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«Wir wären die grössten Kälber»

Plötzlich diskutiert die Schweiz wieder über einen EU-Beitritt. Und die Wogen gehen hoch. Liegts gar an der Hitze? Hier die pointiertesten Meinungen aus dem Leserforum von Redaktion Tamedia.

Gespanntes Verhältnis zwischen EU und Schweiz: Schild am Zoll des Flughafens Genf.
Gespanntes Verhältnis zwischen EU und Schweiz: Schild am Zoll des Flughafens Genf.
Keystone

Der bilaterale Weg steht in der Kritik. Geäussert von Michael Reiterer, EU-Botschafter in Bern. Und von EU-Ratspräsident Herman van Rompuy. Der spricht davon, dass nun eine «Grenze erreicht» sei. Heute weilt Bundespräsidentin Doris Leuthard in Brüssel, wo sie sich mit van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso trifft. Das Verhältnis der Schweiz zur EU wird für rege Diskussionen sorgen.

Ein möglicher - oder aus anderer Perspektive: drohender - EU-Beitritt beschäftigt die User von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz sehr. 173 Leser-Kommentare wurden dazu verfasst. Hier eine Zusammenfassung der pointiertesten Meinungen

Leser Matthias Gartmann scheint fassungslos: «Wie kann man ernsthaft einen EU-Beitritt befürworten? Das ist, als würde man seine Kinder in ein Boot setzen, das gerade dabei ist, in den Fluten zu versinken. Sollen unter Brüssels sozialistischer Knute unsere Kinder und Enkel nur noch dafür arbeiten, um auf ewig Griechenland, Spanien & Co. zu alimentieren?» Eine ähnliche Metapher kam auch Markus F. Baumgartner in den Sinn: «Wer will denn schon auf ein sinkendes Schiff aufspringen?» Martina Puls hat die Verursacherin der aktuellen Diskussion geortet: «Da haben wirs, die Hitze verwirrt die Geister. Reicht schon so, dass wir die Nationalbank voller Euro haben, den wir stützen müssen.»

Nicht in diesen «Verein»

In ein ähnliches Horn stösst Leser Peter Pfrunder. Er preist die Schweiz im jetzigen Zustand: «Es will doch niemand, der alle Vor- und Nachteile abwägt, als Schweizer in die EU. Hunderttausende aus der EU kommen in die Schweiz! Wir haben die niedrigste Arbeitslosenrate, das höchste Pro-Kopf-Einkommen, die tiefsten Steuern, die einzige direkte Demokratie usw.Wir wären wohl die grössten Kälber, wenn wir in diesen Verein gehen würden!» Und Enzo Matta kritisiert den Lissabonner Vertrag: «Einer der nachgedacht hat, ist Vaclav Klaus. Hier findet ein ‹Ausverkauf der Heimat› statt.»

Urs Stotz verweist auf das Abstimmungsresultat: «Bei Abstimmungen zum EU-Beitritt hat sich das Schweizer Volk ganz klar dagegen entschieden. Dieser Entscheid wird aber von Politikern, Behörden und Regierung unterlaufen. Ich hoffe, bei den nächsten Wahlen werden sie dafür abgestraft. Ginge es um SP, Grüne, CVP und FDP, wären wir schon lange Teil des Scherbenhaufens EU.» Doch hier kontert Michael Bimmler: «An all jene, die sich jetzt so dagegen wehren, dass der Beitritt überhaupt besprochen wird, da ‹das Schweizer Volk ja schon darüber abgestimmt hat›: Die letzte Abstimmung zum Thema war im März 2001. Das ist 10 Jahre her. Das Frauenstimmrecht ist anno 59 auch vor dem Volk gescheitert und zum Glück wurde das Thema trotzdem wieder aufgebracht.»

«Blöken verboten»

«Tja, es scheint so, dass die Parlamentarier unseres Landes mit dessen Bürgern nicht zufrieden sind. Warum löst das Parlament dieses Volk nicht auf und wählt ein Neues? Bertold Brechts Zitat ist weiterhin aktuell. Mit dem EU-Beitritt wird der CH-Bürger zu einem EU-konformen ‹Schaf› degradiert: ‹Gib Milch und Wolle, und wenn das nicht reicht, auch Dein Fleisch! Und übrigens: blöken verboten!›», schreibt User Matthias Horvath. Und Peter Kraft meint: «Ausser den Linken und den Medien will gar niemand in die EU.»

Doch längst nicht alle User sind gegen einen EU-Beitritt. Leo Schale schreibt: «Wer zu spät kommt, kann nicht mitbestimmen ... damit das Rosinenpicken, Sonderrechte, bzw. Schmarotzen, etc ... endlich mal ein Ende habe.» Und Vera Kwederis meint: «EU und Euro gehören nicht unbedingt zusammen. England, Dänemark und Schweden haben trotz langjähriger Mitgliedschaft den Euro nicht eingeführt, geht also bestens auch so.»

«Nie partizipieren, wie immer»

Für einen EU-Beitritt spricht sich auch Peter Rossi aus: «Typisch schweizerisch: Nur profitieren und nie partizipieren, wie immer. Dabei haben wir diesem Gebilde, genannt EU, eine einmalig lange Friedens- und Wohlstandszeit zu verdanken. Schon Churchill fand, die Schweiz sei das Muster für ein geeintes Europa. Darum ja zur EU.» Isabel Huber schreibt: «Ich verstehe nicht, wieso sich die Schweizer so gegen einen EU-Beitritt sträuben. Ich bin Schweizerin und lebe in einem EU-Mitgliedsstaat und finde, es gibt viele Vorteile. Die Schweiz kann ja, genau wie Schweden, die Währung behalten. Nicht alles Neue und Unbekannte ist schlecht!» Und Jean-Jacques Bertschi fasst kurz zusammen: «Jahrhundertfehler: EWR-Nein. Chance kommt nie wieder. Verantwortlich: Christoph Blocher. Das wars.»

Doch in der Diskussion auf Tagesanzeiger.ch/Newsnetz dominieren mit einem Anteil von geschätzten 85 Prozent die EU-Gegner. Deshalb hier zum Schluss zwei kurz formulierte Meinungen aus diesem Lager. Fredy Brülhart schreibt: «@ alle EU-Süchtigen. Verlasst bitte die Schweiz und lasst euch in einem EU-Land nieder.» Und Daniel Blattmann meint: «Jetzt nicht dabei, hoffentlich niiiiiiiiieeeeeeeeee dabei, Punkt.»

Zusammengefasstlässt sich sagen, dass die EU-Gegner diese zwei Hauptargumente ins Feld führen:

  • Die EU ist ein sinkendes oder zumindest mit grossen Problemen beladenes Schiff. Wer will da aufspringen?
  • Wieso soll die Schweiz für die maroden und unsolidarischen PIGS-Staaten bezahlen?

Die zwei meistgenannten Argumente der EU-Sympathisanten sind:

  • Schluss mit der Rosinenpickerei. Nicht nur profitieren, auch partizipieren.
  • Eine Existenz in der EU ist auch mit dem Franken möglich.

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