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Wie viel sich die Kandidaten den Wahlkampf kosten liessen

Im eidgenössischen Wahlkampf im vergangenen Herbst haben die Kandidaten aller Parteien über 30 Millionen Franken ausgegeben. Rund die Hälfte davon berappten sie aus der eigenen Tasche.

Die Kandidierenden aller Parteien haben für den Wahlkampf 2011 zusammen schätzungsweise 30,5 Millionen Franken ausgegeben. Am meisten liessen die Kandidatinnen und Kandidaten von SVP und FDP springen: 7,7 Millionen respektive 7,1 Millionen Franken.

4 Millionen wendete die SP auf, 3,8 Millionen die CVP, 2,4 Millionen die GPS und je rund 1,3 Millionen BDP und GLP. Die Selects-Studie hat diese Summe aufgrund von Befragungen von 1676 Kandidatinnen und Kandidaten von National- und Ständerat ausgerechnet. Das waren etwa die Hälfte aller Kandidierenden bei den eidgenössischen Wahlen 2011.

Laut eigenen Angaben investierten die Kandidierenden am meisten aus ihrem privaten Vermögen. Rund 50 Prozent der Mittel stammen aus dieser Quelle. Absolut macht dies bei den SVP-Kandidierenden je rund 10'000 Franken aus, bei der SP sind es nur 2600 Franken. Die SVP-Kandidierenden können gegenüber den Kandidierenden anderer Parteien auch am meisten Spenden generieren.

SVP Opfer ihrer selbst

Die SVP ist laut der Selects-Wahlstudie in den Wahlen 2011 Opfer ihrer selbst verursachten Polarisierung geworden. Sie blieb zwar stärkste Partei, isolierte sich aber in der politischen Landschaft. Die Gewinner GLP und BDP konnten dagegen von allen Seiten Wähler gewinnen.

Mit der jahrelangen Polarisierung und ihrer Positionierung als nationalkonservative Rechtspartei hat sich die SVP zwar eine treue Anhängerschaft aufgebaut, die sie gut mobilisieren kann. Andererseits ist aber auch der Anteil jener gewachsen, für die die SVP unwählbar ist, wie Georg Lutz, Projektleiter der Selects- Wahlstudie, am Montag in Bern darlegte.

Laut dem Genfer Politik-Wissenschaftler Pascal Sciarini ist die SVP in einem Dilemma: Um ihre Anhänger bei der Stange zu halten, muss sie weiterhin einen pointierten Rechtskurs steuern. Damit stösst sie aber Wählende der Mitte ab. Steuert sie einen gemässigteren Kurs, kann sie ihre Anhänger weniger mobilisieren.

GLP und BDP bekamen Stimmen von allen Seiten

Die Wahlgewinner BDP und GLP, die sich vor einigen Jahren von der SVP respektive den Grünen abgespalten hatten, konnten sich als klare Mitte-Parteien positionieren. Sie gewannen Wähler aus fast allen anderen Parteien.

Zwischen SVP, FDP und CVP gab es kaum grössere Wählerwanderungen. Markant war dagegen der Stimmentausch zwischen Grünen und SP, deren Wählerpotenziale sich überlappen. Ein Viertel der Grünen- Wählerschaft hatte 2007 noch SP gewählt. Die SP konnte bei Auslandschweizern und Eingebürgerten überdurchschnittlich viele Stimmen gewinnen. Zweitstärkste Kraft bei diesen Wählergruppen war die SVP.

SP und SVP mit grössten Potenzialen

SP und SVP haben die grössten Wählerpotenziale: 41 respektive 35 Prozent der Befragten könnten sich vorstellen, SP beziehungsweise SVP zu wählen. Das SVP-Potenzial schrumpfte zwar gegenüber 2007, aber die Partei konnte es immerhin zu drei Vierteln ausschöpfen, während nur knapp die Hälfte der potenziellen SP-Wählenden auch SP wählte.

Auch FDP, CVP und Grüne konnten ihre (schrumpfenden) Potenziale nur zu einem Drittel oder einem Viertel ausschöpfen, GLP und BDP die ihren zu weniger als einem Fünftel. Die Isolation in der politischen Landschaft führte auch dazu, dass die SVP mit ihrem Angriff auf Sitze im Ständerat scheiterte - trotz prominenter Kandidaten. Während die linken Wähler die Kandidaten ihrer Parteien (SP, Grüne) für die kleine Kammer gut und relativ geschlossen unterstützten, war bei den bürgerlichen Parteien diese gegenseitige Unterstützung wesentlich weniger einheitlich.

Zersplitterte Politlandschaft

Die Polarisierung der Politlandschaft der Schweiz von 1991 bis 2007 wurde 2011 durch die Verluste von SVP und Links-grün sowie dem Erstarken von BDP und GLP gestoppt. Das Zentrum wurde wieder stärker - trotz Verlusten von CVP und FDP.

Diese Entwicklung dürfte sich nach Einschätzung von Sciarini fortsetzen. Das Schmieden von Koalitionen, lange Zeit hauptsächlich in den Händen von FDP und CVP, dürfte schwieriger werden, ebenso das Regieren.

Die Selects-Studie wurde vom Schweizer Kompetenzzentrum Sozialpolitik FORS in Lausanne in Zusammenarbeit mit verschiedenen Universitäten und dem Bund durchgeführt und vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt. Sie stützt sich auf eine Nachbefragung von 4391 Stimmenden in den drei Wochen nach den Wahlen.

Ausserdem wurden in den 40 Tagen vor den Wahlen jeden Tag rund 100 Personen über ihre Wahl- und Beteiligungsabsichten befragt. Diese Befragungen zeigten, dass in den letzten Wochen vor den Wahlen keine grossen Umwälzungen mehr stattfanden.

SDA/ami

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