Wie viel mit dem Hausarzt gespart werden könnte

Die Notfallstation ist beliebt: Über 80 Prozent der Patienten gehen bei gesundheitlichen Problemen lieber direkt ins Spital als zum Hausarzt. Wie hoch die dadurch verursachten Kosten sind, zeigt eine neue Studie.

Zwar haben 87 Prozent aller Schweizer einen Hausarzt, 83 Prozent aller Patienten gehen trotzdem direkt in den Spitalnotfall: Notfallstation im Spital in Sion.

Zwar haben 87 Prozent aller Schweizer einen Hausarzt, 83 Prozent aller Patienten gehen trotzdem direkt in den Spitalnotfall: Notfallstation im Spital in Sion.

(Bild: Keystone)

Notfallabteilungen sind seit Jahren stark überlastet und verursachen hohe Kosten. Wie hoch die Kosten sind, die durch unnötige Besuche der Notfallstationen, zeigt erstmals eine neue Studie des Berner Inselspitals. Ohne unnötige Notfall-Besuche könnten 100 Millionen Franken gespart werden, schreibt die «SonntagsZeitung».

Das liegt vor allem daran, dass zu viele Patienten direkt ins Spital gehen und nicht erst zum Hausarzt. Laut Studie haben nur 57 Prozent der Ausländer überhaupt einen Hausarzt. Zu 97 Prozent weisen sie sich selbst in den Notfall ein. Bei den Schweizern haben noch 87 Prozent einen Hausarzt. Doch 83 Prozent aller Schweizer gehen trotzdem direkt in den Spitalnotfall, ohne vorher ihren Arzt zu konsultieren.

Ungeduld der Patienten

Das liege vor allem daran, dass viele Patienten ungeduldig seien, zitiert die «SonntagsZeitung» den Sprecher des Kantonsspitals Baden, Marco Bellafiore: «Eine grosse Gruppe kommt in den Notfall, weil sie nicht innert Stunden oder gleichentags einen Termin bei ihrem Hausarzt erhalten hat.»

Das führe dazu, dass Harnwegsinfektionen, Prellungen, Quetschungen und Schnittwunden, die genauso gut vom Hausarzt behandelt werden könnten, die Notfallabteilung verstopfen, schreibt das Blatt. Am Inselspital Bern beträgt dieser Anteil rund 30 Prozent. Der Hausarzt könnte diese Fälle kostengünstiger behandeln. Schweizweit könnten bis zu 100 Millionen Franken unnötige Notfallkosten jährlich gespart werden.

Notfallbesuch kostet bis zu 500 Franken

Der Hausarzt stelle dem Patienten im Schnitt 176 Franken in Rechnung. Da der Patient im Spital unbekannt sei, würden mehr Untersuche durchgeführt, wodurch die Kosten bei durchschnittlich 500 Franken liegen.

Der Berner Gesundheitsökonom Heinz Locher sieht das Problem in der Schweiz aber vor allem im Mangel an Hausärzten: «In der Schweiz fehlen Hausärzte, die diese Notfälle übernehmen könnten», sagt er gegenüber dem Blatt. Für Jacques de Haller, Präsident der Ärzteverbindung FMH sei die Einrichtung einer von Hausärzten geführten Notfallpraxis im Spital eine mögliche Lösung. Dieses Modell finde bereits in einigen Kantonsspitälern Anwendung.

Weitere Lösungen werden ebenfalls diskutiert, wie zum Beispiel die Zentralisierung der Notfallversorgung. Das sei auch notwendig, die Hälfte der jetzt tätigen Hausärzte seien nämlich in fünf Jahren pensioniert und das führe zu weiteren Kostenexplosionen.

ske

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