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Wie die Polizei die Kurden-Gang im Auge hatte

Sondame sorgte am Samstag in Zürich für Unruhe. Als die Polizei einschritt, ergriffen ihre Mitglieder die Flucht. Zürcher Stapo und Fedpol nehmen Stellung.

Am Samstag erhielt die Stadtpolizei Zürich diverse Anrufe besorgter Anwohner und Passanten. Sie berichteten von aufgebrachten Fussballfans, die sich auf dem Helvetiaplatz im Kreis 4 versammelt hätten. Wie sich später herausstellte, handelte es sich jedoch um eine Gruppierung namens Sondame.

Polizeisprecher Marco Cortesi bestätigt, dass die Strassengang der Stadtpolizei bekannt ist. Auch wenn sie in Zürich bisher noch nie aktiv in Erscheinung getreten sei, habe die Polizei ein wachsames Auge auf sie geworfen: «Wir stützen uns auf Hinweise aus deutschen Medien und dem Bundesamt für Polizei (Fedpol).»

Fedpol-Mediensprecher André Callegari bestätigt, dass Sondame seit kurzem auch in der Schweiz vertreten ist. In den letzten Wochen seien mehrere Vorfälle rund um die Gruppe polizeilich registriert worden. «Es musste mit solchen Vorfällen gerechnet werden», sagt Callegari.

Gummischrot-Einsatz der Polizei

Am Samstag gab es laut Cortesi keinen Grund für Festnahmen. Die Polizei liess die Gang zunächst gewähren, als diese die Langstrasse entlanglief. Als die Anhänger jedoch die Strasse blockierten, schritt die Polizei ein und führte Personenkontrollen durch. Bei der Leibesvisitation sei allerdings nichts Illegales aufgetaucht, sagt Cortesi.

Mehrere Sondame-Mitglieder versuchten dennoch in umliegende Strassen zu flüchten, wo die Polizei bereits Strassensperren errichtet hatte. Die Flüchtenden wollten die Blockaden durchbrechen, worauf die Polizei Gummischrot einsetzte. Die meisten Mitglieder begaben sich in die Golden-Gate-Bar an der Schöneggstrasse, konnten jedoch nach kurzer Zeit von der Polizei gefasst werden, wie Cortesi berichtet. Nach einer polizeilichen Intervention kamen sie einzeln heraus und liessen sich widerstandslos kontrollieren. Sie erhielten darauf eine Wegweisung aus dem Kreis 4 für 24 Stunden. Verletzt wurde niemand, Strafverfahren werden nicht eingeleitet.

«Eine grosse Familie»

Die Strassengang Sondame setzt sich aus Mitgliedern kurdischer Abstammung zusammen. Auf der Facebook-Seite der Gruppierung wurden kurz nach dem Vorfall am Wochenende Bilder des Aufmarschs veröffentlicht. Dort hätten sie kurdische Parolen skandiert. Die jungen Männer posieren vor der Kamera und recken die Fäuste. Auf der Bildüberschrift steht: «Sondame Power».

Selber will sich die Gruppierung nicht als Gang bezeichnen. So steht auf ihrer Facebook-Seite: «Sondame ist keine Streetgang, sondern eine grosse Familie.» Ansonsten ist zu entnehmen, dass sie für einen unabhängigen Staat Kurdistan einsteht und mit der Rockerbande United Tribuns verfeindet ist. Die laut «SonntagsZeitung» noch junge Gruppierung besitzt inzwischen mehrere Ableger in Deutschland und der Schweiz.

In seinem aktuellen Jahresbericht warnt das Bundesamt für Polizei (Fedpol) vor neuen Strassengangs. Auch die Kantonspolizei Zürich ist alarmiert. «Wir beobachten die Szene aufmerksam und sind bei Bedarf bereit einzugreifen», sagt Sprecher Marc Besson.

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