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«Wir müssen die Kritik ernst nehmen»

«Wir führen ein Interview.» Der frühere CVP-Politiker Jean-Michel Cina warnt vor No Billag.

BaZ: Herr Cina, bei einem Ja zur No-Billag-Initiative müsse die SRG liquidiert werden. Übertreiben Sie da nicht?

Sie finden doch neue Einnahmequellen. Der Initiativtext verunmöglicht lediglich Gebühren.

Es könnten ja die Kantone einspringen.

Die SRG hat man einst geschaffen, weil Radio und Fernsehen sehr teuer war. Heute ist das anders. Die Kosten sind tiefer und die Privaten machen sehr viel. Glauben Sie, dass es die SRG, wie sie heute ist, noch braucht?

Neulich zeigte eine Studie, dass 70 Prozent der Journalisten der SRG sich selbst links der Mitte verorten. Das geht doch nicht, wenn man einen ausgewogenen Journalismus machen soll.

Bei den Privaten ist das kein Problem. Die SRG hat nichts getan, um den Verdacht zu zerstreuen, politisch links zu sein.

Natürlich ist die SRG links. Sonst müssten Sie sich nicht mit so einer Initiative herumschlagen.

… von linken Medienwissenschaftlern, die von SRG-Aufträgen leben.

Nein, überhaupt nicht. Fakt ist, dass es praktisch keinen Medienwissenschaftler in der Schweiz gibt, der SRG-kritisch ist. Es ist klar, dass Sie bei solchen Studien gut abschneiden. Zudem: Diese Untersuchungen messen die Qualität, aber nicht, ob die Sendung links oder rechts ist.

Wenn die Zeitschrift Bilanz die Liste der reichsten Schweizer veröffentlicht, dann übernimmt die SRG die statistisch falsche sozialdemokratische Behauptung, die «Reichen würden immer reicher und die Armen immer ärmer». Wenn das vom Publikum beanstandet wird, schalten Sie gut versteckt eine Korrektur auf Ihre Webseite – an der Moderation auf allen Kanälen ändert sich jedoch nichts. Die freiheitliche Argumentation kommt bei Ihnen nicht vor. Das Problem ist nicht, dass Ihre Journalisten links sind, sondern dass Sie keine anderen haben!

Die SRG wehrt sich seit Jahren mit allen Mitteln dagegen, über ein schlankeres Programm zu diskutieren. Einen Gegenvorschlag haben Sie im Parlament bekämpft – und damit viele Bürgerliche ins Lager der Befürworter getrieben.

Diese Debatte über den Service public und die SRG hat Bundesrätin Doris Leuthard vor mehr als zwei Jahren angekündigt, das Versprechen aber nie eingelöst.

Man muss dann irgendwann einmal Taten sehen. Warum verzichten Sie nicht auf den Online-Bereich, bei dem es genügend private Angebote gibt und es die steuerfinanzierte SRG nicht braucht? Warum sagen Sie nicht irgendwo einmal, wir geben nach?

Stimmen Sie dem Grundsatz zu, dass ein steuerfinanziertes Unternehmen ein Problem hat, wenn es Private konkurrenziert?

An die Sie sich regelmässig nicht halten. Auch im Internet liegt die Zukunft in audio-visuellen Inhalten, weshalb ich mich frage, warum Sie uns da mit Texten konkurrenzieren.

… Anstalt!

Zugegeben, «Medienhaus» ist ein Fortschritt. Ihre Vorgänger haben immer von Unternehmen geredet, obwohl die SRG kein Unternehmen ist.

Sie haben 246 Chefs im Parlament.

Bei uns ist es so, dass wir jederzeit kündigen und gehen können. Weil das Fernsehen ein Monopol hat, fällt das Ihren Journalisten sehr viel schwerer. Wenn die einmal bei Ihnen sind, dann kommen sie nicht mehr weg.

Nur bei der CVP ist niemand …

Ja sicher, das ist unser Journalismus – und wir dürfen das, weil wir privat sind. Die SRG darf das nicht, weil sowohl der Linke wie der Rechte bezahlen müssen.

Das ging gegen SVP-Bundesrat Guy Parmelin. Wir möchten einmal eine solche Recherche gegen Doris Leuthard sehen. Sie sagen, ein Ja zu No Billag wäre der Untergang der Demokratie, wenn nicht gar des Landes. Übertreiben Sie dabei nicht?

Gott sei Dank!

Doch. Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer aus dem Baselbiet sagt das zum Beispiel. Eine Linke – und sie hat recht!

Es reicht nicht zu sagen, man sei ausgewogen. Sie müssen in der Redaktion für mehr politische Vielfalt sorgen. Das hat die SRG verpasst, Ihre Leute sind einseitig links. Sie müssten Journalisten anstellen, die ganz klar bürgerlich sind.

Wann kommen die harten Recherchen gegen die beiden SP-Bundesräte? Warum verteidigen Sie die SP und deren Einfluss auf die SRG?

Es wäre zum Beispiel schön gewesen, die SRG hätte in den letzten dreissig Jahren ein einziges Mal das Bankgeheimnis positiv dargestellt.

Aber Sie wissen, dass es wahrscheinlich so ist.

Sie erreichen gar nicht mehr so viele Leute.

Die jungen Leute schauen weg. Ihre Zuschauer sind durchschnittlich über sechzig Jahre alt.

Das sind nur 34 von insgesamt 273 in der Schweiz gemeldeten Sendern.

Sogar wenn die SRG tatsächlich einen Beitrag zur Demokratie leistet, was soll der Unterhaltungsteil, der auch von Privaten erbracht werden könnte?

Nicht unbedingt.

Die SRG sollte das machen, was der Markt nicht schafft. Ich habe kein Problem mit SRF 2, das würde nie jemand produzieren. Aber die Kommerzialisierung, welche die SRG in den letzten Jahren vollzogen hat, die ist falsch.

Das sagte schon Roger de Weck unablässig: den Horrorfilm um Mitternacht brauche es, damit der Zuschauer dann die Tagesschau schaue. Das ist doch seit der Erfindung der Fernbedienung passé.

Bitte, wir schreiben ja nicht über Politik, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen, sondern weil wir überzeugt sind, dass die Menschen das lesen wollen. Sie müssen Politik so bringen, dass die Zuschauer das anschauen wollen – und nicht einen Unterhaltungszirkus veranstalten, damit die Leute dann vielleicht auch einmal eine Informationssendung schauen.

Richtig. Wie wird sich die SRG nach einer Ablehnung der Initiative verhalten?