diese zu behalten?

Die Subventionen werden nicht reichen, um neue Stallungen zu bauen. Doch hoffen wir, dass durch die Popularität des Themas über den Markt zusätzliche Möglichkeiten für die Bauern entstehen. So gibt es beispielsweise bereits Käsereien, die ihren Lieferanten für Milch von behornten Tieren mehr bezahlen. In Kombination mit den Direktzahlungen und eigenen Investitionen könnte dies für Betriebe attraktiv sein.

Bei welchen anderen Subventionen sollen die Hornkuhbeiträge eingespart werden?

Wir haben hier an die Landschaftsqualitätsbeiträge gedacht. Dies, da diese bereits umstritten sind. Auch hätten die Hörner ja ebenfalls eine Bedeutung für die Landschaft. Man denke beispielsweise an den Tourismus.

Kritiker – darunter auch der Bundesrat – sagen, dass eine zwingend finanzielle Unterstützung für horntragende Tiere nicht in der Verfassung festgeschrieben werden soll.

Ja, ich hätte eine gesetzliche Lösung ebenfalls besser gefunden. Bauer und Initiant Armin Capaul hat in den vergangenen acht Jahren auf verschiedenste Weise versucht, eine solche zu erreichen. Als vor einem Jahr die Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) des Nationalrats dem Gegenvorschlag zugestimmt hatte, sahen wir uns am Ziel. Doch die WAK des Ständerats machte uns einen Strich durch die Rechnung. Es ist nun gut, dass die Bevölkerung entscheiden kann, ob die Würde der Nutztiere verfassungswürdig ist.

Initiant Armin Capaul glaubt, dass die Hornkuhinitiative von 80 Prozent der Bevölkerung angenommen wird.

Dies scheint mir zu optimistisch. Doch denke ich auch, dass wir gewinnen werden.

Weshalb?

Es zeichnet sich keine engagierte Gegnerschaft ab. Auch tut die Initiative niemandem weh, da sie kein Verbot, sondern Unterstützung fordert. Ich glaube, dass es gerade in städtischen Gebieten viele Leute geben wird, die mit einem Ja ein Zeichen für die Würde des Tieres setzen wollen.

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