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«Wir haben nicht mit einer Aktion dieser Art gerechnet»

Dutzende Polizisten haben am frühen Morgen auf Anordnung der Berner Regierung das «AKW-Ade-Camp» geräumt. Die Gegner des Kernkraftwerks Mühleberg reagieren empört.

Vom Camp ist nur noch wenig zu sehen.
Vom Camp ist nur noch wenig zu sehen.
TeleBärn
Auch die Solarzellen müssen weg.
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TeleBärn
Das Zelt wird symbolisch mitgetragen.
Das Zelt wird symbolisch mitgetragen.
Tobias Ochsenbein
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Die Polizei hat in der Nacht auf heute das AKW- Protest-Camp vor dem Hauptsitz des Berner Energiekonzerns BKW geräumt. Bei der Polizeiaktion wurden 26 Personen angehalten.

Die Polizisten fuhren gegen 3.30 Uhr vor der kleinen Wiese am Berner Viktoriaplatz auf. Alle Campierer wurden einer Personenkontrolle unterzogen und am frühen Morgen wieder freigelassen.

Nach dem Abbruch des Zeltlagers bewachte rund ein Dutzend Polizisten den Ort. Etwa ein halbes Dutzend Mitglieder der Stadtgärtnerei machten sich unterdessen daran, mit Maschinen und Schaufeln den Boden des kleinen Parks aufzulockern.

Betroffene üben Kritik an der Polizei

Etliche Passanten bekundeten im Vorbeigehen spontan ihre Zustimmung zur Räumung, währenddem einige Anti-AKW-Aktivisten mit Transparenten vor dem Gelände sichtlich konsterniert den Aufräumarbeiten zusahen.

Er sei enttäuscht von «dieser Nacht- und Nebelaktion des Gemeinderates», sagte Philip Zimmermann, Aktivist und Mitglied der Jungen Grünen. Es sei ein Skandal, dass man das Protest-Camp abbaue, «statt gegen den Schrottreaktor Mühleberg» vorzugehen.

Aline Trede, ebenfalls von den Jungen Grünen, bezeichnete das Vorgehen der Stadt als Wahlkampfaktion von Stadtpräsident Alexander Tschäppät. «Wir werden sicher seinen Rücktritt fordern», sagte Trede.

«Wir haben niemals mit einer Aktion dieser Art gerechnet», erklärt ein anderer Demonstrant seinen Unmut gegenüber Redaktion Tamedia. Am letzten Mittwoch habe das letzte Gespräch stattgefunden. Von einer Räumung sei keine Rede gewesen.

Ein Aktivist aus Deutschland, der nur eine Nacht im Camp habe verbringen wollen, ärgerte sich vor allem darüber, «dass die Polizei ihm den Pass und das Geld abgenommen hat». «Ich habe nun gar nichts mehr und kann zurzeit nicht nach Deutschland zurückkehren», entrüstet er sich. Die Polizei habe den Betroffenen mitgeteilt, dass sie die beschlagnahmten Gegenstände in einer Woche wieder abholen könnten.

«Mühleberg abschalten»

Anti-AKW-Aktivisten hatten Anfang April nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima ein zunächst kleines Zeltlager auf der Wiese vor dem BKW-Hauptsitz errichtet. Sie wollten so lange bleiben, bis der Konzern das AKW Mühleberg abschalte, hiess es von Seiten der Aktivisten.

In den Tagen nach Fukushima erhielten die Camp-Teilnehmer viel Zuspruch aus der Bevölkerung. Aus den paar Zelten wurde rasch ein Zeltlager. Im Camp fanden Konzerte, Lesungen und andere Aktivitäten statt.

Die Stadt Bern tolerierte das Zeltlager zunächst und versuchte im Gespräch mit den Organisatoren einen Zeitpunkt für den Abzug des Camps auszuhandeln. Einigen konnten sich die beiden Parteien aber auch nach wochenlangem Hin und Her nicht.

Vorwurf der Untätigkeit

Vor allem von bürgerlicher Seite her wurde der Ruf laut, das Zeltlager auf öffentlichem Grund zu räumen. Der Gemeinderat geriet immer mehr in die Kritik, dem Treiben untätig und führungsschwach zuzusehen.

Man habe viel Verständnis dafür gezeigt, dass nach der Katastrophe von Fukushima das Bedürfnis bestand, sich für die Abschaltung von Aktomkraftwerken einzusetzen, schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung.

Der Gemeinderat hätte sogar eine Mahnwache, beispielsweise in Form von Transparenten auf der Wiese, toleriert. Die Aktivisten seien aber nicht bereit gewesen, einzulenken, schreibt die Berner Stadtregierung in ihrer Mitteilung weiter.

Mit der Räumung des Camps habe sich der rot-grüne Stadtberner Gemeinderat nun auch auf die Seite der Atomlobby gestellt, kritisierten die Aktivistinnen und Aktivisten in einem Communiqué.

Die Aktivistinnen und Aktivisten wollen ihren Protest weiterführen, bis das AKW Mühleberg vor den Toren der Stadt Bern vom Netz genommen werde. Bereits für Dienstagmittag war ein Protest- Picknick angesagt, und für Donnerstag ist eine Kundgebung geplant.

SDA/pbe, ami

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