Zum Hauptinhalt springen

Weshalb Katholiken weniger häufig Suizid begehen

Eine Studie belegt: Wer keiner Religion angehört, begeht eher Selbstmord. Vor allem die katholische Kirche gibt den Menschen Halt – besonders einer Gruppe von Menschen.

Gibt vielen Menschen Halt: die katholische Kirche, hier jene von Econe im Wallis
Gibt vielen Menschen Halt: die katholische Kirche, hier jene von Econe im Wallis
Keystone

Die Zugehörigkeit zu einer Religion schützt laut einer Studie der Universitäten Bern und Zürich vor Suizid. Selbsttötungen sind demnach bei konfessionslosen Schweizerinnen und Schweizern häufiger als bei Protestanten. Am wenigsten gefährdet sind Katholiken.

Die Studie der Forscher um Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern basiert auf der Schweizer Volkszählung im Jahr 2000, wie die Uni Bern am Mittwoch mitteilte. Daten von über drei Millionen Menschen im Alter von 35 bis 94 Jahren wurden erfasst und verknüpft mit den Sterbedaten bis Ende 2005.

Wie das Team im Fachmagazin «International Journal of Epidemiology» berichtet, war bei Menschen ohne Religionszugehörigkeit das Suizidrisiko deutlich erhöht. Im Untersuchungszeitraum wurden bei ihnen auf 100'000 Einwohner 39 Selbsttötungen registriert. Bei den Protestanten waren es 29 Suizide, bei den Katholiken 20.

Frauen profitieren stärker von der Religion

Der Effekt liess sich über alle Altersgruppen feststellen. Aber bei älteren Menschen war der «Schutzfaktor», Katholik zu sein, stärker - und das Suizidrisiko unter den Konfessionslosen grösser. Auch zwischen den Geschlechtern fanden sich Unterschiede: Der schützende Effekt der Religion scheint bei Frauen grösser zu sein als bei Männern.

Die Religion sei «eine wichtige soziale Kraft», folgern Egger und seine Kollegen. Der katholische Glaube verurteile sowohl die Selbsttötung als auch die Suizidbeihilfe, die in der Schweiz unter bestimmten Bedingungen legal ist und von Sterbehilfeorganisationen geleistet wird.

Bei diesen assistierten Suiziden ist der Zusammenhang mit der Religion denn auch besonders deutlich, wie die Studie zeigte. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen lassen sich konfessionslose Männer etwa fünf und Frauen sogar fast sieben Mal häufiger in den Tod begleiten als Katholiken.

Singles und Witwer sind stärker betroffen

Diese Daten beruhen nur auf drei Untersuchungsjahren - assistierter Suizid ist in den Sterbestatistiken des Bundes erst seit 2003 separat vermerkt. «Gerade bei Personen, die sich nicht zu einer Religion bekennen, scheint der assistierte Suizid eine Möglichkeit zu sein, im Alter das Leben selbstbestimmt zu beenden», wird Matthias Egger im Communiqué zitiert.

Die Studie zeigt auch, dass die Suizidrate bei Verheirateten nur rund halb so gross ist wie bei Singles, Witwern oder Geschiedenen. Und Menschen aus der Deutschschweiz und der Romandie haben ein etwa doppelt so grosses Suizidrisiko wie Tessinerinnen und Tessiner. Unterschiede zwischen den Bildungsniveaus fand die Studie dagegen keine.

These von Soziologe Durkheim erhärtet

Insgesamt bestätigt die Studie Befunde, die der französische Soziologe Emile Durkheim bereits vor über hundert Jahren machte. Durkheim verglich 1897 unter anderem die Suizidraten zwischen den Kantonen und fand ein höheres Suizidrisiko in protestantischen als in katholischen Kantonen.

Er stellte deshalb die Hypothese auf, dass der soziale Zusammenhalt und die soziale Integration unter Katholiken stärker sei, etwa weil sie häufig miteinander zur Messe oder zur Beichte gingen. Das führe anscheinend zu einer tieferen Suizidrate.

SDA/miw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch