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Wer am härtesten gegen Verkehrssünder vorgeht

Dass die Schweiz den Mercedes eines deutschen Autofahrers einzieht, sorgt über die Landesgrenzen hinaus für Aufregung. Dabei kennen mehrere Länder mindestens so strenge Verkehrsgesetze wie die Schweiz.

27'000 Franken Busse: Im Jahr 2010 erwischte die Freiburger Polizei einen 37-jährigen Schweden, der mit seinem Mercedes SLS 290 Kilometer pro Stunde gefahren war. Hätte er das Verkehrsdelikt nach dem 1. Januar 2013 begangen, wäre die Strafe härter ausgefallen.
27'000 Franken Busse: Im Jahr 2010 erwischte die Freiburger Polizei einen 37-jährigen Schweden, der mit seinem Mercedes SLS 290 Kilometer pro Stunde gefahren war. Hätte er das Verkehrsdelikt nach dem 1. Januar 2013 begangen, wäre die Strafe härter ausgefallen.
Kantonspolizei Freiburg

Dass die Aargauer Kantonspolizei den Mercedes eines deutschen Rasers beschlagnahmt hat, sorgt insbesondere in dessen Heimatland für Aufsehen. Zahlreiche Nachrichtenportale wie RTL.de und Welt.de berichten über die strengen Schweizer Verkehrsgesetze. Die Nachrichtenagentur DPA warnt vor der «Raserfalle Schweiz», auch die österreichische «Kronenzeitung» widmet dem Schicksal des 59-jährigen Württembergers einige Zeilen. Und offensichtlich stösst die Berichterstattung auf grosse Resonanz: Ein Artikel auf Spiegel.de provozierte über 400 Wortmeldungen in der Kommentarspalte, an einer Umfrage haben bis am Dienstagmittag 160'000 Personen teilgenommen.

In der Tat nimmt der schweizerische Kampf gegen Raser europaweit eine Sonderstellung ein. Das am 1. Januar 2013 in Kraft getretene Massnahmenpaket erlaubt bei Raserdelikten neben der Einziehung von Fahrzeugen auch den lebenslänglichen Führerausweisentzug und Freiheitsstrafen bis vier Jahre. In seinem Heimatland wäre der 59-Jährige für ein vergleichbares Delikt um einiges glimpflicher davongekommen. In Deutschland kostet eine Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 70 km/h ausserorts 600 Euro, zudem wird der Führerschein für drei Monate eingezogen und das Flensburger Strafpunktekonto um zwei Zähler erhöht.

Autoenteignung auch in Italien und Dänemark

Die Enteignung von Autos ist in Deutschland ebenfalls möglich, allerdings geschieht das vor allem, wenn das Fahrzeug mit illegalen Tuning-Methoden aufgemotzt wurde oder der Autofahrer ohne Führerausweis oder unter Drogeneinfluss unterwegs ist. Ausserdem sieht das Deutsche Strafgesetzbuch auch die Enteignung von «Gegenständen» vor – darunter können auch Autos fallen – , wenn sie zur Begehung von Straftaten gebraucht werden. Auch in Italien und Dänemark müssen Autofahrer damit rechnen, dass ihnen der Staat ihr Auto enteignet. Diese Strafe ist allerdings für Fahren unter Alkoholeinfluss vorgesehen.

Ein internationaler Bussenvergleich des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touringclub (ÖAMTC) zeigt, dass die Schweiz gegenüber Rasern besonders unnachgiebig ist. Geschwindigkeitsüberschreitungen von mehr als 50 km/h kosten gemäss der ÖAMTC-Liste in Spanien ab 600 Euro, in Norwegen mindestens 940 Euro, in Frankreich ab 1500 Euro. In der Schweiz wird ein Strafverfahren eröffnet und ein Richter entscheidet über die Höhe des Strafmasses. Empfehlungen von Richterverbänden gehen dabei von mindestens 30 Tagessätzen aus. Der Tagessatz für jeden Delinquent wird individuell berechnet und entspricht rund einem Tageslohn nach Abzügen für Versicherungen, Steuern und Unterstützungsbeiträge.

Rotlicht in Griechenland am teuersten

Abgesehen davon zeigt der Bussenvergleich, dass die Autofahrer in der Schweiz zwar meist härter angefasst werden als in Deutschland, aber sanfter als in anderen europäischen Ländern. So wird eine Geschwindigkeitsübertretungen von 20 km/h in in Deutschland mit 35 Euro gebüsstden Niederlanden mit mindestens 160 Euro bestraft, in Italien mit mindestens 170. Wer auf einer Schweizer Autobahn mit 140 km/h erwischt wird, bezahlt im Ordnungsbussenverfahren 180 Franken, umgerechnet 150 Euro. Das Überfahren eines Rotlichts kostet in Dänemark 270 Euro, in Griechenland gar 350 Euro, in der Schweiz 250 Franken, umgerechnet 205 Euro.

In nordischen Ländern wird ein besonderes Augenmerk auf den Kampf gegen Trunkenheit am Steuer gelegt. Dafür werden in Norwegen Strafen ab 900 Euro erhoben, in Schweden ab 40 Tagessätzen. In Dänemark wird mindestens ein Monatsverdienst fällig. Auch in südlichen Ländern werden hohe Strafen für Alkohol am Steuer fällig, etwa in Spanien (500 Euro), Italien (530 Euro) und Malta (1200 Euro).

Bussen für das schmale Budget in der Türkei

In der Schweiz ist mit dem Massnahmenpaket «Via Sicura» auch der Kampf gegen Blaufahrer verschärft worden. Hierzulande gilt ein Alkoholverbot etwa für Neulenker und Berufschauffeure. Wer mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille oder mehr fährt, muss seine Fahreignung durch einen Verkehrsmediziner abklären lassen. Diese Massnahmen werden ab dem kommenden Jahr weiter ausgebaut. Um die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit zu beurteilen, ist es laut den meisten Verkehrsexperten noch zu früh. Klar ist jedoch, dass die Zahl tödlicher Unfälle auf Schweizer Strassen seit 2010 um 18 Prozent zurückgegangen ist.

Besondere Milde gegenüber Verkehrssündern lassen etwa die Türken walten: Alkohol am Steuer kostet ab 55 Euro, Geschwindigkeitsüberschreitungen von mehr als 50 km/h 75 Euro, ein überfahrenes Rotlicht 55 Euro. Übrigens: Bei den Lesern von Spiegel.de kommen die Schweizer Massnahmen gegen Raser gut an. 60 Prozent der Teilnehmer der Umfrage sind dafür, dass Rasern auch in Deutschland das Auto weggenommen wird.

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