Weshalb sich ein SVP-Ständerat für Kügeli-Medizin stark macht

Der Schwyzer SVP-Ständerat Alex Kuprecht brach in der letzten Sessionswoche eine ungewöhnlich heftige Debatte vom Zaun. Ein persönliches Erlebnis ist der Hintergrund seines Engagements: die Schlafstörungen seiner Gattin.

Er fordert von Gesundheitsminister Didier Burkhalter, den Volksentscheid zur Alternativmedizin ohne Wenn und Aber umzusetzen: Der Schwyzer SVP-Ständerat Alex Kuprecht.

Er fordert von Gesundheitsminister Didier Burkhalter, den Volksentscheid zur Alternativmedizin ohne Wenn und Aber umzusetzen: Der Schwyzer SVP-Ständerat Alex Kuprecht.

(Bild: Keystone)

Claudia Blumer@claudia_blumer

Seine Interpellation löste vergangene Woche ein hitziges Wortgefecht aus. Der Schwyzer SVP-Ständerat Alex Kuprecht hatte gefragt, ob sich der Bundesrat bewusst sei, dass die Bundesverfassung die Aufnahme der Komplementärmedizin in die Grundversicherung festschreibe.

Die Bundesratsantwort fiel laut Kuprecht unbefriedigend aus, weshalb er in der Ständeratsdebatte das Verfahren um die Aufnahme der alternativen Heilmethoden heftig kritisierte. Vom Gesundheitsminister Didier Burkhalter forderte er, «keine weiteren Runden mit neuen Experten zu drehen», sondern «den Volksentscheid ohne Wenn und Aber ernst zu nehmen und den Verfassungsentscheid umzusetzen».

Nervenleiden mit Alternativmedizin geheilt

Kuprechts Engagement hat einen persönlichen Hintergrund, wie er zu baz.ch/Newsnet sagt. «Meine Frau hatte nachts Schlafstörungen, was erst mit einer komplementärmedizinischen Behandlung geheilt werden konnte. Zuvor hatten wir es monatelang erfolglos mit Schulmedizin versucht.»

Doch nicht nur deswegen kämpfe er für die Alternativmedizin, sagt Kuprecht. «Die Komplementärmedizin ist auch viel günstiger, der Anteil an den Gesamtkosten beträgt weniger als ein Prozent.» Schul- und Komplementärmedizin müssten nebeneinander existieren können. Schliesslich hätten fast alle Alternativmediziner eine schulmedizinische Ausbildung.

«Nicht gedacht, dass die Emotionen so hochgehen»

Ein SVP-Politiker, der für die Alternativmedizin eine Lanze bricht, fällt auf. Zwar verläuft der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern nicht entlang von Parteigrenzen, doch die Komplementärmedizin erhält hauptsächlich von den Grünen, der SP und der CVP Unterstützung. Dass sich ein SVP-Ständerat derart vehement für die Alternativmedizin einsetzt, ist auch in den Augen von Nationalrätin und Gesundheitspolitiker Yvonne Gilli (Grüne/SG) ungewöhnlich. «Es war eine ungewöhnlich heftige Debatte für den Ständerat», konstatiert sie.

Bundesrat Didier Burkhalter reagierte in der Ständeratsdebatte ungehalten auf die Vorwürfe von Kuprecht, und der Ständeratspräsident schloss mit der Bemerkung: «Ich habe nicht erkannt, dass die Emotionen so hochgehen würden, sonst hätte ich das Geschäft auf den Nachmittag verschoben.» Kuprecht ist von Burkhalter enttäuscht, wie er sagt. «Als er noch Ständerat war, hat er sich für die Komplementärmedizin stark gemacht. Heute ist von diesem Engagement manchmal nicht mehr viel zu spüren.»

baz.ch/Newsnet

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