Volk vertraut den Medien mehr als den Parteien

Der Zukunftsoptimismus hat 2018 laut einer Studie der ETH Zürich einen historischen Höchstwert erreicht. Gestiegen ist auch das Vertrauen in die Medien.

Das Vertrauen in die Schweizer Medien ist gestiegen: Ein Kameramann filmt ein Display mit verschiedenen Schweizer Zeitungen .

Das Vertrauen in die Schweizer Medien ist gestiegen: Ein Kameramann filmt ein Display mit verschiedenen Schweizer Zeitungen .

(Bild: Keystone Andy Müller)

Laut der ETH-Studie «Sicherheit 2018» vertrauen Schweizerinnen und Schweizer erstmals den Medien mehr als den politischen Parteien, die neu den letzten Platz belegen.

Das gestiegene Vertrauen in die Medien könnte laut den Forschern mit dem Abstimmungskampf zur No-Billag-Initiative zu tun haben. In diesem Zusammenhang wurde über den Wert einer hochwertigen Berichterstattung für die Demokratie diskutiert.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Das Sicherheitsempfinden wird jährlich von der Militärakademie und dem Center for Security Studies an der ETH Zürich erhoben, in der heutigen Form seit 1999. Manche Fragestellungen reichen indes weiter zurück. Am Freitag sind die Resultate der Studie «Sicherheit 2018» präsentiert worden.

Aktuell beurteilen 87 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer die Zukunft der Schweiz optimistisch. Das sind 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Zukunftsoptimismus habe 2018 einen historischen Höchstwert erreicht, heisst es in der Studie.

Weniger Angst vor Terror

Leicht gestiegen ist auch das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum: 83 Prozent der Befragten fühlen sich dort sicher, 4 Prozent mehr als 2017. Die Autoren der Studie erklären sich das damit, dass es weniger terroristische Anschläge in der Nähe gab.

Dem Thema «Terrorismus» messen die Befragten aber nach wie vor grosse Bedeutung zu. Wie im Vorjahr sind 89 Prozent der Auffassung, Terrorismus sollte stärker bekämpft werden als bisher.

Sicherheit vor Freiheit

Eine ambivalente Haltung haben Schweizerinnen und Schweizer bei der allgemeinen Gewichtung von Freiheit versus Sicherheit. Werden diese beiden Begriffe in Verbindung zur Terrorismusbekämpfung gesetzt, geht jedoch die Sicherheit klar vor: Einschränkungen der persönlichen Freiheit werden von 64 Prozent der Befragten befürwortet.

Auch Extremismus sollte aus Sicht der Stimmbevölkerung stärker bekämpft werden. Beim Rechtsextremismus stimmten dieser Aussagen 80 Prozent der Befragten zu, ähnlich viele wie in den letzten Jahren. Beim Linksextremismus sprachen sich 68 Prozent für eine stärkere Bekämpfung aus. Das ist der höchste bisher gemessene Wert.

Vertrauen in Polizei und Gericht weiter hoch

Das Vertrauen in die Institutionen und Behörden bleibt hoch – und liegt 2018 über dem langjährigen Schnitt. Auf einer 10er-Skala liegt es bei 6,7, der langjährige Durchschnitt beträgt 6,3. Das höchste Vertrauen geniesst nach wie vor die Polizei, gefolgt von den Gerichten. An dritter Stelle folgt der Bundesrat. Die mittleren Positionen belegen die Wirtschaft, die Armee und das eidgenössische Parlament.

Junge für die Armee

Zur Armee haben die Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor eine positive Einstellung. Aktuell erachten 81 Prozent die Armee als notwendig. Generell sind die 18- bis 29-Jährigen skeptischer eingestellt. Dieser Befund zeigt sich 2018 jedoch nicht mehr: 79 Prozent der 18- bis 29-Jährigen finden, die Schweizer Armee sei notwendig. Das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Autoren der Studie erklären sich dies zum einen mit der aktuellen instabilen weltpolitischen Lage. Die junge Generation sehe, wie rasch Veränderungen möglich seien. Zum anderen ist diese Generation generell konservativer als frühere, wie auch andere Studien zeigten. Die Zustimmung zu einem EU-Beitritt bleibt tief und liegt aktuell bei 16 Prozent.

Ein Viertel in der Filterblase

Erstmals erhoben wurde dieses Jahr, mit wem sich Schweizerinnen und Schweizer über Politik unterhalten. Dabei ging es den Forschern um das Phänomen der Filterblase oder Echokammer, über das besonders im Zusammenhang mit Social Media diskutiert wird. Eine grosse Mehrheit der Stimmbevölkerung pflegt gemäss der Befragung den Austausch mit Personen, die eine andere politische Überzeugung vertreten. Ein Viertel zeigt hingegen die Tendenz, sich in einer Echokammer oder Filterblase zu bewegen.

Unabhängig vom Alter

Die beiden Gruppen unterscheiden sich nicht nach Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Bildung, politischer Einstellung oder Einkommen. Echokammern existierten demnach unabhängig von diesen Faktoren und könnten in jeder Gruppe entstehen, schreiben die Forscher.

Jene Schweizerinnen und Schweizer, die sich vor allem mit Personen der eher gleichen politischen Überzeugung unterhalten, fühlen sich im Allgemeinen unsicherer als Personen, die auch mit politisch anders Gesinnten diskutieren. Dies veranschauliche den Effekt von Filterblasen, heisst es in der Studie.

Die Daten wurden zwischen dem 4. und dem 30. Januar durch das Forschungsinstitut Link erhoben. Dabei wurden 1209 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger telefonisch interviewt.

nag/SDA

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